Konflikt zwischen Kiew und Moskau Nato: Russische Armee operiert auf ukrainischem Boden

Russischer Soldat in der Nähe der ukrainischen Stadt Donezk: Mittlerweile soll das russische Militär auf dem Gebiet des Nachbarlands operieren.

(Foto: AFP)

Generalsekretär Rasmussen spricht von russischem Artilleriebeschuss im Nachbarland +++ Hilfskonvoi auf ukrainischem Gebiet: Kiew wirft Russland "Invasion" vor +++ "Terroristen" haben nach Angaben der Regierung Litauens einen ihrer diplomatischen Vertreter "gekidnappt und brutal getötet" +++

  • "Terroristen" sollen einen diplomatischen Vertreter Litauens in der Ostukraine getötet haben, meldet der Außenminister des baltischen Staates.
  • Nach Tagen des Wartens rollt ein russischer Hilfskonvoi ohne Erlaubnis über die Grenze zur Ukraine. Deren Präsident Petro Poroschenko sieht darin einen Bruch des Völkerrechts.
  • USA fordern Russland zum sofortigen Abzug der Lastwagen von ukrainischem Gebiet auf.
  • Nato-Generalsekretär Rasmussen wirft Russland vor, auf ukrainischem Gebiet zu operieren und ukrainische Regierungstruppen zu beschießen.
  • Separatisten melden Ankunft von Lastwagen in Lugansk. Putin verteidigt den Grenzübertritt gegenüber Merkel.

Kiew spricht von "Invasion" Russlands

Nach dem Grenzübertritt des Hilfskonvois wirft die Ukraine Russland eine "direkte Invasion" auf ukrainisches Territorium vor. Dies sagte der Chef des Inlandsgeheimdiensts SBU, Valentin Nalywajtschenko. "Es handelt sich um Militärfahrzeuge unter dem zynischen Deckmantel des Roten Kreuzes." Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko warf der Regierung in Moskau eine Verletzung des Völkerrechts vor.

Man habe die Lastwagen aber passieren lassen, um jede Provokation zu vermeiden, erklärte die Regierung in Kiew. Ein Sprecher des russischen Zolls sagte der Agentur Interfax: "Alle 280 Lastwagen sind auf die ukrainische Seite gefahren." Am Nachmittag dann meldete die Agentur mit Berufung auf einen Separatistensprecher, die ersten Lastwagen hätten die Stadt Lugansk erreicht.

US-Regierung fordert "unverzüglichen Abzug" des Konvois

Das Vorgehen Russlands löste international Empörung aus. Die Regierung der USA forderte Russland auf, den Konvoi "unverzüglichvom Gebiet der Ukraine" abzuziehen, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte. Man sei sehr besorgt über die Lage.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte das Agieren Russlands. Moskau habe damit eine Grenzverletzung begangen und müsse die Entscheidung zurücknehmen, sagte ihr Sprecher.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen berief eilig für den Freitag eine Sondersitzung ein. Dabei soll das Politische Amt der UN die Mitglieder über die Situation informieren.

Nato erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen rügte, die Konvoi-Fahrt verletze die ukrainische Souveränität. Die Allianz beobachte zudem einen "alarmierenden Aufbau" russischer Boden- und Lufttruppen nahe der Ukraine. Zudem seien seit Mitte August auch russische Soldaten auf ukrainischen Gebiet aktiv. Unter anderem beschieße russische Artillerie von diesseits und jenseits der Grenze ukrainische Regierungstruppen.

"Anstatt die Lage zu deeskalieren, fährt Russland fort, sie zu eskalieren." Die New York Times bezeichnet die neue Situation als dramatische Eskalation des Konflikts. Der russische UN-Botschafter Vitali Tschurkin bestritt Rasmussens Vorwürfe.

Putin zu Merkel: Kiew nimmt zivile Opfer in Kauf

Zur Begründung des Grenzübertritts erklärte das Außenministerium in Moskau: "Wir ertragen die offenen Lügen und die Weigerung, eine Einigung zu erzielen, nicht länger - Russland hat beschlossen zu handeln."

In einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte der russische Präsident Wladimir Putin diese Position. Zudem habe er seine Sorge artikuliert, dass die prowestliche Regierung in Kiew die Separatistenhochburgen Lugansk und Donezk immer stärker unter Beschuss nehme und dabei weitere zivile Opfer in Kauf nehme, hieß es in einer Mitteilung des Kreml.

Litauischer Konsul in Lugansk entführt und erschossen

In der Krisenregion um die Großstadt Lugansk haben Unbekannte einen litauischen Diplomaten entführt und ermordet. Der Honorarkonsul sei erschossen gefunden worden, teilte das litauische Außenministerium in Vilnius mit. "Bewaffnete Terroristen" hätten den Mann vor wenigen Tagen an einen unbekannten Ort verschleppt und getötet. "Wir verurteilen dieses Verbrechen und hoffen, es wird untersucht und die dafür Verantwortlichen werden ermittelt und bestraft", hieß es in der Mitteilung des baltischen EU- und Nato-Mitglieds. Lugansk gilt als Hochburg prorussischer Separatisten im Kampf gegen die ukrainische Armee.

Geplantes Treffen von Poroschenko und Putin

Entspannung in der Ukraine-Krise sollen mehrere hochrangige Krisentreffen in den kommenden Tagen bringen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Samstag in Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko über eine mögliche Unterstützung sprechen. Militärische Hilfe schließt die Bundesregierung aus.

Bei einem mit Spannung erwarteten Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin will Poroschenko am Dienstag einen Rückzug der prorussischen Separatisten aus dem Osten des Landes fordern.