Ukraine-Konflikt Heftige Kämpfe nahe Absturzstelle von MH17

Die ukrainische Armee versucht zum Unglücksort der abgestürzten Passagiermaschine von Malaysian Airlines vorzudringen - dabei nehmen die Streitkräfte eine strategisch wichtige Anhöhe ein. Doch die Kämpfe behindern die Experten vor Ort.

  • Ukrainische Armee setzt Einsatz gegen prorussische Separatisten fort und versucht zur Absturzstelle von Flug MH17 vorzudringen. Expertengruppe muss wieder umkehren.
  • EU-Staaten weiten Sanktionen gegen Russland auf weitere Personen aus.
  • Die USA legen Satellitenaufnahmen vor, die beweisen sollen, dass russische Soldaten auf ukrainische Streitkräfte geschossen haben.
  • UN wirft prorussischen Separatisten Schreckensherrschaft in der Ostukraine vor.

Streitkräfte erobern strategisch wichtige Anhöhe

Bei schweren Gefechten in der Ostukraine sind erneut mehrere Zivilisten ums Leben gekommen. Mindestens fünf Männer seien beim Artilleriebeschuss von Lugansk getötet worden, teilte die Verwaltung der Großstadt mit. Nahe dem geschlossenen internationalen Flughafen in Lugansk attackierten demnach prorussische Separatisten Regierungseinheiten mit Grad-Raketenwerfern.

Im benachbarten Donezk starben den Behörden zufolge mindestens drei Zivilisten bei Kämpfen zwischen der Armee und Aufständischen. In der Nähe der Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeugs mit der Flugnummer MH17 setzten die Sicherheitskräfte ihre Angriffe auf Stellungen der Separatisten fort. Die Aufständischen berichteten von schweren Straßenkämpfen in Schachtjorsk. In der Stadt südöstlich von Donezk sei der Strom ausgefallen. Die ukrainische Luftwaffe habe mehrere Angriffe geflogen, hieß es. Nach schweren Kämpfen sei die strategisch wichtige Anhöhe Saur-Mogila unweit der russischen Grenze von der Armee erobert worden, teilte die Präsidialverwaltung in Kiew mit.

Nach Informationen der New York Times wird im US-Verteidigungsministerium und in Geheimdienstkreisen darüber diskutiert, der Regierung in Kiew präzise Informationen über die Stellungen der prorussischen Separatisten zu liefern. Dadurch könnte die Ukraine Waffen zerstören, die Russland den Separatisten zur Verfügung gestellt haben soll.

EU-Staaten weiten Sanktionen aus

Die 28 EU-Staaten weiten die Sanktionen gegen Russland auf weitere Personen aus. Die Botschafter der Staaten beschlossen am Montag in Brüssel eine Liste mit Namen, gegen die Einreiseverbote und Kontensperrungen verhängt werden. Dabei soll es nach früheren Angaben von Diplomaten um den inneren Kreis rund um den russischen Präsidenten Wladimir Putin gehen. Die Namen sollen aber erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Bislang hat die EU Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen 87 Personen sowie 18 Organisationen und Unternehmen beschlossen.

Bergungsarbeiten weiterhin schwierig

Heftige Kämpfe in der Ostukraine machten auch am Montag Bergungsarbeiten an der Absturzstelle von Flug MH17 unmöglich. Experten aus den Niederlanden und Australien brachen zwar von Donezk Richtung Grabowo auf, mussten aber unverrichteter Dinge zurückkehren, wie das Justizministerium in Den Haag mitteilte. Gerichtsmediziner und unbewaffnete Polizisten sollten nach bislang ungeborgenen Opfern suchen. Begleitet wurde die Experten-Gruppe von Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) in Europa, wie die OSZE mittelte. Aufständische stellten die Eskorte.

Washington veröffentlicht Fotos, die militärisches Eingreifen Russlands belegen sollen

Die USA werfen Russland vor, ukrainisches Gebiet mit Raketen beschossen zu haben. Das Außenministerium in Washington veröffentlichte am Sonntag Satellitenaufnahmen, die belegen sollen, dass russische Streitkräfte über die Grenze hinweg in der vergangenen Woche auf das ukrainische Militär feuerten. Zu sehen seien Abschussrampen sowie Einschlagskrater, die auf einen mehrfachen Beschuss mit Raketenwerfern hindeuteten. Außerdem würden die Aufnahmen belegen, dass prorussische Separatisten ukrainische Truppen mit schwerer Artillerie aus Russland angegriffen hätten.

UN beklagt Gewaltherrschaft in der Ostukraine

Die Zahl der in den Auseinandersetzungen zwischen Armee und prorussischen Separatisten Getöteten ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Das geht aus einem am Montag vorgestellten UN-Bericht hervor: "Stand 26. Juli wurden mindestens 1129 Menschen getötet und 3442 verletzt." In einem UN-Bericht vom 18. Juni lag die Zahl der seit April Getöteten noch bei 356.

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay verurteilte den Einsatz "schwerer Waffen in Wohngebieten" durch beide Konfliktparteien. Den Rebellen warf sie vor, in den von ihnen eroberten Gebieten eine "Herrschaft des Terrors" errichtet zu haben. Zivilisten würden von den Rebellen entführt, gefoltert und ermordet. Das Vorgehen sowohl der Separatisten als auch der Armee müsse unter Umständen als Verletzung des humanitären Völkerrechts eingestuft und verfolgt werden. Der mutmaßliche Abschuss des malaysischen Flugzeugs über der Ostukraine könnte nach Einschätzung der UN ein Kriegsverbrechen darstellen, so Pillay.

Erste Informationen über Absturz

Der Absturz des Malaysia-Airlines-Maschine ist nach ukrainischen Angaben durch einen "Druckabfall in Verbindung mit einer starken Explosion" verursacht worden. Dies habe die Untersuchung eines Expertengremiums ergeben, teilte der ukrainische Rat für Sicherheit und Verteidigung mit. Das Niederländische Untersuchungsbüro für Sicherheit (OVV), das die Untersuchungen leitet, wollte die Angaben weder bestätigen noch dementieren. Das OVV wolle sich erst äußern, wenn sich aufgrund der Ermittlungsergebnisse ein vollständiges Bild der Vorgänge abzeichne, sagte Sprecherin Sara Vernooij der Nachrichtenagentur AFP.

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