Vor der Wahl pries der Grüne Winfried Kretschmann in der Causa Stuttgart 21 die Volksabstimmung als großen Ausweg - und sieht nun, dass er den Ausweg erst noch bohren muss. Die Bedingungen für ein solches Referendum sind immens schwierig. Darum wird ein Volksentscheid zu alten Bedingungen keine befriedende Kraft haben können.
Winfried Kretschmann will so vieles so viel anders machen. Der designierte grüne Ministerpräsident, der eine ehrliche Haut ist, hat nicht nur eine neue Politik versprochen, sondern auch eine neue Art, Politik zu machen - eine Politik, die ehrlich anders ist und die mit dem Demos, mit dem Volk, so umgeht, dass das Wort Demokratie wieder leuchtet.
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Steht vor schwierigen Aufgaben: Winfried Kretschmann, Grüner und designierter baden-württembergischer Ministerpräsident. (© dpa)
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Er will das Volk ernsthaft in die politischen Entscheidungen einbeziehen. Aber diese Ernsthaftigkeit beginnt nun auf unernsthafte Weise, denn am Beginn der grün-roten Koalition in Stuttgart steht nun ein Instrument, das eine alte Art der Politik kennzeichnet: Ein Formelkompromiss.
Es wurde von der künftigen grün-roten Regierung zwar eine Volksabstimmung über das Projekt Stuttgart 21 vereinbart, so wie es im Wahlkampf versprochen worden war. Aber die Konditionen dieser Volksabstimmung bleiben vorerst in der Schwebe.
Kretschmann hat, einen siegreichen Wahlkampf lang, eine Volksabstimmung versprochen, die den Gegnern des Bahnhofsprojekts eine reelle Chance gibt. Aber er hat bei diesem Versprechen nicht mit der Verfassung des Landes gerechnet. Diese Verfassung erlaubt die versprochene neue Politik noch nicht so einfach - sie schraubt die Anforderungen an Volksabstimmungen in unerreichbare Höhen.
Und so steht am Beginn der neuen Koalition eine Volksabstimmung, die nicht so aussieht, wie Kretschmann es versprochen hat. Er kann nur versprechen, sein Versprechen zu erfüllen - also über eine Verfassungsänderung zu verhandeln, die der Volksabstimmung eine reelle Chance gibt. Aber das wird nicht so schnell gelingen, nicht für das Projekt Stuttgart 21.
Keine befriedende Kraft
Eine Volksabstimmung zu den alten Bedingungen wird die befriedende Kraft, die Kretschmann ihr zuspricht, nicht haben können. Die Grünen haben im Wahlkampf die Volksabstimmung als den großen Ausweg gepriesen - und sehen nun, dass sie den Ausweg erst noch bohren müssen. Sie haben Schweinchen Schlau gespielt, waren aber nicht schlau genug. Das wird nun mit dem Formelkompromiss getarnt.
Die Koalitionäre sprechen zwar von einer Verfassungsänderung, mit der die Konditionen für die Volksabstimmung geändert werden sollen. Für eine solche Verfassungsänderung aber brauchen sie die CDU. Die CDU wird der Koalition kaum aus der Bedrängnis helfen.
Kretschmann und die Grünen hoffen daher inständig, dass es zu einer Volksabstimmung gar nicht kommen muss, weil das Projekt vorher seinen Geist aufgibt. Die künftigen Koalitionäre spekulieren darauf, dass der neue Bahnhof den sogenannten Stresstest nicht übersteht - dass also die Kostengrenzen gesprengt werden, und man sich dann ohnehin nicht weiter über Stuttgart 21 streiten muss.
Sie verweisen daher auf eine Volksabstimmung, die sie so, wie sie jetzt abgehalten werden müsste, gar nicht wollen, die sie aber so, wie sie sie wollen, vorerst nicht kriegen. Das nennt man einen Formelkompromiss, einen Kompromiss, der in Wahrheit keiner ist, mit dem man einen Konflikt nicht löst, mit dem man nur das Gesicht wahren will.
Die Koalitionäre betreten mit diesem Kompromiss eine Hängebrücke, welche die Zeit bis zur Beendigung des Stresstests überwinden soll. Der Streit ist bis dahin aufgeschoben; aufgehoben ist er mitnichten. Die Koalition beginnt wackelig. Beide Parteien wahren zunächst einigermaßen das Gesicht, die Sozialdemokraten noch eher als die Grünen; diese haben ein wenig nachgegeben.
