Prism-Enthüller auf der Flucht Snowden nicht an Bord der Aeroflot-Maschine nach Kuba

Um 12:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit sollte Edward Snowden von Moskau aus in die kubanische Hauptstadt Havanna fliegen. Doch offenbar ist er nicht an Bord der Aeroflot-Maschine. Der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge soll Snowden dennoch das Land verlassen haben.

Russland sah keinen Grund, Edward Snowden festzuhalten oder an die USA auszuliefern. Und so wartete der Prism-Enthüller im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf einen Weiterflug nach Kuba. Der sollte um 12:05 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit starten und um 0:45 Uhr in Havanna landen.

Doch Snowden war offenbar nicht an Bord. Diese Information kursierte auf Twitter, unter anderem von der Russland-Korrespondentin des britischen Guardian. Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf die russische Fluggesellschaft Aeroflot, Snowden sei nicht an Bord gewesen. Interfax meldete inzwischen aber auch, Snowden habe Russland offenbar verlassen. Er soll demnach an Bord eines anderen Flugzeugs gegangen sein.

Über den aktuellen Aufenhaltsort gibt es derzeit nur Spekulationen: Die norwegische Piratenpartei behauptete, Snowden sei Sonntag Nacht in Oslo gelandet, um sich nach Island abzusetzen. Wikileaks-Gründer Julian Assange gibt an, Snowden sei "gesund und in Sicherheit". Über den Verbleib des Flüchtigen äußerte er sich jedoch nicht.

Zuvor hatte der 30-Jährige Hongkong verlassen und war nach Moskau gereist, von wo aus er einen Asylantrag in Ecuador gestellt hatte. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte bereits am Sonntag mitgeteilt, dass Snowden sich auf dem Weg in das südamerikanische Land befinde.

"Man muss sich fragen, wer wen verraten hat"

Der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño teilte während einer Asien-Reise in Hanoi mit, dass sich seine Regierung bei Snowdens Asylantrag von den Verfassungs-Prinzipien und den international anerkannten Menschenrechten leiten ließe. Ecuadors Verfassung garantiere das Asylrecht und schließe eine Auslieferung aus, ergänzte Patiño.

"Man spricht von Verrat, man muss sich fragen, wer wen verraten hat, wenn jemand seine Mitbürger über die Gefahren warnt, die uns alle bedrohen", erklärte der Außenminister. Seine Regierung sei sich im Fall einer Asylgewährung möglicher Konsequenzen für die Beziehungen zu den USA bewusst, doch stünden die Prinzipien der Verfassung über ökonomischen Erwägungen.

Snowden habe in seinem Asylantrag darauf hingewiesen, dass ihm in den USA lebenslange Haft oder gar die Todesstrafe drohe, ohne Garantie eines sauberen Prozesses.

USA will Asyl für Snowden verhindern

Washington forderte Ecuador, Kuba und auch Venezuela auf, Snowden kein Asyl zu gewähren, wie der TV-Sender CNN unter Berufung auf einen hohen Regierungsbeamten berichtete. Zudem haben die USA nach CNN-Informationen den Pass des 30-Jährigen annulliert.

Der Enthüller des US-Spähprogramms Prism war am Sonntag aus Hongkong nach Moskau geflohen. Von dort wollte er am Montag über Havanna nach Ecuador fliegen, wo er politisches Asyl beantragt hatte. Snowden, der für den US-Geheimdienst NSA gearbeitet hatte, tauchte Ende Mai in Hongkong unter und veröffentlichte Details zu massiven Spähprogrammen der Geheimdienste in den USA und Großbritannien.

Snowden wird von den USA per Haftbefehl gesucht, weil er Informationen über amerikanische Geheimdienst-Spähaktionen an Medien weitergegeben hat. Die Enthüllungen entpuppen sich zunehmend als Problem für US-Präsident Barack Obama, der sich international für die Abhöraktionen rechtfertigen muss.