Nach den Anschlägen in Brüssel Die Freiheit wird siegen

Noch am Abend der Anschläge demonstrieren Menschen an der Place de la Bourse in Brüssel für den Frieden.

(Foto: Getty Images)

Die offene Gesellschaft Europas versagt nicht, nur weil Fanatiker sie angreifen. Ihre Stärke liegt gerade in Momenten der Gefahr darin, dass sie weiß, was sie nicht sein will.

Kommentar von Kurt Kister

Das Muster des Schreckens kennt man nur zu gut - aus Bagdad, aus Istanbul, aus Paris und nun auch aus Brüssel. Fanatisierte Attentäter suchen sich einen Ort, an dem sie viele Menschen in kurzer Zeit töten können. Die Verbrecher haben fast immer mit ihrem eigenen Leben abgeschlossen. Das gehört unabdingbar zu jener mörderischen Hybris, in der sich Bombenleger und Todesschützen zu Vollstreckern eines höheren, gar göttlichen Willens stilisieren.

Auch wenn ihre Art, Schrecken zu verbreiten, ähnlich ist, sind die Attentäter viel unterschiedlicher, als dies der oft benutzte Begriff "Islamisten" vermuten lässt. Die große Mehrzahl der Terroropfer weltweit sind selbst Muslime; Millionen Muslime fliehen vor diesem Terror. Wenn allerdings, wie jetzt in Brüssel, mitten in Europa Dutzende getötet werden, ist die globale Aufmerksamkeit deutlich größer als beim alltäglichen Terror im Irak oder in Afghanistan. Öffentlichkeit, die digitale Verbreitung einer Mordtat, vergrößert ihre angestrebte Wirkung. Nie hatten die Fanatiker eine besser ausgeleuchtete Bühne als im Jahrhundert des Internet.

So wenig wie Jesus mit dem Irak hat Allah mit Molenbeek zu tun

Kein Gott braucht Mörder. Menschen, die sich auf Gott berufen, um andere Menschen zu verletzen und zu töten, sind die größten Gotteslästerer. Sie schaffen sich einen Gott nach ihrem Bilde und versuchen so, ihrem Hass, ihrer Paranoia und ihrer Rachsucht höhere Weihen zu geben. Gläubige wie Ungläubige dürfen gerade auf dieses zutiefst unmoralische Konstrukt nicht hereinfallen. Es ist nicht "der" Islam, der tötet, sondern in Brüssel und Paris war es eine kleine, verblendete Minderheit junger, aggressiver Männer, die sich auf etwas berufen haben, was sie nie verstanden.

Übrigens: Auch George W. Bush hat sich vor 13 Jahren im Irak-Krieg auf Gott berufen. Jesus hatte mit diesem Feldzug so wenig zu tun wie Allah mit Molenbeek. Und gerade Christen, die am kommenden Freitag des Todes Jesu am Kreuz gedenken, sind sich sicher, dass er gestorben ist, um Menschen zu erlösen und nicht lebte, um töten zu lassen.

Brüssel ist nicht nur die Stadt, in der sich ein Submilieu gewaltbereiter Fanatiker mit meist arabischen Wurzeln und oft belgischen Pässen angesiedelt hat. Es ist auch so etwas wie die Hauptstadt Europas. Dieser Symbolismus - ein Angriff auf das Herz Europas - kommt den Irrationalisten gelegen. So wie sie in Paris auf das freie Leben gezielt haben, haben sie das abermals in Brüssel getan - am Flughafen und in der U-Bahn.