TV-Debatte der Republikaner Trump und Cruz beenden ihre Romanze

Donald Trump (links) neben dem Senator aus Texas, Ted Cruz, während der Republikaner-Debatte im US-Fernsehen.

(Foto: AFP)
  • Die TV-Debatte der Republikaner bringt wenig Substanz, aber viel Krawall.
  • Erstmals legen sich mit Donald Trump und Ted Cruz die beiden führenden konservativen Präsidentschaftskandidaten öffentlich miteinander an.
  • 17 Tage vor der ersten Vorwahl in Iowa läuft den Establishment-Kandidaten die Zeit davon.
Von Johannes Kuhn, New Orleans

Cruz gegen Trump, Bush gegen Trump, Rubio gegen Cruz, Christie gegen Rubio, Ben Carson gegen seine Müdigkeit - statt substanzieller Debatten erleben die Zuschauer der republikanischen TV-Debatte eine Auseinandersetzung auf persönlicher Ebene.

"Ich habe mein Leben lang die Verfassung vor dem Supreme Court verteidigt", sagt Ted Cruz unter dem Applaus des Publikums zu Donald Trump. "Ich sage dir, ich werde keinen Rechtsberatung von Donald Trump annehmen", triumphiert Cruz. Zuvor hat der Senator, der in Iowa knapp vor dem Immobilien-Unternehmer liegt, minutiös Trumps Theorie auseinandergenommen, dass er als in Kanada geborener Amerikaner womöglich gar nicht antreten dürfe. Trump selbst? Gibt zu, dass er das Thema nur aufgebracht hat, weil der Rivale in den Umfragen zugelegt hat.

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Kurz darauf ist es Ted Cruz, der in der Defensive ist: Was er gemeint habe, als er Trump "New Yorker Werte" vorgeworfen habe. "Jeder weiß, was das bedeutet", sagt er in Anspielung auf die liberale Gesinnung der Ostküsten-Metropole, "es kommen nur wenige Konservative aus Manhattan."

"Ted, das war eine sehr verletzende Aussage"

Trump widerspricht, preist New York und erinnert an den 11. September 2001: "Keine andere Stadt hätte so wundervoll und menschlich damit umgehen können wie New York", sagt er über die Reaktion auf die Terrorangriffe. Und erhält so viel Applaus, dass auch Cruz ihm Beifall zollen muss. "Ich muss dir sagen, Ted, das war eine sehr verletzende Aussage", schließt er nicht ohne Scheinheiligkeit.

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Der Schlagabtausch zwischen Cruz und Trump auf der Bühne in North Charleston, South Carolina, ist bemerkenswert, weil sich die beiden öffentlich als Freunde präsentiert hatten. Die Angriffe bleiben auch deshalb in Erinnerung, weil es diese beiden Kandidaten sind, die auch nach diesem Abend die Favoriten bleiben werden. Cruz als Vertreter der wütenden, überzeugten Christen, Trump als Vertreter des wütenden Rests.

Das Establishment kämpft bereits um die letzte Chance: Mit John Kasich, Jeb Bush, Chris Christie und Marco Rubio sind gleich vier Teilnehmer davon abhängig, im zweiten Vorwahlstaat New Hampshire direkt hinter oder sehr nahe an Donald Trump zu landen, der in Umfragen mit großem Vorsprung führt.

Vor allem Rubio wirkt angriffslustig, wirft seinem neuen Erzrivalen Christie vor, zu nahe an US-Präsident Obama zu sein; hält Cruz am Ende vor, seine Meinung zu ändern. Der Senator aus Florida will alle übertreffen: "Hillary Clinton wäre ein Desaster für die nationale Sicherheit", sagt Jeb Bush. Rubio mischt sich ein: "Nicht nur das: Hillary Clinton hat sich als Oberbefehlshaberin disqualifiziert."

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