Rumänien Geheimgefängnis der CIA in rumänischer Behörde entdeckt

In osteuropäischen Gefängnissen hat der Geheimdienst CIA jahrelang Terrorverdächtige gefoltert. Nun haben US-Agenten die Adresse eines früheren rumänischen Schattenverlieses verraten: Es lag mitten in der Hauptstadt Bukarest - in einem Behördenkeller.

Von John Goetz und Nicolas Richter

Der amerikanische Geheimdienst CIA hat in den Jahren nach dem 11. September 2001 etliche hochrangige Terrorverdächtige in osteuropäischen Verliesen untergebracht und gefoltert. Neben Litauen und Polen stand immer auch Rumänien unter Verdacht, den Amerikanern geholfen zu haben. Nun haben frühere amerikanische Agenten der Süddeutschen Zeitung und dem ARD-Magazin Panorama verraten, wo sich das rumänische Schattenverlies befunden haben soll. Es lag offenbar mitten in der Hauptstadt Bukarest, in dem Keller einer Regierungsbehörde.

Weiterer Verdachtsfall: Auch diese Anlage in der rumänischen Hauptstadt Bukarest soll ein CIA-Geheimgefängnis gewesen sein, Codename: Bright Light.

(Foto: SZ)

Bei der CIA soll der Codename für das Gefängnis "Bright Light" gewesen sein, "Helles Licht". Die tatsächliche Adresse aber war die Mures-Straße 4, in den Amtsräumen der Behörde ORNISS. Sie verwaltet die militärischen Geheimnisse der Regierung, insbesondere solche mit Bezug zur Nato.

Eine Quelle in US-Geheimdienstkreisen hatte die Lage und das Aussehen der einstigen Bukarester Haftanstalt beschrieben. Die Reporter entdeckten schließlich den Komplex in der Mures-Straße und fotografierten ihn. Die Fotos legten sie in Washington drei Informanten vor, alle drei erkannten die Einrichtung an der Bahnstrecke wieder.

Ein früherer CIA-Mann, der den Ort mehrmals besucht hatte, erinnerte sich an seinen ersten Eindruck. "Es ging sehr diskret zu. Es war nicht so, dass der rumänische Behördenleiter da rauskam, um mich zu begrüßen", sagte der einstige Agent der SZ. Ein anderer Informant sagte, er sei sich deswegen so sicher, weil die Operation in Bukarest eine seiner wichtigsten Aufträge für die CIA überhaupt gewesen sei.

Der stellvertretende Behördenleiter von ORNISS stritt die Vorwürfe in einem Interview ab. Auf die Frage, ob hier islamistische Terrorverdächtige versteckt wurden, sagte Vize-Chef Adrian Camarasan: "Hier? Nein!"

Dick Marty, der Ermittler des Europarats, hatte Rumänien schon vor Jahren als Helfer der CIA identifiziert. Rumänien und Polen, erklärte Marty, waren wirtschaftlich schwach, hatten einen schwierigen politischen Wandel hinter sich und waren für ihre weitere strategische Entwicklung auf die Amerikaner angewiesen. "Die Rumänen hätten damals alles für uns gemacht", sagt ein Amerikaner, der damals an hoher Stelle bei der Nato arbeitete.

Rumänien strebte in jener Zeit energisch in die Nordatlantische Allianz, der sie im Jahr 2004 dann auch beitrat. Schon nach dem Terror vom 11. September schaffte Präsident Ion Iliescu Tatsachen: Sein Land werde sich gleich "de facto wie ein Nato-Mitglied" verhalten, erklärte er. Im Oktober 2001 unterzeichnete er mit der US-Regierung ein bilaterales Abkommen, das US-Soldaten und US-Zivilisten Operationen auf rumänischem Staatsgebiet erheblich erleichterte.

An der damaligen Beteiligung Rumäniens gibt es kaum noch Zweifel. Die Flugdaten mutmaßlicher CIA-Maschinen hatten zunächst darauf hingedeutet, dass Geheimgefängnisse auch nahe Constanta im Südosten des Landes liegen könnten oder im Westen bei Timisoara. Doch für Bukarest finden sich in den Unterlagen amerikanischer Charterflugfirmen, die für die CIA arbeiteten, bezeichnende Einträge.

Weltreisen für die CIA

Das Unternehmen Richmor Aviation zum Beispiel hat Rechnungen für zwei Weltreisen gestellt: Die erste führte Ende Januar 2004 von Washington nach Doha, Riad, Amman; von dort nach Bukarest und über Barcelona zurück in die USA. Die zweite Tour begann im April 2004 in Washington, dann Guantánamo, Teneriffa, Bukarest, Rabat, Washington. Bei diesen Flügen der Maschine mit der Kennung N85VM waren zwischen fünf und neun Personen an Bord. Allein für den Rundflug im Januar berechnete Richmor der CIA 202.250 Dollar.

Unklar ist, welche Rolle der Keller in der Mures-Straße im Netz der Geheimgefängnisse spielte. Einer der damaligen Insassen soll der Terrorverdächtige Abd al-Rahim al-Nashiri gewesen sein. Die parlamentarische Versammlung des Europarats erklärte im Sommer dieses Jahres, al-Nashiri sei 2002 und 2003 in Polen gefoltert und dann zwischen 2003 und 2006 "in einem Geheimgefängnis der CIA in Bukarest" gewesen. Die Parlamentarier appellierten an die USA, al-Nashiri, der inzwischen in Guantánamo untergebracht ist, nicht hinzurichten.

Die Reportage von Nicolas Richter und John Goetz über die CIA-Gefängnisse in Osteuropa lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.