Ob ausgedehnte Kontakte zur Mafia oder schwerer Betrug, ob Minister oder Premier Berlusconi: Italiens Politiker amtieren nach Skandalen munter weiter. Die Bürger verlieren die Achtung vor Staat, Gesetz und Politik.
Auch in zweiter Instanz ist nun ein jahrzehntelanger Vertrauter von Italiens Premier Silvio Berlusconi wegen seiner ausgedehnten Kontakte zur Mafia verurteilt worden. Sieben Jahre Haft wurden verhängt gegen den Senator der Regierungspartei PDL, Marcello dell'Utri.
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Auch in der Regierung selbst findet man ohne langes Suchen Leute, die im Visier der Justiz stehen. Das beginnt beim Premier Berlusconi, gegen den drei Prozesse anhängig sind. (© afp)
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Man sollte meinen, das wäre Grund genug für seine Partei, auf Distanz zu ihm zu gehen. Doch führende Politiker der PDL haben die Verurteilung erfreut kommentiert, als wäre sie ein Freispruch. Denn es hätte ja viel schlimmer kommen können: Dass ihr Mann nämlich auch wegen des Vorwurfs verurteilt würde, er habe die PDL-Vorgänger-Partei Forza Italia mit Hilfe der Mafia aufgebaut.
Dies ist nur der jüngste Fall, der ein Schlaglicht darauf wirft, wie viel Ehr- und Schamgefühl oder Respekt vor Staatsinstitutionen nicht unbedeutende Teile von Italiens Politik und Regierung haben. Dell'Utri denkt offenbar gar nicht daran, seinen Senatorensessel in der zweiten gesetzgebenden Kammer des Landes zu räumen. Er genießt dort beispielsweise die Gesellschaft von Salvatore Cuffaro von der Partei UDC. Senator Cuffaro ist in zwei Instanzen zu mehrjähriger Haft verurteilt, weil er als Regionspräsident von Sizilien der Mafia zu nahe stand.
Die anständigen Senatoren müssen mit diesen Kollegen genauso die Bänke teilen wie mit einem anderen PDL-Senator, der wegen Wirtschaftsvergehen vorbestraft ist und gegen den nun wegen schweren Betrugs ermittelt wird. Ein Senator erschien den Parlamentsoberen dieses Jahr aber doch unhaltbar. Der wegen Geldwäsche für die 'Ndrangheta und Wahlbetrugs beschuldigte PDL-Senator Nicola di Girolamo trat nach langem Sträuben zurück und wurde umgehend verhaftet.
Auch in der Regierung selbst findet man ohne langes Suchen Leute, die im Visier der Justiz stehen. Das beginnt beim Premier, gegen den drei Prozesse anhängig sind. Der eben ernannte Minister Aldo Brancher ist in einem Wirtschaftsverfahren angeklagt. Dann gibt es den Wirtschaftsstaatsekretär Nicola Cosentino, den Richter wegen seiner Kontakte zur Camorra in Vorbeugehaft nehmen wollten. Gegen Guido Bertolaso, den Chef des Zivilschutzes, wird in einer ausgedehnten Korruptionsaffäre ermittelt. Immerhin hat im Mai Wirtschaftsminister Claudio Scajola seinen Hut genommen. Es erschien dann doch zu schwer vermittelbar, dass er nicht bemerkt haben wollte, dass ein Bauunternehmer ihm 900.000 Euro zum Kauf einer Wohnung spendiert hat.
Dauerattacken auf die Justiz
Diese Aufzählung belasteter Politiker ist unvollständig. Sie zeigt aber, dass es nicht als selbstverständlich gilt, Verfassungsorgane vor Schaden zu bewahren, indem man Ämter wenigstens ruhen lässt, bis Vorwürfe geklärt sind.
Die Frage, wie die Bürger so Achtung vor Staat, Gesetz und Politik bewahren sollen, stellen sich solche Vertreter der Politik anscheinend nie. Begleitet wird dies von Dauerattacken des Regierungschefs auf die Justiz. Berlusconi tut alles, um die Gerichte zu delegitimieren, wie er das auch schon mit dem Staatspräsidenten als Hüter der Verfassung versucht hat. Kürzlich hat der Premier die Konstitution gar als katho-kommunistisches Machwerk beschimpft, mit dem man nicht regieren könne.
