Schlechter als erwartet ist derzeit nur eins: Schwarz-Gelb. Merkels Koalition hält nicht einmal dem Vergleich mit Schröders Truppe stand.
Es sind die letzten Tage vor Weihnachten, und Angela Merkel kann sich nicht beklagen. Ihre neue Regierung hat erste Probleme unaufgeregt und erfolgreich, ja zum Teil sogar unter dem Applaus der Opposition gelöst. Die Koalition und Merkels Kabinett genießen steigende Zustimmungsraten.
Die Krise, in der Kanzlerin Angela Merkel und Guido Westerwelle stecken, ist eigentlich gar keine Krise, sondern eine nicht enden wollende Zeit des Missvergnügens. (© Foto: AP)
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Vor allem aber hat die persönliche Vermittlung der Bundeskanzlerin zu einem unerwartet positiven Gipfelergebnis geführt und Merkel den Ruf einer "ehrlichen Maklerin" eingebracht. 2005, das erste Jahr ihrer Kanzlerschaft, endet für sie nach dem EU-Gipfel von Brüssel in Harmonie. So weit der Blick in die Vergangenheit.
Nun ins Jahr 2009: Die Kanzlerin regiert anders als in ihrer ersten Legislaturperiode in einer sogenannten Wunschpartnerschaft mit der FDP. Die Koalitionsverhandlungen haben drei Wochen gedauert, weniger als die Union vor vier Jahren brauchte, um Gerhard Schröder überhaupt mal zum Verzicht aufs Kanzleramt zu drängen. Mittlerweile jedoch steht das Wort von der Wunschkoalition dafür, dass sich alle Beteiligten wünschen, es möge endlich besser laufen im schwarz-gelben Bündnis, einschließlich Merkel. Stattdessen ist jetzt auch noch Kopenhagen schiefgegangen. Nix Klima-Kanzlerin, nix Miss World.
Angela Merkel erlebt nicht die erste schwierige Phase als Kanzlerin. Libanonkrise, Georgienkrise, Bankenkrise, Wirtschaftskrise - das waren die fetten Brocken ihrer ersten Amtszeit, garniert mit Koalitionskrisen wie ein Germknödel mit Mohnstreusel.
Schwarz-Rot hat jedoch auch immer dann besonders gut funktioniert, wenn es darauf ankam, was sogar in den letzten Monaten vor der Bundestagswahl die mühsam inszenierte Konkurrenz der Kanzlerin und ihres Gegenkandidaten Frank-Walter Steinmeier nicht verdecken konnte.
Die große Koalition entwickelte gerade in der schwierigen Anfangszeit aus ihrer inneren Spannung und dem Zwang zum Kompromiss einen gewissen Geist der Gemeinsamkeit, der im Kern bis zum Ende hielt. Die schwarz-gelbe Koalition hat gemeinsam bisher manches entwickelt, nur Geist war nicht dabei.
Natürlich sind die Voraussetzungen fürs Regieren schwierig, sie hätten aber noch weitaus schwieriger sein können: Die Wirtschaft ist eingebrochen, aber nicht so tief wie erwartet. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, aber nicht so hoch wie angenommen. Die Steuereinnahmen sind gesunken, aber nicht so dramatisch wie vorausgesagt. Selbst die Stimmung der Bürger hat sich nicht verdüstert, jedenfalls nicht wie von manchen befürchtet. Jetzt äußert sich auch noch der Einzelhandel zufrieden über das Weihnachtsgeschäft. Schlechter als erwartet ist nur eins: die Koalition.
Deshalb ist die Krise, in der Merkel jetzt steckt, eigentlich auch gar keine Krise, sondern eine nicht enden wollende Zeit des Missvergnügens. Die Ursache kommt nicht von außen, sieht man einmal vom Scheitern des Klimagipfels ab, für das man Merkel jedoch selbst bei bösem Willen schwerlich alleine verantwortlich machen kann. Die Ursache liegt nicht in einem überraschenden internationalen Konflikt und nicht in einem neuen innenpolitischen Problem.
Der allenfalls mediokre Eindruck der zweiten Regierung Merkel ist selbstgemacht, lauter Unannehmlichkeiten, die Unordnung schaffen: Altlasten der großen Koalition, wie das Bombardement von Kundus oder der Fall Opel; Startschwierigkeiten der neuen Regierung, wie beim Wirtschaftsbeschleunigungsgesetz; persönliche Profilierung wie in den Konflikten Westerwelle/Steinbach und Guttenberg/Schneiderhan; Fehler wie die Steuersenkung für Hoteliers; föderaler Widerstand, wie bei der Bildung; individuelle Dauerrenitenz, wie im Fall Seehofer.
Am Wahlergebnis überfressen
Damit aber erfüllt diese Koalition die Erwartungen nicht, die sie an sich selbst hatte. Sie leidet darunter. Als hätten sich Union und FDP an ihrem Wahlergebnis überfressen, hebt die Koalition jetzt nicht ab, sondern knattert mit stotterndem Motor am Boden herum.
Die Kanzlerin hat sich bemüht, ihrer Regierung mit der Bekämpfung der Wirtschaftskrise ein großes Thema zu geben. Es ist beim Bemühen geblieben. Früher halfen Merkel in solcherart unerquicklichen Zeiten außenpolitische Großereignisse, EU-Gipfel, Heiligendamm, Küsschen mit Nicolas, alkoholfreies Bier mit George Dabbelju. Doch in Kopenhagen blieb das politische Wellness-Center geschlossen.
