Präsidentschaftskandidat Donald Trump MC Wahnsinn hat das Wort

  • Der Immobilien-Unternehmer Donald Trump will US-Präsident werden.
  • Seine Ankündigungsrede ist ein zusammenhangloser Freistil-Monolog.
  • Die Republikaner fürchten die Aufmerksamkeit, die Trump und seine seltsamen Ansichten erhalten.
Von Johannes Kuhn, San Francisco

Es gibt nur einen Mann, der in der Lobby des Trump Towers, zwischen dem Trump-Eiscreme-Stand und dem Restaurant Trump Tower Grille, Geschichte schreiben kann. Dieser Mann heißt natürlich Donald Trump, und er ist an diesem New Yorker Mittag von seinem Büro im 26. Stock des Trump-Hochhauses mit dem Aufzug nach unten gefahren, um US-Präsident zu werden.

Trump könnte auch Drumpf heißen, hätte sein deutscher Opa Friedrich nicht nach der Ankunft in den USA bemerkt, dass Amerikaner diesen Namen nur schwer aussprechen können. Der Enkel hat diese Reduktion unnötiger Komplexität perfektioniert: Wenn Donald im TV-Sender Fox News das politische Geschehen kommentiert, verzichtet er auf störendes Beiwerk wie Fakten, Fairness oder Zusammenhang.

Weil der rechte Flügel der Republikaner die Ideologie der Realität durchaus vorzieht, ist der 69-Jährige in bestimmten Kreisen zu einer Art Politikprominenten aufgestiegen. Bereits 2011 hatte der Immobilien-Tycoon deshalb angedeutet, Präsident werden zu wollen.

Der Islamische Staat baut Hotels, erzählt er entsetzt

Damals hatte sich der Flirt mit dem Amt als Teil der PR-Strategie für seine Reality-Show "The Apprentice" ("Der Lehrling") erwiesen. Dieses Mal (ob es an den sinkenden Quoten der Sendung liegt?) meint es Trump jedoch ernst und nutzt die kostenlose Live-Sendezeit im Fernsehen für einen fast einstündigen Monolog, der den Zuschauern die Perücken vom Kopf fegt.

"Unser Land ist in ernsten Schwierigkeiten. Wir haben keine Siege mehr", beginnt Trump. Wann habe man das letzte Mal China beim Handel geschlagen? Oder Japan? Warum fahren eigentlich keine amerikanischen Autos durch Tokio? Und warum schickt Mexiko keine gut ausgebildeten Einwanderer in die USA, sondern "Kriminelle" und "Vergewaltiger"? Und warum baut Ford in Mexiko Fabriken? Präsident Trump wird eine Mauer an der Grenze errichten, und die Mexikaner werden sie finanzieren.

Der "Islamische Staat" errichtet in Syrien inzwischen übrigens Hotels, erzählt Immobilien-Fachmann Trump entsetzt. Er habe ja immer dazu geraten, beim Abzug aus Irak das Öl mitzunehmen. Iran darf keine Atomwaffen bauen, aber Außenminister John Kerry fährt ja nur Radrennen und bricht sich den Fuß. Mit 72 Jahren! "Ich verspreche, niemals an einem Radrennen teilzunehmen."

Die Arbeitslosenzahl liegt in Wahrheit bei 20 Prozent, behauptet der Kandidat, und nicht einmal die amerikanischen Atombomben funktionieren. Waffen sind jedoch wichtig, vor allem Schusswaffen. Und Obamas Gesundheitsreform muss abgeschafft werden, auch wenn Obama nach seiner Amtszeit gerne in einem Trump-Ferienressort Golf spielen darf.

"Wir haben Verlierer. Wir haben Menschen, die es nicht packen." Und viel zu viele Schulden. Der Staat, nicht Trump. Der Kandidat wundert sich über die Schätzungen. Sein Vermögen sei nicht neun Milliarden Dollar, sondern 8,7 Milliarden. "Niemand wird härter gegen den Islamischen Staat vorgehen als Donald Trump", verspricht er. Und: "Ich werde der beste Präsident für Jobs sein, den Gott jemals erschaffen hat."

"Leider ist der amerikanische Traum tot", schließt der Kandidat seine Rede und macht eine kurze Pause. "Aber wenn ich zum Präsidenten gewählt werde, mache ich ihn besser und stärker als je zuvor. Wir werden Amerika wieder großartig machen."

Der Zuschauer bleibt nach dem Freistil-Auftritt erstaunt zurück, selbst den seriös auftretenden CNN-Moderatoren bleibt der Mund offen stehen. Ist das nun Aktionskunst oder werden die Republikaner gerade des Wahnsinns fette Beute? Gerne würde man auch erfahren, was Trumps Redenschreiber denkt: Laut Manuskript war nur eine fünfminütige Kurzrede vorgesehen.

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Die Parteiführung kommt ins Schwitzen

Auch die Parteiführung der Republikaner dürfte nach diesem kalkuliert provokanten Auftritt verstört sein. Welches Licht wird diese Mischung aus Verschwörungstheorien, Populismus und blankem Ressentiment auf das konservative Bewerberfeld werfen, wenn der zur Selbstüberschätzung neigende Trump seine kruden Knaller in den TV-Debatten im Sommer loslässt? Für eine Teilnahme muss er in den Umfragen unter den zehn besten Bewerbern landen - bislang sieht es gut aus.

Und Trump selbst? Kann die kalkulierte Aufmerksamkeit genießen und den Wahlkampf aus eigener Tasche bezahlen. Ins Weiße Haus wird er nicht einziehen, aber immerhin 2016 zwei Straßenzüge entfernt ein Hotel eröffnen. Als geschickter Geschäftsmann hat er natürlich nicht vergessen, dies in seiner Rede zu erwähnen.

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