Pläne für die Bundeswehr Von der Leyen wirbt mit Teilzeit und Flachbildschirmen

Junge Rekruten ziehen sich in ihrer Stube zum Dienstbeginn an

(Foto: Getty Images)

Verteidigungsministerin von der Leyen will die Bundeswehr attraktiver machen, um mehr Nachwuchs zu gewinnen. Es ist das erste große Projekt ihrer Amtszeit. Herausgekommen ist ein bunter Strauß an Einzelmaßnahmen.

Von Christoph Hickmann, Berlin

Vor viereinhalb Monaten hat Ursula von der Leyen angekündigt, sie wolle die Bundeswehr "zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland" machen. In der kommenden Woche will sie nun die Ergebnisse veröffentlichen, der Süddeutschen Zeitung liegen sie bereits vor. In der Truppe soll es demnach familienfreundlicher zugehen, der Umgangston soll ein anderer werden, und Soldaten sollen sich auf ihren Stuben wohlfühlen.

Die wichtigsten Vorhaben im Überblick:

Führung: Von der Leyen will ein Aktionsprogramm "Gute Führung gestalten" auflegen. Dabei soll es darum gehen, stärker auf die Soldaten, ihre Leistungen und Bedürfnisse einzugehen. Von Mitte 2015 an sollen alle zivilen und militärischen Führungskräfte geschult werden. Ihr schwebt eine "neue Führungskultur" vor.

Vereinbarkeit von Familie und Dienst: Bis Mitte 2016 will von der Leyen den Bedarf an Kinderbetreuungsmöglichkeiten decken. Bis 2019, so die Prognose des Ministeriums, könnten bei Bedarf jedes Jahr "bis zu 22 Großtagespflegen realisiert werden". Außerdem soll es bis Ende 2015 an jedem Standort eine zentrale Anlaufstelle mit festen Sprechzeiten für alle Fragen rund um Familie und Dienst geben. Fast noch wichtiger für Soldaten im Einsatz: Sie sollen von Juli 2015 an unbegrenzt und kostenlos mit der Heimat telefonieren sowie das Internet nutzen können.

Wohnen: Geplant ist, die Unterkünfte unter anderem mit Flachbildschirm-Fernsehern und Mini-Kühlschränken auszustatten. Außerdem soll die bislang eher an Umkleidekabinen erinnernde Beleuchtung wohnlicher werden. In einem ersten Schritt sollen von 2015 an zunächst die Lehr- und Ausbildungseinrichtungen die neue Ausstattung bekommen. Freier Zugang zum Internet soll langfristig zum Standard werden. Auch die alten Möbel sollen rasch durch modernere ersetzt werden.

Karriere: Um Karriere zu machen, sollen Soldaten künftig weniger Versetzungen in Kauf nehmen müssen. Ziel ist es, die sogenannten Pflichttore zu reduzieren, die man bislang vor Beförderungen durchlaufen muss. Auch Spezialisten, die meist länger an einem Standort bleiben, sollen künftig in Spitzendienstgrade gelangen können. Außerdem soll es von 2016 an zwei feste Versetzungstermine pro Jahr geben, zum Jahresbeginn und während der Sommerferien.

Flexibleres Arbeiten: Soldaten und Beamte sollen künftig (wie es Tarifbeschäftigte bereits heute können) auf einem Langzeitarbeitskonto Zeitguthaben ansparen können, wenn die Arbeitsbelastung hoch ist. Um das mobile Arbeiten etwa in privaten Ausnahmesituationen zu vereinfachen, sollen in diesem und dem kommenden Jahr außerdem 3000 zusätzliche Laptops angeschafft werden. Zudem will von der Leyen das "Führen in Teilzeit" fördern.

Personalentwicklung: Von Ende 2015 an soll es möglich sein, sich online bei der Bundeswehr zu bewerben. Die Truppe soll zudem schneller auf Bewerbungen reagieren. Ausscheidenden Zeitsoldaten und zivilen Mitarbeitern mit zeitlicher Befristung soll es leichter gemacht werden, neue Jobs innerhalb der Bundeswehr zu finden.

Mehr zu den Reformplänen von Ursula von der Leyen lesen Sie in der Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung, sowie ab Freitag, 19 Uhr, in der SZ-App für iPad, iPhone, Android und Windows 8.