Schäuble über die Bundeskanzlerin Merkel erfolgreicher als Napoleon

Lobt den Regierungsstil von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (r.).

(Foto: AFP)
  • Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung den Regierungsstil von Bundeskanzlerin Angela Merkel gerechtfertigt.
  • Die Kanzlerin habe Führungsqualität bewiesen, die "nicht so hurramäßig wie bei Napoleon - aber erfolgreicher" sei.
  • Zugleich kritisiert Schäuble die AfD für ihre Art der Mobilisierung von Wählern.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat den Regierungsstil von Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt: "Angela Merkel hat es viel besser als viele andere Regierungschefs in Europa geschafft, die Interessen einer sehr heterogenen Gesellschaft zu bündeln", sagte Schäuble der Süddeutschen Zeitung (Montagsausgabe).

Merkels "sehr persönlicher, nicht konfrontativer Stil der langen Linien" sei sehr erfolgreich, auch weit über die Bundesrepublik hinaus. Als Beispiele nannte er Statistiken, wonach Deutschland mittlerweile für Zuwanderer unter allen westlichen Industriestaaten das zweitattraktivste Land sei, und den Umgang mit der Frage, ob die sexuelle Orientierung heute noch relevant sein darf.

Wolfgang Schäuble im Wortlaut Das vollständige Interview lesen Sie in der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung oder in der digitalen Ausgabe auf dem Smartphone oder Tablet.

Merkels neue Form der Führungsqualität

"Angela Merkel war es, die hier die Gesellschaft mitgenommen hat", sagte Schäuble. Das sei eine neue Form von Führungsqualität. "Die ist nicht so hurramäßig wie bei Napoleon - aber erfolgreicher."

Außerdem übte Schäuble scharfe Kritik an der AfD: "Diese Leute sammeln Stimmen, indem sie Ressentiments gegen Ausländer mobilisieren und versuchen, dieses trübe Wasser auf ihre Mühle zu leiten. Das ist eine Schande, dabei bleibe ich", sagte er.

Schäuble relativiert AfD

Zugleich bemühte sich Schäuble, die Rolle der AfD im Vergleich zu anderen populistischen Parteien im europäischen Ausland zu relativieren: "Schauen Sie doch nach Österreich, nach Frankreich, nach England, in die Niederlande", so der CDU-Politiker. "Gemessen daran haben wir in Deutschland nur wenige politisch relevante Realitätsverweigerer."

Zur Begründung für das Erstarken der AfD sagte Schäuble: "In guten Zeiten, in denen es keine großen, existenzbedrohenden Krisen gibt, haben die Menschen Zeit für so etwas. Wichtig ist: Wir müssen die Menschen ernst nehmen und auf sie eingehen. Aber wir dürfen ihnen nicht nach dem Mund reden, sondern müssen für unseren Standpunkt werben."