Schlimm genug für Schwarz-Gelb, dass schon Parallelen zu den Anfängen von Rot-Grün gezogen werden. Noch schlimmer jedoch, dass Merkels Koalition dem Vergleich mit Schröders Truppe bislang nicht standhält: Unsortiert sind beide Regierungen gestartet. Unter Rot-Grün aber gab es immerhin noch einen gesellschaftlichen Veränderungsanspruch. Die Kanzlerin hat so was auch, redet aber nicht mehr darüber.
Ihre Botschaft ist verlorengegangen zwischen Betreuungsgeld, Stufentarif und einem 70-Millionen-Loch im schleswig-holsteinischen Landeshaushalt. Und Merkel fehlt einstweilen entweder der Wille oder die Kraft, daran etwas zu ändern. Oder beides. Auf die Bürger wirkt diese Koalition wie ein Juckreiz am Rücken: nicht schmerzhaft, aber unangenehm. Man kommt nicht selber dran, aber es ist auch niemand da, der mal kratzen könnte.
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(SZ vom 22.12.2009/segi)
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fängt ein ganz bekanntes Gedicht an.
Wenn da steht: "Schlechter als erwartet, ist derzeit nur eins: Schwarz-Gelb.", dann zieh ich mir den Schuh nicht an. Ich habe absolut nichts erwartet, so dass es schwer sein dürfte, mich zu überraschen.
Die, das das überrascht tun mir aber auch nicht leid, weil sie sehenden Auges auf den Leim gekochen sind, den Schwarz-Gelb flächendeckend ausgelegt hatte.
Wenn vielleicht bei der Masse das Jucken vorerst nur unangenehm ist, wenn`s dann an den Geldbeutel geht, was sicher kommt, wird`s wie Feuer brennen und keiner löscht es.
(nach: Wilhelm Busch; mit NRW-Prognosen für Mai 2010). Anzuhängen wäre die dem leicht zynischen Pragmatiker so vertraute Sentenz: Diogenes der Weise aber kroch ins Faß und sprach: "Jaja! Das kommt von das".
Nun - lieber Michel - lass´ dir weiter auf der Nase rumtanzen von den Westerwelles, den Seehofers, den Guttenbergs..... Noch hat´s keiner so recht mitbekommen: was brauchen wir Wahrheiten - lass´ sie doch lügen und Wahlversprechen brechen - Hauptsache die Herren sind gut gekleidet! - Der Katzenjammer kommt schon bald - wetten?
Gerti und Tiger, die beiden Enten, und der Frosch Jürgen
Sieh da, zwei Enten jung und schön, die wollen an den Teich hingehn. Vor kurzem gab's hier Flügelschlagen, wer hat im Park das letzte Sagen. Nach Schnabelzählen war'n sie Sieger, Mutti Gerti und ihr Grinse-Tiger. Die andern kriegten was auf die Mütze beim Kampf um beste Entengrütze. Im Bürger-Park ist's abgesprochen, ein Bürger-Pakt wird nicht gebrochen.
Zum Teiche gehen sie munter und tauchen die Köpfe unter. Wo kleinste Tierchen wohnen, soll sich das Gründeln lohnen. In jedem braven Enten-Bürger steckt Tigerente, welch ein Würger. Der eine in der Goschen trägt einen grünen Froschen, nen dicken Hüpfer, gut zu würgen, der quakt biotisch und heißt Jürgen.
Tiger denkt allein ihn zu verschlingen, das soll ihm aber nicht gelingen. Denn Gerti, schlaue Entenmutter, schaut weiter als nur auf das Futter. Denn was heut' sie kurzsichtig verschluckt, hätt' morgen gern sie ausgeguckt. Wie dumm - noch fehlt der rechte Mumm, beim grünen Prinzen bleibt sie stumm.
Die Ente und der Enterich, die ziehn den Frosch ganz fürchterlich. Die Schenkel werden lang und länger, dem armen Lurch wird bang und bänger. Sie ziehn ihn in die Quere, das tut ihm weh gar sehre. Beschleunigt wird die Wirtschaft nicht, wenn allen die Gesundheit bricht.
Der Frosch kämpft tapfer wie ein Mann. Ob das ihm wohl was helfen kann? Am besten wär' jetzt Entenzwist - "die Steuern streu'n ist großer Mist". Schon hat die Mutti ihn beim Kopf, der Tiger hält ihr zu den Kropf. "Du ziehst mir nicht das Grüne an, weil ichs nun mal nicht leiden kann". Föderal bleibt Bildung beschlossen, die Studis und Profs verdrossen. Die beiden Enten raufen, da hat der Frosch gut laufen.
Die Enten haben sich besunnen und suchen den Frosch im Brunnen der lautersten Wasser und Quellen - "Lieb sind wir nun, ja deine Gesellen". Sie suchen ihn im Wasserrohr, der Frosch springt aber schnell hervor. Die Enten mit Geschnatter stecken die Köpfe durchs Gatter im Querprofil gedrillter Stangen - Gerti und Tiger schmählich gefangen. Hie Steinbach, dort der Schneiderhan - schon schwellen Entenhälse an. Der Frosch ist fort - die Enten, wenn die auch nur fort könnten!
Da kommt die rote Kraft sogleich und lacht: "Hehe, jetzt hab' ich euch!" Den Gästen wird serviert im Nu: Canard de tigre, feines Ragout. Drei Monde war der Frosch so krank! Jetzt hüpft er wieder, Gott sei Dank! Und die Moral von der Geschicht': Man paare Ente und Tiger nicht.
pflegt man von Kropf zu sprechen.
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