Nach dem blutigen Umsturz in Kirgistan hat Russlands Premier Putin die selbsternannte Übergangsregierung in Bischkek anerkannt. Dort stürmen derweil Plünderer die Residenz des Ex-Präsidenten.
Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin betrachte Oppositionsführerin Rosa Otunbajewa als Chefin einer neuen Regierung, sagte ein Sprecher des russischen Ministerpräsidenten. Otunbajewa habe Putin in einem Telefonat erklärt, sie habe die vollkommene Kontrolle über Kirgistan.
Menschen in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek stürmen in Richtung Regierungsgebäude, wo mittlerweile die selbsternannte Regierungschefin Otunbajewa das Kommando übernommen hat. (© Foto: dpa)
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In einem Telefongespräch mit Otunbajewa hat Putin nach Angaben seines Sprechers versichert, dass Russland weiterhin bereit sei, den Kirgisen "humanitäre Hilfe" zu leisten. Das verkündete auch der kirgisische Oppositionsführer Omurbek Tekebajew vor dem Parlamentsgebäude in Kirgistans Hauptstadt Bischkek.
Laut Tekebajew habe der russische Regierungschef auch gesagt, dass "er die Politik von Kirgistans Übergangsregierung unterstützt". Russland hat neben den USA eine Militärbasis in der ehemaligen Sowjetrepublik, die nördlich von Iran und Afghanistan liegt. Zum Schutz der dort stationierten Streitkräfte und ihrer Familien hat Russland bereits 150 Soldaten nach Kirgistan entsandt.
Neuwahlen versprochen
Die selbsternannte Regierungschefin Otunbajewa hat derweil in Bischkek rasche Neuwahlen versprochen. Die Präsidentenwahl solle in einem halben Jahr stattfinden, sagte die ehemalige Außenministerin. Die Übergangsregierung solle noch sechs Monate an der Macht bleiben, "um eine neue Verfassung vorzubereiten und eine Präsidentschaftswahl zu organisieren, die allen demokratischen Regeln entspricht".
Nach gewaltsamen Ausschreitungen hatte die Opposition in Kirgistan die Regierung gestürzt. Bei Straßenschlachten zwischen Sicherheitskräften und Demonstrantensind der Opposition zufolge mindestens 100 Menschen getötet worden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind 75 Menschen getötet und etwa 1000 verletzt worden.
Der bisherige Präsident Kirgistans, Kurmanbek Bakijew, ist nach Angaben Otunbajewas in seine Heimat Dschalalabad im Süden des Landes geflohen, um dort seine Anhänger zu sammeln.
Sein verlassenes Haus haben Gegner der gestürzten Regierung geplündert: Dutzende Kirgisen durchsuchten die in Brand gesetzte Residenz nach Brauchbarem und trugen Bücher, Wertgegenstände, aber auch Pflanzen und Heizkörper aus den qualmenden Ruinen in den Garten.
"Guckt euch an, wie die Bakijews gelebt haben", rief ein Mann, der ein zerrissenes Foto von Bakijews Frau in der Hand hielt, den Plünderern zu. "Guckt euch die Diamanten an, während die Leute gerade mal genug zum Leben haben." In einem der Räume, in denen wütende Regierungsgegner die Parole "Tötet Bakijew" an die Wand geschmiert hatten, schraubten zwei Männer einen schweren Heizkörper ab.
Ban Ki Moon ruft zur Ruhe auf
"Die Mächtigen haben die Menschen ausgeraubt, jetzt raubt das Volk die Mächtigen aus", sagte der Schulleiter Nurali Baimatowitsch, der Bakijews Heizungen in seiner Schule anbringen wollte. So wolle er den Kindern helfen, "sich selbst eine Zukunft aufzubauen". Von Plünderungen könne daher nicht wirklich gesprochen werden, sagte er.
In Wien hat unterdessen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Ruhe in dem zentralasiatischen Land aufgerufen. Er werde den ehemaligen OSZE-Generalsekretär und slowakischen Außenminister Jan Kubis als Sondergesandten der Vereinten Nationen nach Kirgistan beordern.
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(sueddeutsche.de/Reuters/AFP/cgn/odg)
Szene München
Wenn Putin einen "Volksaufstand" für gut befindet oder ihn toleriert, stinkt das so sehr zum Himmel, dass man es auf der ganzen Welt riechen müsste.
Ein KGB-Spion ist ein eiskalter Mörder, ein menschenverachtender Befehlsempfänger. Ein Faschist.
Jemand, der gewohnt ist, nichts anbrennen zu lassen.
Koste es was es wolle.
Mir erzählt Niemand, und schon gar nicht die ferngelenkten Medien, dass so ein "Umsturz" unter den Augen der USA und Russlands, etwas anderes bezwecken soll als den Interessen bestimmter Gruppen dieser Staaten zu dienen.
Allein die Weichenstellung, in der Berichterstattung diesmal NICHT von Terroristen zu sprechen, muss doch heutzutage in einer Redaktion für jede Menge Gesprächstoff sorgen ...