Polit-Posse in Österreich Facebook macht aus Faymann einen "Failmann"

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann versucht mit dem Zeitgeist Schritt zu halten - doch sein Auftritt im sozialen Netwerk Facebook galt als betulich. Nun hat er sich damit krachend blamiert: Viele seiner Facebook-"Fans" waren gefälscht.

Von Michael Frank, Wien

Personenkult ist gemeinhin ein schwieriges Fach. Österreichische Claqueure etwa, die kürzlich dem Bundeskanzler huldigen wollten, sind daran krachend gescheitert. Es geht um den ohnehin als betulich und provinziell kritisierten Facebook-Auftritt des Wiener Partei- und Regierungschefs Werner Faymann, der dank einiger "Freunde" nun bloßgestellt ist.

Kaum stand der Kanzler-Auftritt vor einem knappen Monat im Netz, sind diese "Freunde" aufgetreten, die voll des Lobes waren für alles und jedes, was das Oberhaupt der österreichischen Sozialdemokraten (SPÖ) so sagt. Redakteure des Monatsmagazins Datum wollten den Grund für so viel Begeisterung erkunden, bekamen aber auf Freundschaftsanfragen nie Antwort. Bald war klar, dass eine ganze Reihe von Profilen der Kanzlerfans erfunden waren, dass die entsprechenden Fotos im Netz gekauft waren.

Gerade mal 2000 User hat es interessiert

Immerhin fünf Leute werkeln im Kanzleramt am Wiener Ballhausplatz an der "sozialen" Selbstdarstellung des Regierungschefs. 200.000 Euro soll es nun gekostet haben, das schöne Blendwerk ins Bild zu setzen. Doch die Verantwortlichen jammern, da habe man ihnen ein Kuckucksei ins Netz gelegt. Auch das SPÖ-Generalsekretariat wehrte sich - bis sich herausstellte, dass die Eiferer offenbar doch im Dunstkreis der Parteizentrale zu finden sind. Und während Parteifreunde noch wetterten, Fremdfälscher hätten all das inszeniert, "um uns zu schaden", schreibt Der Standard, gleich mehrere Personen seien zur "Betreuung" der Fake-Profile beauftragt gewesen.

Faymanns Facebook-Auftritt besuchen übrigens gerade mal 2000 Interessenten am Tag. Eine weit höhere Frequenz haben die anonymen Urheber des satirischen Facebook-Auftritts "Failmann", angelehnt an die englische Vokabel "to fail" gleich "versagen". Die Versagerseite, die den Bundeskanzler hämisch ins Bild setzt, findet in der Posse natürlich ein gefundenes Fressen - und viel mehr Publikum, als die mühselige Übung des Kanzlerbüros, mit dem Zeitgeist Schritt zu halten.