Referendum Kroaten stimmen für EU-Beitritt

Die breite Mehrheit der Kroaten hat sich für eine EU-Mitgliedschaft ab 2013 ausgesprochen. Von den einstigen jugoslawischen Teilrepubliken gehört bisher nur Slowenien der EU an. Brüssel nennt das Votum eine gute Nachricht für die gesamte Balkanregion. Die Beteilung an dem Referendum war allerdings gering.

Die Kroaten haben Ja zum EU-Beitritt ihres Landes im Sommer 2013 gesagt: Etwa 66 Prozent befürworteten diesen Schritt bei einem Referendum, wie die Wahlkommission am Sonntagabend in Zagreb mitteilte. Schon bei der Loslösung vom ehemaligen Jugoslawien im Jahr 1991 hatte die kroatische Führung die Mitgliedschaft in der EU als Ziel gesetzt.

Damit kann Kroatien am 1. Juli 2013 das 28. EU-Mitglied werden. Die Ratifizierung des Beitrittsvertrages durch alle bisherigen EU-Staaten gilt als Formsache. Kroatien ist nach Slowenien der zweite Nachfolgestaat Jugoslawiens, der Mitglied der EU wird. Allerdings muss der Adriastaat bis zu diesem Zeitpunkt noch einige schmerzhafte Wirtschaftsreformen umsetzen. Dazu gehört die Sanierung der maroden Werftindustrie, in der tausende Beschäftigte arbeitslos werden dürften.

Das Referendum sei "ein historischer Tag für Kroatien", waren sich die Spitzenpolitiker des Landes einig. "Die EU ist eine Chance für den Fortschritt und die Entwicklung aller kroatischen Talente", sagte Regierungschef Zoran Milanovic. "Das ist ein großer Tag für Kroatien, und 2013 wird ein Wendepunkt in unserer Geschichte. Ich freue mich auf Europa als meine Heimat", sagte Präsident Ivo Josipovic nach seiner Stimmabgabe.

Nur knapp 44 Prozent gaben ihre Stimme ab

Die niedrige Wahlbeteiligung führte der erst kürzlich angetretene Milanovic auf die Enttäuschung der Bürger mit der Politik zurück: "Die Menschen sind offensichtlich enttäuscht - das ist eine Botschaft, die der Situation des Landes geschuldet ist, und eine Botschaft an meine Regierung", sagte er.

Die Beteiligung am Referendum hatte mit 43,6 Prozent einen Tiefstand erreicht. Offensichtlich hatten die EU-Gegner viele Bürger von der Abstimmung ferngehalten: Sie hatten vor dem Verlust der vor 20 Jahren gewonnenen Souveränität und dem Ausverkauf nationaler Interessen gewarnt. Schon an der Parlamentswahl im Dezember hatten nur 56 Prozent der 4,5 Millionen Wahlberechtigten teilgenommen.

Die EU-Befürworter hatten argumentiert, ohne die Zugehörigkeit zur Union bliebe das Land mit seinen 4,3 Millionen Menschen in die Konflikte der neunziger Jahre mit den anderen früheren jugoslawischen Teilrepubliken verstrickt.

Die Europäische Union hat Kroatien zu seinem Votum beglückwünscht. Dies sei eine gute Nachricht für die gesamte Balkanregion, hieß es am Sonntagabend in einer Erklärung aus Brüssel. "Der bevorstehende Beitritt Kroatiens sendet ein klares Signal an die gesamte Region Südosteuropas", erklärte die EU. "Er zeigt, dass die EU-Mitgliedschaft durch politischen Mut und entschlossene Reformen erreichbar ist."

Die Verhandlungen zwischen Zagreb und Brüssel dauerten sieben Jahre. Allerdings gerieten sie wegen eines Grenzkonflikts mit Slowenien immer wieder ins Stocken. Im vergangenen Dezember unterzeichnete Kroatien, das 1991 seine Unabhängigkeit von Jugoslawien erklärt hatte, schließlich den Beitrittsvertrag.