SPD-Kanzlerkandidat in der Kritik Grüne gehen auf Distanz zu Steinbrück

Geld stinkt doch: Bei den Grünen wachsen nach der Debatte um Nebeneinkünfte die Zweifel an SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück. Einige fragen sich mittlerweile, ob mit diesem Mann an der Spitze überhaupt eine Wahl zu gewinnen ist.

Von Christoph Hickmann, Berlin

Frank-Walter Steinmeier fühlte sich offensichtlich wohl, der SPD-Fraktionschef plauderte angeregt. Er war nicht der einzige Sozialdemokrat, der sich am Dienstag beim Herbstempfang der Grünen-Bundestagsfraktion sehen ließ, auch sein Parlamentarischer Geschäftsführer machte dem Wunsch-Koalitionspartner die Aufwartung. Der derzeit wichtigste Genosse war nicht da: Peer Steinbrück.

Dabei wäre seine Anwesenheit bitter nötig gewesen. Während die Grünen öffentlich bereits auf ein rot-grünes Bündnis als Ziel für die Bundestagswahl festgelegt sind, blicken sie intern mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Frustration auf die SPD.

Nach wochenlanger Debatte über die Nebeneinkünfte des designierten Kanzlerkandidaten, gipfelnd in jenen 25.000 Euro, die er sich als Auftrittshonorar von den Bochumer Stadtwerken erst zahlen ließ und nun, nach allgemeiner Empörung, doch noch spenden will, bezweifeln die Grünen bis in ihre Spitze hinein, dass mit ihm die Wahl zu gewinnen ist. Vize-Fraktionschefin Ekin Deligöz twitterte dieser Tage mit Blick auf die Tagesordnung des Parlaments: "Habe gehört, in der SPD wird gesammelt, am Freitag soll Steinbrück reden."

Dabei waren die Grünen nach Steinbrücks Nominierung erst einmal so erleichtert gewesen: Endlich hatte, anders als bei ihnen selbst, die Kandidatendebatte in der SPD ein Ende. Außerdem versprachen sie sich vom einstigen Grünen-Fresser gekonnte Attacken auf die Kanzlerin. Aber nun? "Solch ein Anfang macht es schwierig", sagt Deligöz. Die SPD müsse nun ihre Strategie ändern, "die ja in vergangenen Wahlkämpfen immer darin bestand, vor allem auf eine Person zu setzen". Denn: "Diese Person alleine kann nicht das Programm sein."

So deutlich wird bisher kaum jemand, zumindest wenn es um öffentliche Einlassungen geht. Im Schutz der Anonymität aber lassen viele ihrer Enttäuschung freien Lauf, ein Abgeordneter fragt: Wie solle solch ein Kandidat noch auf gierige Banker eindreschen? Ein anderer erkundigt sich, ob man es für denkbar halte, dass die SPD den Kandidaten auswechsle.

Vergleichsweise diplomatisch drückt es der baden-württembergische Abgeordnete Gerhard Schick aus. Das Problem sei, dass die Debatte um Steinbrücks Nebenverdienste "von dem Ärgernis ablenkt, das die Opposition im Wahlkampf ansprechen muss und mit dem er selbst guten Erfolg haben könnte", so der Finanzexperte: die "vielen Nebeneinkünfte und Parteispenden" bei Union und FDP.

Deutlicher wird die Grüne Jugend: "Soziale Gerechtigkeit wird im nächsten Jahr ein wichtiges Thema", sagt deren Sprecherin Sina Doughan. "Da ist es schon schwierig, wenn Peer Steinbrück sich die ganze Zeit bereichert und Geld in die eigene Tasche schiebt." Beim Thema Gerechtigkeit habe der Kandidat der Sozialdemokraten ein Problem mit der "Glaubwürdigkeit".

Zum Herbstempfang allerdings, heißt es auf Nachfrage in der Grünen-Fraktion, sei Steinbrück gar nicht eingeladen gewesen. Eingeladen habe man lediglich die Spitzen der Fraktionen- schließlich halte man den Rahmen stets etwas kleiner. Offenbar müssen sich auch die Grünen noch ein bisschen bemühen, wenn das jemals was werden soll mit ihnen und Peer Steinbrück.