Schließung von US-Vertretungen Al-Qaida-Führer befiehlt Anschläge

Nach der Schließlung von zahlreichen US-Vertretungen und einer weltweiten Reisewarnung sind nun alle US-Bürger, die sich in Jemen aufhalten, aufgefordert, das Land unverzüglich zu verlassen. Grund soll ein abgehörtes Gespräch zwischen Al-Qaida-Chef Zawahiri und einem weiteren Führer des Terrornetzwerks sein, melden US-Medien. Darin planten sie "etwas Großes".

Die vorübergehende Schließung der US-Botschaften und Konsulate in vielen Ländern der islamischen Welt und die Reisewarnung des US-Außenministeriums sind nach Medienberichten auf ein abgehörtes Gespräch zwischen zwei Al-Qaida-Führern zurückzuführen.

Wie verschiedene US-Medien unter Berufung auf Regierungsbeamte übereinstimmend berichteten, sei eine elektronisch geführte Kommunikation zwischen Al-Qaida-Chef Aiman al-Zawahiri und Nasser al-Wuhaischi, dem im Jemen ansässigen Kopf des Terrornetzwerks auf der arabischen Halbinsel, abgehört worden. In diesem Gespräch habe Al-Wuhaischi den Befehl erhalten, vom vergangenen Sonntag an Angriffe gegen US-Einrichtungen durchzuführen.

Es sei um "etwas Großes" gegangen, berichtete der amerikanische Fernsehsender CBS. Der Ton der Unterhaltung sei ernsthaft und zugleich drängend gewesen, berichtete der TV-Sender weiter unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle. Al-Zawahiri habe Al-Wuhaischi demnach dazu aufgefordert, mit dem Angriff voranzukommen. Die Attacke solle zeitlich mit dem Ende des Fastenmonats Ramadan zusammenfallen.

"Breites Spektrum" an Berichten

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet hingegen unter Berufung auf US-Kreise, die Schließung von Botschaften im Nahen Osten und Afrika gehe nicht allein auf die Kommunikation zwischen den führenden Al-Qaida-Mitgliedern zurück. Es gebe ein breites Spektrum an Berichten, sagte ein US-Vertreter der Nachrichtenagentur demnach. "In der Gefahreneinschätzung gibt es keinen eindeutigen Beweis."

Aus US-Kreisen verlautete Reuters zufolge zudem, man habe noch immer keine Informationen über ein konkretes Ziel oder den Ort eines mutmaßlichen Anschlages. Zudem ist offenbar unklar, wie al-Qaida auf die Botschaftsschließungen reagieren wird. "Jetzt wird überlegt, ob die al-Qaida ihren Angriff verschoben oder nur ein anderes Ziel ausgewählt hat", zitierte CBS den US-Abgeordneten Adam B. Schiff.

"Hochgradige Sicherheitsbedrohung"

Das US-Außenministerium hat indes alle amerikanischen Staatsbürger in Jemen dazu aufgefordert, das arabische Land umgehend zu verlassen. Zugleich ordnete es die Abreise jener Botschaftsmitarbeiter im Jemen an, die keine wesentlichen Funktionen versehen, hieß es in einer Erklärung, die an diesem Dienstag in Washington veröffentlicht wurde. Die Maßnahmen wurden mit einer "hochgradigen Sicherheitsbedrohung infolge terroristischer Aktivitäten und Unruhen unter der Bevölkerung" begründet. "US-Bürger, die sich derzeit in Jemen aufhalten, sollten abreisen", hielt das Dokument fest.

Die 19 betroffenen US-Vertretungen sollen noch die ganze Woche geschlossen bleiben. Schon am Freitag hatten die USA eine weltweite Reisewarnung für ihre Bürger herausgegeben. Auch die deutsche Botschaft im Jemen bleibt wegen Anschlagsgefahr auf unbestimmte Zeit geschlossen. Dies habe Außenminister Guido Westerwelle in Abstimmung mit wichtigen Partnern verfügt, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

Jemens Behörden veröffentlichten am Dienstag eine Liste mit 25 gesuchten Verdächtigen. Es handle sich um Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida, die wegen mutmaßlicher Anschlagspläne gesucht würden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Sie hätten '"Terrorattacken während der letzten Tage des Fastenmonats Ramadan" sowie zum islamischen Fastenbrechen Ende dieser Woche geplant. Die Regierung lobte eine Belohnung von 23.000 Dollar (etwa 17.300 Euro) für Hinweise aus, die zu ihrer Ergreifung führen. Einer der gelisteten Verdächtigen wurde am Dienstagmorgen bei einem US-Drohnenangriff im Jemen getötet. Insgesamt seien vier mutmaßliche Al-Qaida-Mitglieder bei dem Angriff auf ihr Fahrzeug in der östlichen Provinz Marib getötet worden, teilten ein Stammesangehöriger sowie die amtliche Nachrichtenagentur Saba mit.