Putins Ukraine-Politik Falsches Mitgefühl

Setzt die Ukraine mit dem Gaspreis unter Druck: Wladimir Putin

(Foto: Bloomberg)

Putins Form von Mitgefühl möchte man lieber nicht abbekommen. Moskau sorgt sich öffentlich um die Menschen in der Ukraine - doch gleichzeitig setzt sie den Gaspreis dafür ein, um die neue Regierung in Kiew unter Druck zu setzen.

Ein Kommentar von Julian Hans, Moskau

Putins Brief an Europas Gazprom-Kunden ist eine Drohung, getarnt als Fürsorge. Die Ukraine steht vor der Pleite. Im März hatte Gazprom den Rabatt für die Ukraine gekündigt und den Preis von 268,5 Dollar für 1000 Kubikmeter Gas auf 385,5 Dollar angehoben. Nach der Annexion der Krim erklärte Moskau ein Abkommen für nichtig, das für die Nutzung des Flottenstützpunkts in Sewastopol einen Nachlass bei den Gaspreisen vorsah und erhöhte noch einmal um 100 Dollar. Russland hat sich die Krim genommen, Kiew soll dafür zahlen.

Putin beruft sich jetzt darauf, dass es einen vertraglich festgelegten Preis gebe. Der wurde 2009 mit Julia Timoschenko vereinbart, als ihr Volk fror und Wahlen anstanden. Dass sie damals dem überhöhten Preisen zugestimmt hat, wurde später als Vorwand genutzt, um sie ins Gefängnis zu bringen. Dass der Preis unbezahlbar ist, ist beabsichtigt. Rabatte werden für Gefügigkeit gewährt.

Es gibt eine Form von Mitgefühl, die möchte man lieber nicht abbekommen. Wenn Russlands Finanzminister sagt, er sorge sich in Anbetracht unbezahlter Gasrechnungen um die Ukraine, wenn er an den nächsten Winter denke. Wenn Russlands Außenminister wieder betont, die Unruhen in der Ukraine bereiteten seinem Land größte Sorgen. Dann ist das so, als wenn der Klassenstärkste dem Schwächsten ein Bein stellt und sich maliziöse erkundet: "Hast du dir wehgetan?"