Syrien Amnesty wirft kurdischen Kämpfern Vertreibungen vor

  • Zwei Dörfer im Norden Syriens sollen kurdische Kämpfer dem Erdboden gleich gemacht haben, in mehreren anderen Ortschaften soll die Bevölkerung vertrieben worden sein.
  • Die Erkenntnisse von Amnesty International stützen sich auf Besuche in den Dörfern.
  • Das US-Militär versorgt Rebellengruppen im Norden Syriens mit Munition.

Amnesty: Übergriffe kommen Kriegsverbrechen gleich

Von den USA unterstützte kurdische Truppen haben im Norden Syriens laut Amnesty International Tausende Zivilisten mit überwiegend arabischen Wurzeln gewaltsam vertrieben und deren Dörfer verwüstet. Die Aktionen seien Vergeltung für angebliche Sympathien der Bewohner für die Terrormiliz Islamischer Staat und andere Extremisten, teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Die Übergriffe kämen Kriegsverbrechen gleich. Die Erkenntnisse von der Organisation stützen sich auf Besuche in 14 Städten und Dörfern in den Provinzen Hassake und Rakka, die unter kurdischer Kontrolle sind.

Mindestens zwei Ortschaften seien dem Erdboden gleichgemacht worden. Teils unter Androhung von Waffengewalt oder US-Luftangriffen seien Bewohner von mindestens acht anderen Dörfern zur Flucht gezwungen worden, hieß es. Bei den Opfern handele es sich überwiegend um Araber, doch seien auch Turkmenen und andere Kurden betroffen gewesen.

Kurdische Kämpfer bestreiten Vorwürfe

Die Kurden rechtfertigten Amnesty zufolge ihr Vorgehen. Sie sagten, die Vertreibungen seien aus Sicherheitsgründen erfolgt.

Ein Vertreter der Kurden in Nordsyrien sagte der Nachrichtenagentur AP, dass Truppen möglicherweise geringfügige Übergriffe an Menschen verübt hätten, die der Verbindung zum IS verdächtigt würden. Allerdings hätten die Aktionen nichts mit deren ethnischer Zugehörigkeit zu tun, sagte er.

US-Militär versorgt Rebellen in Syrien mit Waffen

Die USA verstärken indes die Militärhilfe für die Rebellengruppen - darunter auch kurdische Kämpfer - in der betreffenden Region. Die Luftwaffe habe die Aufständischen für den Kampf gegen die Extremistenmiliz IS aus der Luft mit Munition versorgt, sagte ein US-Regierungsvertreter.

In Nordsyrien kämpft vor allem die Kurdenmiliz YPG, der mit amerikanischer Hilfe beträchtliche Geländegewinne gegen den IS gelangen. Am Montag schloss die YPG ein Bündnis mit verschiedenen arabischen Oppositionsgruppen unter dem Namen "Demokratische Syrische Streitmacht". Ein Vertreter des US-Militärs sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Bündnis werde auf die IS-Hochburg Rakka vorstoßen. Durch das Bündnis mit den arabischen Gruppen sollen auch Sorgen zerstreut werden, die YPG habe nur kurdische Interessen im Sinn.

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