Papst in Erfurt Benedikt XVI. macht Hoffnungen der Protestanten zunichte

Rasche Fortschritte bei der Ökumene sind vom Papst nicht zu erwarten: Benedikt XVI. enttäuscht in Erfurt die deutschen Protestanten. Wer von ihm ein "Geschenk" für die Einheit der Christen erwartet habe, sei einem "Missverständnis des Glaubens" aufgesessen. Die Annäherung sei keineswegs etwas, "was wir aushandeln können" wie unter Politikern, sagte er.

Von Christiane Kohl

Am zweiten Tag seines Deutschlandbesuchs hat Benedikt XVI. die Hoffnungen auf eine rasche Annäherung zwischen Protestanten und Katholiken gedämpft. Dennoch setzte der Papst im Erfurter Augustinerkloster ein historisches Zeichen: Erstmals in der Kirchengeschichte feierte ein Pontifex einen ökumenischen Gottesdienst in einer evangelischen Kirche in Deutschland.

Während des Gottesdienstes in der Kirche des Augustinerklosters machte Papst Benedikt XVI. allerdings klar, dass er "kein Geschenk" für die Einheit der Christen mitbringe. Wer dies im Vorfeld von ihm erwartet habe, sei einem "Missverständnis des Glaubens" aufgesessen. Denn die Annäherung zwischen den Konfessionen sei keineswegs etwas, "was wir aushandeln können" wie unter Politikern, betonte der Papst.

Doch man solle nicht immer die Spaltung der Kirche beklagen, forderte der Papst. Stattdessen sollten die Christen "Gott für das danken, was er uns an Einheit erhalten hat". Ein erster ökumenischer Dienst in dieser Zeit müsse es sein, "gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen".

Am Morgen hatte Papst Benedikt zunächst den Dom in Erfurt besucht und sich wenig später in das evangelische Augustinerkloster begeben. Dort traf die päpstliche Delegation mit den Spitzen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammen, die von ihrem Präses Nikolaus Schneider angeführt wurde.

Selbst "Erwartungen auf kleinste Schritte" mache der Papst zunichte

Knapp eine Stunde lang unterhielten sich die Geistlichen beider Konfessionen im Kapitelsaal des Klosters auf äußerst geschichtsträchtigem Terrain: Auf den Fliesen des kleinen Gewölbesaales soll schon Martin Luther gestanden haben, als er sich 1505 als Mönch im Augustinerkloster einschrieb. Der Papst würdigte denn auch den Reformator in seiner Rede vor den Protestanten ausführlich. Und er nahm Bezug auf Luthers Frage, die da laute, "wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott?". Dies sei eine "brennende Frage", betonte der Papst, sie "muss wieder neu und gewiss in neuer Form auch unsere Frage werden".

Unter dem "Säkularisierungsdruck" der heutigen Zeit komme es nun für die Christen beider Konfessionen darauf an, "dass wir nicht die großen Gemeinsamkeiten fast unbemerkt verlieren". Die Bewahrung des Glaubens sei heute eine der wichtigsten Aufgaben der beiden Konfessionen: "Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sonder neu gedachte, neu gelebte Glaube."

Abseits solcher allgemeinen Bekenntnisse, die dem Papst wohl vor allem in Ostdeutschland angebracht zu sein schienen, wo nur etwa ein Fünftel der Menschen noch einer Kirche angehört, ging Papst Benedikt auf konkrete Wünsche, etwa zu gemeinsamen Eucharistiefeiern nicht ein. So machte er selbst Erwartungen auf kleinste Schritte zunichte, wie sie Präses Schneider während des Gesprächs im Kapitelsaal geäußert hatte. Schneider hatte um eine "von Einschränkungen freiere eucharistische Gemeinschaft" für Ehepaare mit unterschiedlichen Konfessionen beim Gottesdienst gebeten.

Schneider lud den Papst ein, zum Jubiläumsjahr des Anschlags der Luther-Thesen an das Kirchenportal in Wittenberg erneut nach Deutschland zu kommen. Am Morgen vor dem Treffen mit den Protestanten hatte Benedikt in Berlin ein Gespräch mit islamischen Spitzenvertretern in Deutschland geführt. Dabei sagte er, die Anwesenheit muslimischer Familien in Deutschland sei "ein Merkmal dieses Landes geworden". Für den Abend ist noch ein Treffen mit Missbrauchsopfern geplant.

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