Viel Lärm um nichts: Nach tagelangem Streit über den Fastnachtauftritt Thilo Sarrazins in Mainz stehen am Ende eine Büttenrede ohne Witz, ein Geehrter, der mit seinem Laudator fremdelt - und eine Demonstration, die die Karnevalisten gar nicht lustig finden.
In bunten Uniformen marschieren sie heran; empfangen werden sie von wütenden Demonstranten, 200 sollen es sein. "Hier kommen die Biedermänner und die Brandstifter", ruft ein grell geschminkter Mann bei jedem Karnevalist, der ins Mainzer Kurfürstliche Schloss strebt. Die Uniformierten ist an diesem Sonntagabend nur begrenzt lustig zumute. Sie bahnen sich mit versteinerten Gesichtern ihren Weg, bis einem Alten der Kragen platzt: "Kommunistenpack!"
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Thilo Sarrazin beim Fastnachtsauftritt in Mainz: Vor dem Saal standen wütende Demonstranten, drinnen ging es ausnahmsweise einmal nicht um Ausländer. (© dpa)
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Drinnen, im großen Festsaal, geht es gemütlicher zu. Kaum zu glauben, dass der schmale Mann, der da mitten im Trubel im grauen Anzug steht, den ganzen Ärger ausgelöst hat: Thilo Sarrazin. Vor zwei Jahren erhielt er den Ehrenpreis der Mainzer Ranzengarde, der "Beelzebub aus Berlin", wie er sich an diesem Abend nennt. Er redet nicht über Ausländer, diesmal hält der frühere SPD-Finanzsenator und Bundesbank-Vorstand eine Laudatio auf den frischen Preisträger, den Mainzer Kabarettisten Lars Reichow.
Er wirkt fahrig, der Tusch erklingt selten. Zum Beispiel, als er sagt: "Wer länger in der Politik war, der weiß: Ein bisschen muss man Zyniker sein, sonst verliert man den Verstand - was einigen in der Politik dauerhaft widerfährt und den meisten zeitweise."
Richtig lustig ist das nicht, aber es ist auch ein eher ernster Abend, weil über allem die Frage schwebt: Ist Sarrazin der richtige Laudator? Der Fastnachtsverein sagt natürlich ja. "Die freie Rede war immer ein wesentliches Element der Mainzer Fastnacht", verkündet Johannes Gerster, Generalfeldmarschall der Ranzengarde und früherer CDU-Landeschef. Da erklingt ein Tusch, der Saal klatscht lang, man fühlt sich jetzt als Hüter der Demokratie.
Sarrazin wirkt fremd in diesem Treiben, Lars Reichow auch. Der Geehrte hat Probleme mit seinem Laudator, er spricht sie auch aus. "Sie sind ein Spätzündler", ruft er dem 65-jährigen Sarrazin zu. Das klingt nach scharfer Kritik, aber dann sagt der Kabarettist auch: "Die Mehrheit ist ganz Ihrer Meinung", viele hätten Angst, sich nicht mehr zurechtzufinden im Land. "Sie sind ein bisschen ein Autist, aber für mich sind Sie kein Rassist." Draußen vor dem Schloss stehen noch zwei junge Leute. "Danke, Thilo!", steht auf ihren Plakaten. Sie kommen von der FDP.
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(SZ vom 03.01.2011/aho)
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Aber eben nur ein Stück. Nur wer etwas macht auch Fehler. Absicht sehe ich keine dahinter. Ich bezweifle auch, dass er das Geld braucht. Der Titel un der wesentliche Inhalt stimmen. Deutschland kann nicht die ganze Welt aufnehmen. Das hat auch überhaupt nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Dazu kommt, dass nicht nur Freunde unsere sehr offenen Arme nutzen. Wenn wir in ein anderes Land kommen, dann passt man sich an oder passt nicht ins Land. Er wäre sehr sinnvoll, dass Grundgesetz zu ändern und die Einreisebedingungen gesetzlich zu regeln. Dann gäbe es keinen Ärger mehr.
"Einiges in seinem Boch was bewusst falsch ausgelegt wurde, hat Sarrazin längst korrigiert. Für Hardliner und Betonköpfe langt das natürlich nicht. Die wollen oder können nicht verstehen."
Genau das ist ja das Tragische: Die Hardliner und Betonköpfe, die von Anfang an nur verstanden haben "Ausländer sind schlechter als echte Deutsche",
interessieren sich auch nicht für Feinheiten wie Korrekturen oder Realität.
Wenn Sarrazin nur die realen Probleme angesprochen hätte, ohne Panikmache und ohne Rassentheorien, dann hätte sich das Buch eben nicht so gut verkauft.
Die Menschen sind ein bisschen dümmer geworden, und er um ein paar Mio reicher,
eben dies muss man ihm vorwerfen. Und der Diskussion hat er nur geschadet.
dww
Regelrecht abartig die Diskussion. Da wird gen Sarrazin gegeifert und das Wesentliche ausgeblendet. Er hat ein Buch geschrieben, was ein paar reale Dinge anspricht. Wer das leugnet sieht nicht durch oder ist ein politischer Heuchler. Auf jeden Fall forciert er damit Fremdenfeindlichkeit bei den Leuten, die ohnehin so sind. Unseren Migranten, die integriert sind aber noch mehr. Einiges in seinem Boch was bewusst falsch ausgelegt wurde, hat Sarrazin längst korrigiert. Für Hardliner und Betonköpfe langt das natürlich nicht. Die wollen oder können nicht verstehen.
Mit Humor hat es jedenfalls nichts zu tun, dass Määnzer Ranzengarde-Karnevalisten mit ihrem General Johannes Gerster (CDU) ausgerechnet Sarrazin zum Laudator auserkoren haben. Es verrät allenfalls eine diebische Freude, mit dem enfant terrible Sarrazin (noch SPD) das Narrenvolk aufzuscheuchen. Von Zoten frei die Narretei....
Klar... Sogar die Kapitalismus-Extremisten der FDP sitzen zweistellig im Bundestag...
Wir sind schon eine extremistische Bananenrepublik...
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