Wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch will die Polizei das Büro eines Jugendhilfe-Vereins durchsuchen - und stürmt gleich das ganze Gebäude inklusive Linken-Parteibüro und einer Anwaltskanzlei. Die Linke ist empört und kündigt juristische Schritte an.
Polizeibeamte haben am Samstag Büros der Linkspartei und ein Anwaltsbüro in Dresden gestürmt - offenbar ohne gültigen Durchsuchungsbeschluss.
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Am Samstag fanden Kundgebungen von mehreren tausend Rechtsradikalen in Dresden statt. Das Bündnis Dresden Nazifrei, zu dem auch die Linkspartei gehört, hatte zu Gegendemonstrationen aufgerufen. Am Abend stürmten Einsatzkräfte das Haus, in dem sich die Parteizentrale der Dresdner Linken befindet. Obwohl es nicht das Ziel des Einsatzes war, wurde offenbar das Büro der Partei durchsucht. (© dapd)
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Am frühen Abend drangen Polizisten in das "Haus der Begegnung" in der Großenhainer Straße ein. In dem Gebäudekomplex hat die Geschäftsstelle des Vereins Roter Baum ihren Sitz - und nur für diese Räume lag ein mündlicher Durchsuchungsbeschluss vor, wie die Staatsanwaltschaft Dresden bestätigte. Durchsucht wurden aber auch etliche weitere Räume.
Die Ermittlungen stünden unter dem Oberbegriff der Bildung einer kriminellen Vereinigung, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jan Hille, zu sueddeutsche.de. "Konkret ging es um den Verdacht, dass von dort aus Gewaltakte geplant wurden."
Bei Kundgebungen gegen einen Aufmarsch von Neonazis war es am Samstag in der Dresdner Innenstadt zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.
"Es war sehr gespenstisch, das Gelände war weiträumig abgeriegelt, davor standen etwa 15 Polizeiwagen mit Blaulicht", berichtet der Vorsitzendes des Stadtverbands der Linkspartei, Hans-Jürgen Muskulus. Polizisten in "voller Montur" seien dort gewesen, auch ein Sondereinsatzkommando.
Mit Kabelbindern gefesselt abgeführt
"Alle Haustüren wurden eingetreten, Türrahmen herausgerissen", berichtet Muskulus. Seinen Schilderungen zufolge hielten sich in den Räumen seiner Partei acht Menschen auf: Zwei ältere Mitglieder, die dort ehrenamtlich Telefondienst versahen und sechs Mitglieder des Bündnisses Dresden Nazifrei, die von dort aus Pressemitteilungen verschickten. Zu dem Aktionsbündnis gehören neben der Linkspartei unter anderem die Jugendorganisationen von Verdi und DGB, die Jusos sowie der Bundesvorstand der Grünen.
Die zwei Linkspartei-Mitglieder wurden gemeinsam mit etwa 14 weiteren Personen "vorübergehend festgenommen", berichtet Muskulus. Mit Kabelbindern gefesselt seien sie abgeführt worden.
"Dabei ging es nur um die Feststellung der Personalien", erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Wenn jemand keine Ausweisdokumente vorzuweisen hat, ist das der übliche Verfahrensweg."
Zu den Details äußert sich die Staatsanwaltschaft ebenso wenig wie zu der Frage, warum die Einsatzkräfte nicht nur die Räume des Vereins Roter Baum durchsucht hatten - dem eigentlichen Ziel der Razzia -, sondern weitere Teile des Gebäudes.
"Wer in welchem Raum angetroffen wurde, dazu kann ich nichts sagen", so Hille. Am frühen Sonntagmorgen wurden alle Festgenommenen wieder auf freien Fuß gesetzt.
Das Vorgehen der Polizei sei "völlig überzogen" gewesen, die Vorwürfe der Bildung einer kriminellen Vereinigung "an den Haaren herbeigezogen", sagt Muskulus. Nach Angaben der Linkspartei hätte die Polizei gerade die Türen des Vereinsbüros gar nicht aufbrechen müssen, weil sie bereits offen standen. Außerdem seien fast alle Büros mit Schildern gekennzeichnet gewesen.
