Strafmaß für Wikileaks-Informanten Anklage fordert 60 Jahre Haft für Manning

Hunderttausende Geheimdokumente des US-Militärs hatte der Soldat Manning an Wikileaks weitergeleitet - und wurde dafür bereits der Spionage und des Geheimnisverrats für schuldig befunden. Offen ist noch das Strafmaß.

Im Prozess gegen den Wikileaks-Informanten Bradley Manning fordert die Anklage eine Haftstrafe von mindestens 60 Jahren. "Er hat die USA verraten", sagte Staatsanwalt Captain Joe Morrow am Montag vor dem Militärgericht in Fort Meade. "Für diesen Verrat verdient er es, den Großteil seines restlichen Lebens im Gefängnis zu verbringen."

Ende Juli hatte das Gericht den 25-jährigen Soldaten in 20 Anklagepunkten für schuldig befunden, darunter Spionage und Diebstahl. Er hatte der Enthüllungsplattform Wikileaks mehr als 700.000 Geheimdokumente der US-Streitkräfte und des diplomatischen Dienstes zugespielt.

Die Verteidigung bat in ihrem Plädoyer am Montag dagegen um Milde, ohne eine spezielle Strafe zu empfehlen. Manning sei jung und könne rehabilitiert werden, sagte sein Anwalt David Coombs nach Angaben der New York Times.

Entscheidung schon in den kommenden Tagen

Nach Angaben seines Anwalts handelte er überwiegend aus Idealismus. Nach einer kurzen Haftstrafe könne er wieder ein produktives Mitglied der Gesellschaft sein.

Die Plädoyers im Militärverfahren bildeten den Abschluss einer 13-tägigen Anhörung über das Strafmaß. Festgesetzt wird es von einer einzelnen Richterin, Colonel Denise Lind. Sie hatte den 25-jährigen Manning zuvor unter anderem der Spionage und des Geheimnisverrats schuldig gesprochen. Die Höchststrafe dafür liegt bei 90 Jahren. Vom Hauptvorwurf der Unterstützung des Feindes wurde Manning aber freigesprochen. Allein dafür hätte ihm eine lebenslange Haft gedroht.

Die Entscheidung über das Strafmaß könnte bereits in den kommenden Tagen fallen. Manning hatte während seiner Zeit als Geheimdienst-Analyst im Irak Hunderttausende geheime Papiere an Wikileaks weitergegeben.