Umstrittener Internet-Clip Die Bundeswehr als Ballerspiel

Ein Eurofighter mit feuerspeienden Triebwerken, Bombendetonationen - und dazu die Nationalhymne: So machte die Bundeswehr mit einem Video Imagewerbung im Internet. "Gewaltverherrlichend und geschmacklos", urteilte die Opposition, jetzt ist der Clip aus dem Netz verschwunden.

Von Peter Blechschmidt

Mit feuerspeienden Triebwerken hebt ein Eurofighter vom Boden ab. Ein Kampfhubschrauber umschwirrt einen Containerfrachter. Ein Leopard-Panzer pflügt durch unwegsames Gelände. Rasant geschnittene Szenen reihen sich zu einem Video-Clip aneinander. Dazu dröhnt harte Rockmusik aus dem Lautsprecher. Allmählich ist in dem Heavy-Metal-Lärm die deutsche Nationalhymne zu erkennen. Gestatten: Die Bundeswehr stellt sich vor.

Umstrittener Internet-Clip Die Bundeswehr als Ballerspiel

Ein Eurofighter mit feuerspeienden Triebwerken, Bombendetonationen - und dazu die Nationalhymne: So machte die Bundeswehr mit einem Video Imagewerbung im Internet. "Gewaltverherrlichend und geschmacklos", urteilte die Opposition, jetzt ist der Clip aus dem Netz verschwunden.

(Video: Video: zoomin / Vorschaubild: AP, Foto: AP)

Diesen Clip von 1:37 Minuten Länge hatte das Verteidigungsministerium dem Bundespresseamt für seinen Internetauftritt "Die Bundesregierung auf YouTube" geliefert. Man kann über diese Art von Imagewerbung geteilter Meinung sein. Den Verteidigungspolitikern Rainer Arnold (SPD) und Agnieszka Malczak (Grüne) gefiel sie jedenfalls nicht. Der Clip war am Donnerstag erst wenige Stunden im Netz, da meldeten die beiden schon heftige Kritik an. "Gewaltverherrlichend und geschmacklos", fand Arnold. Der Dienst in der Bundeswehr werde wie ein "Ballerspiel" dargestellt, meinte Malczak. Die Kombination von Nationalhymne und Bombendetonationen sei historisch unsensibel und nicht hinnehmbar, monierten beide.

Nun hätten sich diese Kommentare weitgehend unbeachtet versendet, wäre nicht das Video kurz darauf von der Homepage des Bundespresseamtes verschwunden, wie der Militär-Blogger Thomas Wiegold (www.augengeradeaus.net) herausfand. Soldaten, die seinen Dienst eifrig nutzen, witterten Zensur und Einknicken vor militärfeindlicher Kritik. Da sehe man mal wieder den geringen Rückhalt durch die Politik.

Alles falsch, versicherte am Freitag der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter. Das Video habe nicht in die "Corporate Identity" des Regierungsauftritts auf YouTube gepasst. Dort stelle die Bundesregierung in Wort und Bild ihre Arbeit dar. Doch nun habe man festgestellt, dass in dem Video gar nicht gesprochen wird. Deshalb habe man den Clip aus der Videothek genommen. Die inhaltliche Kritik teile die Regierung nicht, beteuerten Streiter und der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Stefan Paris. "Wir stehen zu dem, was wir gemacht haben", sagte Paris.

Nicht zweifelsfrei zu klären war, ob das Bundespresseamt ausdrücklich einen Clip "mit Wort und Bild" bestellt hatte. Offen blieb auch, warum das Fehlen des sprachlichen Elements erst so spät bemerkt wurde. "Dem einen fällt so was eben früher auf, dem anderen später", meinte Streiter lakonisch. Am Freitag lief auf YouTube - zackig, aber nicht so martialisch - das Wachbataillon der Bundeswehr.