Rechnen mit dem Glück des Tüchtigen
Weil sie sich für tüchtig halten, rechnen sie mit dem Glück des Tüchtigen. Das ist gefährlich. Die Botschaft des Koalitionsvertrags, adressiert an die Gegner des Bahnhofs, lautet: Wir heißen euch hoffen. Man verspricht eine Volksabstimmung, die man so, wie so wohl stattfinden müsste, gar nicht will und von der man inständig hofft, dass man sie nicht abhalten muss. Wir heißen euch hoffen.
Wir heißen Euch hoffen: Das ist die letzte Zeile eines Gedichts von Goethe, das die Tüchtigkeit lobt; und das ist der Titel eines Romans von Johannes Mario Simmel, dessen Hauptfigur ein stiller Mann ist, der an einem großen Werk arbeitet. Ein stiller Mann, der an einem großen Werk arbeitet, ist auch der designierte grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Er nennt sein Werk partizipative Demokratie.
Hoffnungen wecken ist aber noch keine Partizipation. Mit Hoffnungen kann man Gedichte und Romane füllen, Politik eher nicht.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/odg)
Stockender Kita-Ausbau
Wird Stuttgart jetzt nicht von der Deutschen Bahn angefahren?
Stuttgart ist ein Kuh Kaff das von einigen Politikern zum Drehkreuz erkoren worden ist!
Es sollen einigen Bauträgern und der IHK dort die höheren Gewinne auf Kosten der Steuerzahler gesichert werden das ist alles!Dazu wurden Gutachten erstellt die von Münchhausen hätte sein können!Der Landtag wurde über die wahren Kosten getäuscht!
Wenn ich ein Dorf bin und mir keine U-Bahn leisten kann dann muss es eben ein Pendelbus sein!Anderer Leute Geld ausgeben um die Freunde der CDU/CSU mit Aufträgen zu versorgen auf Kosten der Bürger der BRD!9 Milliarden !!!!
Aber es bleibt ein Kuh Dorf!
Ich stimme ihne da zu, mit der Volksabstimmung in diesen Fall sowieso. Nur merke ich auch an, dass es die Aufgabe der Politik ist, sich im Vorfeld besser zu Informieren und zu arbeiten. Dafuer wurden diese Leute auch gewaehlt, nun im Nachtrag des Bahnhofes, wenn sogar der Bahnchef Grube aussagt, dass die Planug des umstrittenen Bahnhofes Katastrophal gewesen ist. Das fragt man sich schon,wer traegt hier die Verantwortung ? Da habe ich noch keine Namen gehoert,aber es gibt doch bestimmt Unterschriften unter diesen Dokumenten.
Warum haben dann drei Viertel der Stimmen Parteien erhalten, die PRO S21 sind?
Das Volk ist der Souverän und hat deshalb die für Stuttgart 21 verantwortliche Regierung abgewählt, weil es der Meinung war, daß Stuttgart 21 gut für Immobilienhaie ist aber nicht fürs Volk. Da die sich jetzt abzeichnende Koalition sich über Stuttgart 21 aber nicht einig ist, muß das Volk entscheiden, wer sonst.
Eine Volksabstimmung soll es richten ? Wieso gibt es denn eine Regierung,sollen wir alles zu Abstimmung bringen, oder besser vorher im Vorfeld bei der Planung und der Information der Oeffentlichkeit besser arbeiten. Das ist der Kern der Frage, eine Volksabstimmung ist gut und schoen,nur sie hat auch ihre Tuecken,wie kann ich sie machen und welche Konsequenzen hat das ganze ? Meine Frage ist wie folgt,es gaebe die Volksabstimmung und am Ende steht ein Weiterbau des Bahnhofes da,was dann. Oder man stimmt dagegen und was fuer Folgen hat das dann, Finanziell da die Vertraege mit den Baufirmen Rechtskraeftig sind,wieviel wurde schon verbaut und was kostet ein Abbruch des Baues. Fragen die niemand richtig beantworten kann,auch die Frage steht im Raum,was kostet die Neuplanung ( Zeitverlust )und wie reagiert die Bahn darauf. Umfaehrt sie dann den Grossraum Stuttgart komplett ? Welche Folgen haette das dann fuer diesen Ballungsraum, alles Fragen die der Leserbriefschreiber von Verdi der Herr Seppel58:@, gar nicht stellt, er weiss es einfach nicht.
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