Stasi-Vorwürfe bei den Linken Kampf um Gysis Geschichte wird weitergehen

Das ist die eine Seite. Die andere Seite offenbart jene Ex-PDS, die frühere Stasi-Mitarbeiter in den eigenen Reihen, auch in den Parlamenten, duldet, und ihnen als potenziellen Wählern nicht zu nahe treten will. Die frühere Vorsitzende Gesine Lötzsch mit ihrem Wahlkreis in der langjährigen Stasi-Hochburg Berlin-Lichtenberg steht für diese fast volkstümliche DDR-Verbundenheit.

Ihre Suche nach "Wegen zum Kommunismus" folgte vor einigen Jahren vermutlich nicht dem Zufall, sondern diesem Kalkül. Noch heute hält ein Teil der Linken im Osten das Umschmeicheln alter Genossen und Kader für zwingend, was ein Grund für die fortschreitende Vergreisung der Partei sein dürfte.

Gysi zählt zu jenen, die dieses Problem sehen, und personifiziert dabei doch einen kaum aufzulösenden Widerspruch. Die Popularität Gysis im Osten resultiert nicht zuletzt aus der Ambivalenz seiner Biografie, aus seiner angeblich so aufmüpfigen Nähe zum Regime.

Der Deutungshoheit über diese Biografie gilt Gysis rechtlicher Kampf. Hat er - wie er selbst behauptet - als Anwalt im Rahmen und letztlich als Teil des Systems das Mögliche für seine Mandanten herausgeholt und dabei seine guten Kontakte genutzt? Oder war er - wie seine Kritiker ihm entgegenhalten - der Stasi zu Diensten und hat seine Mandanten verraten?

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hamburg, in denen es um eine womöglich falsche eidesstattliche Versicherung geht, werden darüber wenig Aufschluss geben. Der Kampf um Gysis Geschichte wird weitergehen. Unentschieden. So wie das Verhältnis der Linken zur Vergangenheit.