Für Muskulus handelt es sich um "eine politische Aktion, bei der man versucht, das Bündnis Dresden Nazifrei zu treffen und eine andere Art des Gedenkens zu kriminalisieren."
Auch der Dresdner Anwaltsverein hat sich über das Vorgehen der Polizei beschwert. Als unglaublichen Vorgang bezeichnete Vereinschef Michael Sturm die Durchsuchung einer Anwaltskanzlei in dem Gebäude ohne richterliche Genehmigung, berichtet die Nachrichtenagentur dapd. Demnach sei ein Sondereinsatzkommando des LKA mit Gewalt in die Kanzlei eingedrungen, obwohl gegen die Kanzlei zu keinem Zeitpunkt ein Tatverdacht bestanden habe.
"Völlig überzogen"
"Die Polizei hat gezielt nach Speichermedien gesucht", sagt Muskulus. Einige Anwesende mussten sich nach eigener Schilderung bis auf die Unterwäsche entkleiden. "Offenbar hatte man den Verdacht, dass sie Speicherkarten oder Ähnliches am Körper trugen", empört sich der örtliche Linkspartei-Chef.
Zwei Computer seiner Partei seien beschlagnahmt worden, zudem private Laptops der Öffentlichkeitsarbeiter von Dresden Nazifrei. Auch aus der Privatwohnung, die sich in dem Gebäude befindet, sind den Angaben des Ortsvorsitzenden zufolge Geräte konfisziert worden.
Die Staatsanwaltschaft machte dazu im Einzelnen keine Angaben. "Was dort genau beschlagnahmt wurde oder wie der Stand der Auswertung ist, kann ich derzeit noch nicht sagen", so der Sprecher.
Für den Linkspartei-Politiker Muskulus ist der Vorfall besonders heikel: Er ist auch Vorsitzender des Fördervereins 'Haus der Begegnung', dem das Gebäude gehört und somit Vermieter von Büroräumen und der Privatwohnung. Außer dem Büro der Linkspartei, der Anwaltskanzlei und der Geschäftsstelle des Jugendvereins Roter Baum befinden sich in dem Haus eine Gaststätte und ein Copy-Shop.
Der Jugendverein Roter Baum e. V. ist nach eigenen Angaben ein gemeinnütziger Verein und anerkannter freier Träger der Jugendhilfe. Er engagiert sich in der außerschulischen Jugendbildung, veranstaltet Ferienlager und Bildungfahrten zur Jugendweihe. "Wir wollen jungen Menschen eine kulturelle, soziale und politische Heimat sein", heißt es auf der Webseite des Vereins. Ein Mitarbeiter der Berliner Ortsgruppe des Vereins wurde 2009 mit dem Ehrenamtspreis der Bezirksverordnetenversammlung von Marzahn-Hellersdorf ausgezeichnet.
Als Vermieter der Räumlichkeiten wie als Betroffener ist der Dresdner Linkspartei-Vorsitzende nach der Razzia sehr ungehalten.
Das Aktionsbündnis hatte vor der Kundgebung von Rechtsextremen zum 66. Jahrestag der alliierten Bombenangriffe auf Dresden am 13. Februar und am vergangenen Samstag Gegendemonstrationen organisiert und dabei auch zu zivilem Ungehorsam im Form von Menschenblockaden aufgerufen. "Aber Gewalt gegenüber Polizisten lehnen wir ab", sagt Muskulus. "Und soweit das in unsere Macht stand, haben wir auch auf Menschen eingewirkt, das zu unterlassen."
Die Linkspartei hat angekündigt, juristisch gegen den umstrittenen Polizeieinsatz vorzugehen und vom Freistaat Sachsen Schadenersatz für die beschädigten Räume einzufordern.
