Prognosen nach Wahl in Israel Netanjahu liegt trotz Verlusten vorne

Anhänger der Likud-Partei feiern: Die Koalition von Ministerpräsident Netanjahu liegt trotz Verlusten vorne.

(Foto: REUTERS)

Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Israel bleibt das Bündnis um Ministerpräsident Netanjahu stärkste Kraft. Das geht aus Nachwahlbefragungen hervor. Ein Überraschungserfolg gelang der neugegründeten Zentrumsliste Jesch Atid des Fernsehmoderators Jair Lapid.

Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnet sich wie erwartet ein Sieg der Koalition von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ab. Das regierende Bündnis Likud-Beitenu, die gemeinsame Liste aus Netanjahus Likud und der ultranationalistischen Partei seines bisherigen Außenministers Avigdor Lieberman, hat bei der Parlamentswahl allerdings erhebliche Verluste erlitten. Das geht aus Nachwahlbefragungen israelischer Fernsehsender nach Schließung der Wahllokale am Dienstagabend um 22 Uhr Ortszeit (21 Uhr MEZ) hervor.

Demnach kam der rechtsorientierte Block am Dienstag auf nur noch 31 Mandate, elf weniger als bisher. Als Chef des stärksten Blocks dürfte Netanjahu aber trotz des schlechten Abschneidens erneut mit der Regierungsbildung beauftragt werden. Bislang verfügte der rechtsorientierte Block gemeinsam über 42 der insgesamt 120 Parlamentssitze.

Auf Platz zwei kam überraschend stark mit 19 Mandaten die neue liberale Zukunftspartei (Jesch Atid) des früheren TV-Journalisten Jair Lapid. Drittstärkste Kraft wurde nach diesen inoffiziellen Berechnungen aufgrund von Wählerbefragungen die Arbeitspartei unter Shelly Jachimowich mit 17 Mandaten. Der neue israelische Politstar Naftali Bennett konnte mit seiner ultrarechten Partei Habait Hajehudi (Das Jüdische Haus) auf zwölf Abgeordnete hoffen, etwas weniger als erwartet.

Ausrichtung der künftigen israelischen Regierung noch unklar

Die frühere Außenministerin Zipi Livni mit ihrer Neugründung Hatnua (Bewegung) erhielt der Befragung zufolge sieben Mandate, genauso viele wie die linksliberale Merez-Partei. Da keine der Parteien eine verbindliche Koalitionsaussage abgegeben hat und große Differenzen zwischen möglichen Koalitionspartnern bestehen, war unklar, welche Ausrichtung die künftige israelische Regierung haben wird.

Kurz vor Schließung der Wahllokale hatte sich Netanjahu in einem Appell an seine Wähler gewandt. "Die Regierung des (rechtsorientierten) Likud ist in Gefahr, lasst bitte alles stehen und liegen und wählt uns", appellierte der 63-Jährige am Dienstagabend über Facebook. "Dies ist sehr wichtig für eine sichere Zukunft des Staates Israel." Der Likud hatte gefürchtet, die hohe Wahlbeteiligung bei der Parlamentswahl könnte dem Mitte-Links-Lager zugutekommen.

Die Wahlbeteiligung ist bis in die Abendstunden hoch geblieben. Zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale hatten nach Angaben der Zentralen Wahlkommission bereits 63,7 Prozent der 5,6 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das waren vier Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren zum gleichen Zeitpunkt und mehr als die gesamte Wahlbeteiligung im Jahr 2006 (63,2 Prozent).