Truppenübung Russland und Weißrussland starten umstrittenes Manöver

An dem gemeinsamen Manöver von Russland und Weißrussland nehmen möglichweise deutlich mehr Soldaten teil als angekündigt.

(Foto: Vayar Military Agency/dpa)
  • In Weißrussland, nahe der polnischen und litauischen Grenze, haben Russland und Weißrussland mit einem gemeinsamen Militärmanöver - "Zapad 2017" - begonnen.
  • Offiziellen Angaben zufolge sollen an der Übung knapp 13 000 Soldaten teilnehmen. Die Bundesregierung geht allerdings von bis zu 100 000 Beteiligten aus.
  • Viele in Litauen fürchten, dass die vielen russischen Soldaten in der Grenzregion stationiert bleiben könnten.

Russland und Weißrussland haben mit einem gemeinsamen Militärmanöver begonnen. Offiziell sollen die Einheiten in Weißrussland den Kampf gegen Terroristen trainieren. Das Szenario: Extremisten fallen in der russischen Exklave Kaliningrad und in Weißrussland ein, verbreiten Terror und versuchen die Regierung zu stürzen. Unterstützung erhalten die Extremisten von den fiktiven Nachbarstaaten Wesbaria und Lubenia. Russland und Weißrussland müssen mit aller Macht zurückschlagen.

Es handelt sich nicht um eine einfache Anti-Terror-Übung, sondern um eine vollständige Kriegssimulation zu Land, Luft und See. Dennoch heißt es aus Moskau: "Die Übung hat einen rein defensiven Charakter und richtet sich nicht gegen einen Staat oder eine Gruppe von Ländern." Im Nachbarland Litauen will man dem jedoch nicht so recht glauben. Viele fühlen sich an 2014 erinnert, als auf eine ähnliche russische Militärübung die Annexion der Krim folgte. Offiziellen russischen Angaben zufolge sollen an der siebentägigen Übung 12 700 Soldaten, etwa 250 Panzer und zehn Schiffe teilnehmen. Mehrere westliche Staaten und die Nato gehen allerdings davon aus, dass die eigentliche Teilnehmerzahl deutlich höher sein könnte. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen schätzt, dass bis zu 100 000 Soldaten an dem Manöver teilnehmen könnten.

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Kritiker fürchten auch, dass die russischen Soldaten nach der Übung möglicherweise in Weißrussland stationiert bleiben. Allein der Name des russischen Manövers lässt viele in Litauen nervös werden. "Sapad" (oder auch Zapad), zu Deutsch "Westen", macht deutlich, in welche Richtung die Panzerrohre bei dieser Übung zeigen.

Um den Litauern die Angst vor einem Szenario wie der Krim-Annexion zu nehmen, üben nur etwa 100 Kilometer entfernt 450 Bundeswehrsoldaten gemeinsam mit Nato-Einheiten den Verteidigungsfall. Auch wenn die Nato-Truppen den russischen und weißrussischen Einheiten auf der anderen Seite der Grenze zahlenmäßig weit unterlegen sind: Das Kalkül ist, dass Russland es so nicht wagen werde, anzugreifen. Es sei schließlich etwas anderes, ob man nur Litauen angreife, oder auch Deutsche, Amerikaner und Niederländer.

Die Bundeswehr beteiligt sich in diesem Jahr mit deutlich weniger Soldaten an Militärübungen in Osteuropa als im Vorjahr. Etwa 4260 Soldaten nehmen bis November an 15 Manövern der Nato und einzelner Verbündeter teil, die in erster Linie der Abschreckung Russlands dienen. 2016 hatte Deutschland noch 5500 Soldaten in 24 Manöver geschickt.

Grund für das scheinbar schwächere Engagement: Inzwischen hat die Nato Truppen in Osteuropa stationiert. Allerdings sind sie formal nicht fest stationiert, das würde gegen Verträge mit Russland verstoßen - die Einheiten sollen alle neun Monate wechseln. Aus russischer Perspektive ein klarer Vertragsbruch und eine Bedrohung.

So wächst das Misstrauen zwischen Russland und der Nato. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, mit ihren Militärmanövern provozieren zu wollen.

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