Rassistische Äußerungen Die Kreuzritter vom Verfassungsschutz

Dümmlich, rassistisch, islamfeindlich: Mehrere Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes sollen sich beleidigend geäußert haben. Sie gehören ausgerechnet zu der Abteilung, die militante Islamisten beobachtet und deswegen besonders sensibel sein müsste.

Von Hans Leyendecker und Tanjev Schultz

Seit der Aktenschredder-Affäre und dem Debakel bei der rechten Terrorbande NSU steckt der Verfassungsschutz in seiner vielleicht schwersten Krise. "Wir müssen rauskommen aus dem Loch", hieß es zuletzt in Kreisen des Bundesamtes in Köln. Die Arbeit soll neu organisiert, verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden. "Wir müssen besser werden", sagt Hans-Georg Maaßen, der im vergangenen Sommer als Präsident des Bundesamts einen Posten übernommen hat, um den ihn wohl nur wenige beneiden.

Wie es in der Behörde mit ihren insgesamt etwa 2800 Mitarbeitern in Köln und Berlin zugeht, wie die Stimmung dort ist und welche Missstände es vielleicht gibt - darüber dringt nur selten etwas nach draußen. Doch nun sind Vorfälle ans Licht gekommen, die zwar vor Maaßens Amtszeit liegen, aber bezeichnend sind für das Klima, das in dem Haus herrscht.

Dümmlich, rassistisch, islamfeindlich

In der Abteilung, die militante Islamisten beobachten soll, traten mehrere Mitarbeiter offenbar nicht nur durch dümmliche, sondern offen islamfeindliche und rassistische Äußerungen hervor. Ein Beamter soll in seinem Büro eine Kreuzritter-Spielfigur so postiert haben, dass ihr Schwert auf eine Miniatur-Moschee gerichtet war. Da hörte für Kollegen, die selbst Wurzeln in einem muslimischen Land haben, der vermeintliche Spaß auf. Es gab eine Beschwerde und interne Untersuchungen.

In Sicherheitskreisen sagen nun die einen, die Vorfälle, die bereits ein paar Jahre zurücklägen, seien längst geklärt. Und sie seien eine Ausnahme und völlig untypisch für die Behörde gewesen. Andere sagen, der Konflikt schwele weiter und sei keineswegs vernünftig gelöst worden. Auf offiziellem Wege hört man, wie es beim Verfassungsschutz üblich ist: überhaupt nichts. Ein Sprecher verweist auf den Personaldatenschutz. Zu Personalangelegenheiten und etwaigen Disziplinarverfahren könne keine Auskunft erteilt werden.

"Institutioneller Rassismus"

Der Ton in Geheimdienstkreisen gilt als rau, zimperlich sind hier die wenigsten. Wie überall gibt es Konflikte zwischen Kollegen, Neid, Missgunst, blöde Sprüche. Die Vorfälle, die jetzt bekannt geworden sind, lassen sich allerdings nicht so leicht als Frotzeleien oder als Intrigen zwischen Kollegen abtun. Es sollen Begriffe wie "Herrenrasse", "Muselmann" und "Ölauge" gefallen sein - und das in einer Abteilung, die in ihrem Auftrag täglich zu tun hat mit der Beobachtung von Muslimen und dabei besonders sensibel vorgehen soll.