Wer aus solchen Äußerungen die Aufforderung heraushören will, schert euch nicht um Recht und Gesetz, braucht nicht viel Phantasie. Welche Auswirkungen das auf die öffentliche Moral hat, scheint Berlusconi egal zu sein. Das ist eine verheerende Botschaft von der Spitze der Politik. Ein kleines Hoffnungssignal für die Zukunft gab es trotzdem nach dem Urteil gegen dell'Utri. Die Nachwuchsorganisation der PDL in Sizilien hat ihre Partei aufgefordert, endlich jeden auszuschließen, der im Zusammenhang mit der Mafia verurteilt ist. Offenbar sehnen sich zumindest ein paar Jüngere in der Regierungspartei nach mehr politischem Anstand.
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(SZ vom 01.07.2010/juwe)
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Politiker und ihre Pannen
Wer behauptet es gäbe da keinen UNterschied zwischen Italien und Deutschland, ist entweder sehr sehr sehr schlecht informiert, oder hat persönliches Interesse an der Verniedlichung der kriminellen Zustände in Italien (vielleicht ist ja Don Marcello ein Mafiafan oder selbst Mafioso). Nur mal eine Frage: Hat Merkel Gerichtsverfahren laufen? Liegt gegen Merkel oder sonst ein Regierungsmitglied ein Haftbefehl wegen UNterstützung einer kriminellen Vereinigung vor usw usw usw usw..... ). Ignoranz, wie sie aus den vorhergehenden Leserbriefen hervorgeht, sind der Treibstoff des antidemokratischen und kriminellen Regimes in Italien; und zum Glück für die "Politik" ist fast die Hälfte der Italiener als Analphabeten einzustufen (Artikel dazu auch in der SZ - Interview Camilleri).
Tja, die Ignoranz.....
...als ob es da grosse Unterschiede zu unseren Abgeordneten gäbe.Zugegeben,es werden bei uns (noch) keine Leute ermordet,aber Erpressungen im kleinen und grossen Stil oder Beeinflussung durch Spenden sind an der Tagesordnung.Aus Kreisen der italienischen Behörden kommt immer wieder Kritik an Deutschland hoch,mit der Aussage,ohne Unterstützung durch deutsche Geldwäsche-Betriebe könnte die Mafia einpacken.Ich bin der festen Überzeugung,die europäischen "Leistungsträger"sind nicht an einem Ende der Mafia interessiert.Die Schwarzgeld-Waschanlagen funktionieren mit jeder Form von Geld,ob aus Erpressung ,Zuhälterei oder einfach nur Steuerhinterziehung.Nur dafür hat man Europa geschaffen.Denken wir an den Euro.Seine Einführung sollte der Falschgeldproduktion entgegenwirken.Also die Fälscherbanden mussten vorher sich an vielen verschiedenen Scheinen versuchen.Jetzt können die alle zusammenarbeiten,bei Bedarf.Damit der Europäer nichts merkt fokussiert man den Blick der Öffentlichkeit auf Diskussionen über Islam und Kruzifixe an Schulen,Kopftücher und Abartigkeiten in der katholischen Kirche.Sicher alles Themen von einigem Gewicht,keine Frage.Doch unsere Aufmerksamkeit wird immer auf "Sekundärprobleme"gelenkt,um einen Krieg zu rechtfertigen beispielsweise.Oder um von der faktisch totalen Bedeutungslosigkeit unserer "demokratischen Wahlen" abzulenken.
wie zum geier kommen sie auf so einen schmarrn?! das würde mich echt mal interessieren...
http://www.transparency.org/policy_research/surveys_indices/cpi/2009/cpi_2009_table
"The Corruption Perceptions Index (CPI) measures the perceived level of public-sector corruption in 180 countries and territories around the world. The CPI is a "survey of surveys", based on 13 different expert and business surveys."
dort suchen sie mal ausgehend von de (14.) italien (weit runterscrollen) und dann bitte uganda (noch vieeel weiter scrollen)
..heißt es nicht besser......E LA MAFIA.......la gomorra...e la voce di criature che salia chianu chianu.....wie es bei Pino Daniele im Napoletanischem heißt...
ist da keinen Deut besser, ganz im Gegenteil.
Wie lautet unser aktueller Sachstand bzgl. Korruptionsverbreitung noch ?
Auf der Ebene Ugandas rangieren wir, und Gotte behüte ich hätte Schlimmes mit Uganda im Sinne.
Paging