Terror in Paris Sprengstoffgürtel in Pariser Vorort entdeckt

Die französische Polizei sicherte den Fundort des Sprengstoffgürtels im Pariser Vorort Montrouge.

(Foto: REUTERS)
  • Im Pariser Vorort Montrouge finden Müllmänner einen weggeworfenen Sprengstoffgürtel.
  • Das US-Außenministerium spricht aufgrund der Sicherheitslage eine globale Reisewarnung für seine Bürger aus.
  • Der Ausnahmezustand in Brüssel gilt bis zum kommenden Montag - allerdings werden die Schulen bald wieder geöffnet.

Sprengstoffgürtel entdeckt - wohl ohne Zündmechanismus

Zehn Tage nach den Pariser Terroranschlägen mit 130 Toten ist in einem Vorort der Stadt ein weggeworfener Sprengstoffgürtel entdeckt worden. Wie die Staatsanwaltschaft der dpa bestätigte, lag der Gürtel in einem Mülleimer der Gemeinde Montrouge. Laut AFP entdeckten Müllmänner den verdächtigen Gegenstand am späten Montagnachmittag in dem Vorort südlich von Paris. Diverse französische Medien wie die TV-Sender France Info und BFMTV sowie die Zeitung Libération berichteten über den Fund und berufen sich auf Ermittlerkreise.

Offenbar habe der Gürtel keinen Zündmechanismus gehabt: allerdings weise er "die gleiche Anordnung" auf wie die Sprengstoffwesten, die mehrere Dschihadisten bei den Pariser Anschlägen vom 13. November gezündet hatten. Nach Angaben des Pariser Staatsanwalts François Molins bestanden die Sprengstoffgürtel der Attentäter aus dem Sprengstoff TATP, Batterien, einem Zünder sowie Schraubenbolzen, um die Wucht der Explosion zu verstärken.

Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fund durch den Ort: Ermittlern zufolge war das Telefon des flüchtigen Terrorverdächtigen Salah Abdeslam am Abend der Anschläge in der Gemeinde Châtillon geortet worden, die an Montrouge grenzt. Der 26-jährige Franzose wird verdächtigt, bei den Anschlägen eine wichtige Rolle gespielt zu haben, möglicherweise als Logistiker. Sein Bruder Brahim sprengte sich während der Anschlagsserie in einem Pariser Lokal in die Luft. Salah Abdeslam soll sich wieder nach Belgien abgesetzt haben; nach ihm wird immer noch gefahndet.

Washington erlässt weltweite Reisewarnung wegen Terrorgefahr

Wegen eines gestiegenen Terror-Risikos gibt die US-Regierung eine weltweite Reisewarnung heraus. Es lägen Informationen vor, nach denen Extremistengruppen wie der Islamische Staat, al-Qaida oder Boko Haram weiter Anschläge planten, teilte das Außenministerium mit.

Zudem verweist das Ressort von John Kerry in seiner Mitteilung auf IS-Kämpfer, die aus dem Irak oder Syrien in ihre Heimatländer zurückkehren. Das Ministerium riet Amerikanern, in der Öffentlichkeit und besonders in Verkehrsmitteln wachsam zu sein. Größere Menschenansammlungen sollten gemieden werden. Die Reisewarnung gilt für drei Monate.

Anklage gegen verdächtigen Mann in Belgien

Eine Stadt, wie gelähmt

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Ein belgischer Richter hat Anklage gegen einen am Sonntag Festgenommenen erhoben. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Montagabend in Brüssel mit. Dem Mann wird vorgeworfen, einer Terrorgruppe anzugehören und an einem terroristischen Akt beteiligt gewesen zu sein.

Der Mann war am Sonntagabend bei dem Großeinsatz in der Brüsseler Innenstadt gefasst worden. 15 weitere ebenfalls Festgenommene kamen wieder auf freien Fuß. Fünf weitere am Montag festgenommene Personen wurden verhört, zwei davon wieder freigelassen. Der gesuchte Terrorverdächtige Salah Abdeslam gehörte nicht zu den Festgenommenen.

Höchste Terrorwarnstufe in Brüssel bleibt bestehen - mit weniger Einschränkungen

In der belgischen Hauptstadt bleibt die höchste Terrorwarnstufe bestehen. Das kündigte der belgische Ministerpräsident Charles Michel am Montagabend nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates an. Am Mittwoch würden jedoch die Brüsseler Schulen wieder öffnen und die U-Bahn ihren Betrieb aufnehmen. Die Höhe der Warnstufe solle am Montag kommender Woche überprüft werden, sagte Michel.

Die Warnstufe 4 gilt für die belgische Hauptstadt seit Samstag. Sie war von der Regierung wegen Hinweisen auf eine Anschlagserie ähnlich den Attentaten von Paris ausgerufen worden. Am Montag blieb die U-Bahn den dritten Tag in Folge außer Betrieb. Museen, Schulen, sowie zahlreiche Geschäfte und Kinos waren geschlossen. Soldaten patrouillierten in der Innenstadt.

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