SPD Nils Schmid - der neue Stuttgarter Star

Überraschung im Südwesten: Die Mitglieder der baden-württembergischen SPD votieren für den jungen Nils Schmid als Landeschef.

Er ist einer der jungen Nachwuchskräfte der SPD. 36 Jahre alt, mit einer Türkin verheiratet. Einer, der unverkrampft in die Streitigkeiten der Sozialdemokraten geht und angekündigt hat, Migranten stärker einzubeziehen - auch in die Vorstandsarbeit.

So ist Nils Schmid. Der Finanzpolitiker ist nun offenbar von den baden-württembergischen SPD-Mitgliedern in einer Urwahl zum neuen Parteichef im Südwesten bestimmt worden. Er folgt damit der scheidenden Parteivorsitzenden Ute Vogt, die nach dem schlechten Abschneiden bei der Bundestagswahl im September ihr Amt zur Verfügung gestellt hatte.

Die Basis stärker beteiligen

Das offizielle Ergebnis der Mitgliederbefragung soll am Nachmittag auf einer Pressekonferenz verkündet werden. Schmid muss dann noch formell vom Parteitag am kommenden Wochenende in Karlruhe bestätigt werden. Das Votum der Parteimitglieder gilt als Vorentscheidung.

Schmid, der designierte Landeschef der SPD, sitzt seit 1997 im Landtag und hat sich in dieser Zeit einen Ruf als Haushaltspolitiker erworben. Insgesamt waren 40.000 Parteimitglieder zu der Urwahl aufgerufen. Auf Platz zwei kam die Parteilinke Hilde Mattheis und auf den dritten SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel. Schmiedel hatte Vogt bereits an der Fraktionsspitze im Stuttgarter Landtag abgelöst.

Unklar ist, ob die personelle Veränderung auch schon eine Vorentscheidung über die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl im Jahr 2011 bedeutet. Nach dem bisherigen Fahrplan will sich die SPD Baden-Württemberg erst im kommenden Jahr damit befassen. Vogt ist seit 1999 Landesvorsitzende und war bei den Landtagswahlen 2001 und 2006 als Spitzenkandidatin angetreten. Ihr Führungsstil war in der Partei nicht unumstritten.

Schmid dagegen hat in der Vorstellungsrunde versprochen, die Basis stärker zu beteiligen. Der schmächtige Finanzexperte verteidigte außerdem die Reform-Agenda 2010 - die SPD müsse deshalb "nicht in Sack und Asche gehen".