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(sueddeutsche.de/mcs)
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..reloaded. Es entbehrt schon nicht einer gewissen Ironie, in dieser besten Demokratur, die man für Geld kaufen kann.
Nachtrag von gestern,der Vergleich von mir,was waehre geschehen wenn die Chaoten rechte Schlaeger gewesen waehren ? Haetten sie dann wenn die Polizei die NPD Bueros gestuermt haetten auch Protest erhoben ? Es ist leider eine Tatsache das teile des linken Parteienspecktrums mit den schwarzen Bloecken sympatisiert. Auch viele angeblichen Anifa Kaempfer etwas ganz anderes machen als sie vorgeben,dass mit Oeffentlichen Geldern.
Für das Büro "Die Linke" lag weder ein mündlicher, noch ein schriftlicher Durchsuchungsbeschluß vor.
Daher: Rechtsbruch durch die Polizei!
Aber was will man denn von Organen erwarten, bei denen "braune Täter" auf der Payroll stehen!
Sogar beim BND standen Klaus Barbie und Eichmann auf der Gehaltsliste!
Deutschland hat - nachgewiesen im Braunbuch und in Ernst Klees Bücher alle "braunen" in Amt und Würden gehoben und bestens bezahlt!
Die "Stille Hilfe" hat hierzu unterstützt durch die Politik das "braune Ges....." hoffiert!
Wundert das jemanden?
Man kann der 'Linke' durchaus berechtigt ein taktisches Verhältnis zur Gewalt unterstellen. Was an diesem Artikel jedoch sehr wundert, ist der völlig unkritische Duktus von Jakat. Ist der Redaktion über die Mühen bei Guttenberg der investigative Impuls ausgegangen oder kennt man sich zu genau vom Medienstammtisch? Da wird 1:1 die Öffentlichkeitsarbeit der Partei goutiert ohne auch nur den Hauch einer kritischen Distanz.Nicht, daß wieder 80 Polizeibeamte durch die Gewalt Linksextremer verletzt worden sind, nein, daß ein Gebäude der 'Linke unter nicht geklärten Umständen durchsucht wurde, in dem sich auch die gewalttätige Anitfa organisiert hat, ist das einzige Problem. Damit kann man aus linker Seite versuchen Agitation zu verbreiten, aber niemand zwingt die SZ diesen Agitprop ungefiltert zu echoen.
Generell ist es schon bedrückend, daß die ungeliebten Gerichte wohl mittlerweile das letzte Bollwerk der Meinungsfreiheit sind. Wer meint, er könne aus ideologischer Perspektive definieren, wer demonstrieren darf und wer nicht wie die 'Linke', greift die Verfassung im Kern an. Das Recht seine Meinung in der Öffentlichkeit zu zeigen, gehört allen und eben keinesfalls politischen Gruppierungen oder Interessensgruppen.
Allein der Hinweis auf eine Gegendemonstration zu 'Nazis' heißt in der Metakommunikation, da herrscht im Prinzip Exkulpation, da ist alles erlaubt, was sonst geahndet wird. Dazu ein reflexhafter Neusprech, der sich in vielen Medien dann breit macht, wenn es zu redundanter linker Gewalt-Eskalation kommt, das totalitäre Gehabe der linksextremen Aktionsgruppen, all das ist ein zu sehr an autoritäre Staaten erinnerndes Polittheater. Dazu gehört: Linksextremr Staßenkampf bleibt generell begrifflich 'Demonstration'. Daß die linke Gewaltbespaßung sich dann noch ihre Rechtfertigung aus der Antifahysterie bürgerlicher Parteien wie der SPD bedienen kann, hat etwas von Peking light...
... heißt Siegen lernen. Da wäre für die Dresdner Rechtswahrer ein SZ-Bericht aus Dachau hilfreich. Dort hat die Polizei einen Sprayer mit einem Hubschrauber gejagt und eingefangen.
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