Früchte der politischen Landschaftspflege: Wie der Waffenhändler Karlheinz Schreiber mit kriminellen Geschichten Geschichte gemacht hat.
Der mit wuseliger Intelligenz begabte Karlheinz Schreiber hat sein Leben lang davon geträumt, ganz, ganz wichtig zu sein. Er hat das auf seine Weise geschafft. Ohne den Mann, der jetzt in Augsburg vor Gericht steht, wäre Angela Merkel nicht Bundeskanzlerin.
In Augsburg vor Gericht: Waffenhändler Karlheinz Schreiber (© Foto: dpa)
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Natürlich steht Schreiber nun nicht wegen "Kanzlermacherschaft" vor Gericht, sondern wegen Steuerhinterziehung, Bestechung und Betrug.
Diese Vorwürfe sind kriminelle Früchte der sogenannten politischen Landschaftspflege, die Schreiber mit der Beredtsamkeit eines Hausierers betrieben hat: Er hat mit Geld aus fragwürdigen Panzer- und Flugzeuggeschäften unter anderem die Kohl- und Schäuble-CDU vergiftet, sodass diese Partei vor zehn Jahren wie tot am Boden lag - und von der gänzlich unbelasteten Angela Merkel entgiftet und gerettet werden musste.
Ohne die Ermittlungen gegen Schreiber, die im Oktober 1995 mit einer Hausdurchsuchung begonnen haben, wäre der Kohl-Spendenskandal nicht aufgeflogen. Schreibers Notizbuch war der Schlüssel für ein System aus Tarnnamen, Kürzeln und fragwürdigen Kontobewegungen.
Es führte zu einem Parkplatz im schweizerischen St. Margarethen, auf dem der CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep eine Million Mark in bar entgegengenommen hatte.
In der Folge musste Helmut Kohl bekennen, dass er illegal über Millionenspenden verfügt hatte, die in den Büchern seiner Partei nicht verzeichnet waren - damit hat er wohl ihm wohlgesonnene Parteifreunde unterstützt. Das war das "System Kohl". Bis heute hat er die Namen der Spender nicht genannt.
Er trat als CDU-Ehrenvorsitzender zurück; er zahlte, um einem Hauptverfahren wegen Untreue zu entgehen, 300.000 Mark Geldbuße; und seine gesammelten Illegalitäten wurden von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss durchleuchtet.
Das alles ist Geschichte - aber am Beginn dieser Geschichte und des aberwitzigsten Jahres der deutschen Parteiengeschichte steht dieser Karlheinz Schreiber. Seine Machenschaften waren eine Conditio sine qua non für den Aufstieg der Angela Merkel. Schreiber kann nicht hinweggedacht werden, ohne dass ihr Erfolg entfiele. Schreibers dubioses Treiben hat ihr den Kairos geschaffen. Sie führt jetzt eine neue, eine erneuerte CDU.
Grausame hessische Posse
Das Landgericht Augsburg aber führt seinen Prozess auf der Spitze eines Eisberges. Was sich unter der Wasseroberfläche noch alles verbirgt, kann man nur raten. Viele der Dubiositäten, die mit den Ermittlungen gegen Schreiber begannen, sind unaufgeklärt geblieben, sie sind nicht Gegenstand der Anklage und also nicht Gegenstand der Beweisaufnahme.
Das System illegaler Konten und anrüchiger Zahlungen ist nur zum kleinen Teil kartographiert. Die weißen Flecken sind gewaltig. Und die ruchlose Spendenaffäre der CDU in Hessen, die bei Gelegenheit der Ermittlungen gegen Schreiber und Kiep entdeckt wurde, ist noch immer ein einziger großer weißer Fleck.
Diese grausame hessische Posse, bei der der Ministerpräsidenten Roland Koch eine ungute Rolle spielt, hat zwar mit dem Augsburger Strafverfahren unmittelbar nichts zu tun - sie speist aber das fatale Gefühl, dass von staatsanwaltschaftliche Ermittlungen in kriminellen politischen Angelegenheiten nicht viel zu erwarten ist.
Immerhin: In Augsburg wird gerichtlich verhandelt. Die Staatsanwaltschaft dort hat die Auslieferung des Angeklagten Schreiber mit einer Beharrlichkeit betrieben, die es zu Franz Josef Straußens Zeiten nicht gegeben hätte.
Das Verfahren, so schmalbrüstig es jetzt auch sein mag, ist Beleg dafür, dass diese alten Zeiten vorbei sind. Politische Korruption freilich ist nicht vorbei, sie ist nur anders, subtiler. Früher mussten dubiose Lobbyisten ihre Interessen am Gesetz vorbei mit viel Geld durchsetzen. Heute kann es passieren, dass Lobbyisten die Gesetze gleich selber machen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 19. 1. 2009/odg)
Wahlkampffinanzierung in den USA
An Simnie:@, Soweit so Gut, was da von dir geschrieben wird. Vieles was da in dem Leserbrief steht ist richtig, nur Schreibers Anklage stuetzt sich auf Steuerhinterziehung,dass der Schwachpunkt der Anklage,es lautet welche Steuer hat er Schreiber in Deutschland hinterzogen ? Das wird dem Gericht sehr schwerfallen zu beweisen und seine Freunde im Dunklen werden alles tun das er fast Ungeschoren davonkommt,da gehe ich fast jede Wette ein.
In einem maroden, korrupten, in Angriffskriege verwickeltem, hochentwickeltem Staat mit einem Herrschaftsgrundsystem vom Niveau einer Bananenrepublik ist das ganze System politisch, ökonomisch, juristisch, polizeilich und militärisch so exat abgesichert, daß nie die Wahrheit herauskommt. Wie in einer großen Familie sind Bosse, Spitzenpolitiker, oberste Richter und Staatsanwälte so verschwägert, aneinander durch Korruption gekettet, daß sie nie zulassen, an ihrer Herrschaft zu rütteln. Schreiber wird schweigen, denn er ist Bestandteil dieses Systems. Am Ende kommt dann der Deal vor Gericht und der Abruch/Einstellung des Verfahrens. Schließlich hat man ja diese Blaupause geschaffen, damit das System funktioniert.
"Wenn über den Ausgang auch spekuliert werden darf, eines ist sicher; eine Verabschiedung mit Handschlag und Verbeugung durch den vorsitzenden Richter wird es wohl in Augsburg nicht wieder geben."
Ich habe die Szene damals auch bei Frontal gesehen. Die Verbeugung hat mich in meinem Denken geprägt, ob zu recht oder unrecht ist irrelevant.
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@Onkel Willi:
Zitat: "Warum Schäuble trotz krimineller Vergangenheit noch immer Minister in der Regierung ist, bleibt auch weiterhin unbeantwortet. "
Zitat Merkel: "... er geniesst mein Vertrauen".
Dies sagt doch schon alles aus über die Integrität Frau Merkels.
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