Wegen der Ölpest vor der Golfküste macht Sarah Palin Stimmung gegen British Petrol - die US-Rechte hat wohl vergessen, wo ihr Gatte bis 2009 arbeitete.
Sarah Palin wird sich an diesem Donnerstag vielleicht ein bisschen über die eigene Gedankenlosigkeit ärgern, gewiss aber wird sie intensiv Zwiesprache mit dem lieben Gott halten.
Verheddert sich regelmäßig in Widersprüche, was ihr aber offensichtlich egal ist: US-Rechte Sarah Palin, hier mit Ehemann Todd in New York (© Archiv-Foto: AFP)
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Denn heute findet in den offiziell laizistischen Vereinigten Staaten der nicht minder offizielle Day of Prayer statt; ein gesetzlich festgelegter Tag, an dem die amerikanischen Bürger die Händen falten und dem Herrn im Himmel für Baseball, Beef und eine starke Armee danken sollen.
Daran dachte wohl auch Präsident Ronald Reagan, als er seinerzeit zum Gebetstag möglicherweise überrascht feststellte: "Amerika braucht Gott mehr als Gott die Amerikaner braucht." Sarah Palin, intellektuell mindestens genauso beschlagen wie Reagan, zitiert diese Worte auf ihrem Twitter-Account.
Fünf Stunden später folgt der nächste Tweet. Der gilt nicht dem lieben Gott, sondern der Ölpest vor der Golfküste Amerikas: "Foreign oil co's: don't naively trust", warnt Palin ihre Mitbürger. "Ausländische Ölkonzerne: Vertraut ihnen nicht naiv." Dies sei Alaskas Lektion aus der Katastrophe im fernen Süden des Landes. "Prüft nach", fordert Palin.
Der "ausländische Ölkonzern", auf den die forsche Ultrakonservative abzielt, ist der Mineralölriese British Petrol, kurz BP. Dass BP längst eine multinationale Firma ist und dass man Großkonzernen generell nicht blind vertrauen sollte, ist bekannt.
Aber das ist der Ikone der US-Rechten vermutlich wurscht. Sarah Palin wollte wohl einfach mal wieder ihr Klientel bedienen, das bis Rechtsaußen reicht.
Palin schickt sich an, nächste Präsidentschaftskandidatin ihrer Republikanischen Partei zu werden. Mit solchen Äußerungen will sie besonders patriotisch wirken, denn es schwingt ja mit, dass man einer einheimischen Firma mehr vertrauen könnte. Vor allem aber zielt die ehemalige Gouverneurin aus Alaska offen auf xenophobe Reflexe.
Sarah Barracuda hat mal wieder zugeschnappt, so wie der Raubfisch: Schnell und kräftig. Und offenbar ohne groß nachzudenken: Pech für Palin, dass BP auch in ihrem Alaska Öl fördert und so für eine Menge Arbeitsplätze sorgt. Und noch größeres Pech ist, dass einen dieser Jobs ihr Ehemann hatte.
Es war offenkundig eine für beide Seiten vertrauenswürdige Zusammenarbeit: Beachtliche 18 Jahre verbrachte Todd Palin bei BP, als Manager, sein Haupteinsatzgebiet war die North-Slope-Region.
2007 endete das Engagement zwischenzeitlich, schließlich war seine Frau Gouverneurin geworden und der Staat Alaska war Geschäftspartner von BP. Interessenkonflikte sollten vermieden werden.
Indirekter Sponsor Chávez
Sieben Monate später waren alle Bedenken verflogen, Todd Palin stieg wieder ein. Seine Begründung: Die Familie brauche Geld. Immerhin war es diesmal keine Position im Management. Im vergangenen Herbst verließ der fünffache Vater dann BP. Er wolle mehr Zeit mit der Familie verbringen.
Dass sich Sarah Palin mit ihrer jüngsten Attacke lächerlich gemacht hat, dürfte Palin egal sein. Die stramme Konservative hat so viele Skandälchen ausgelöst, sie hat sich so oft widersprochen und Peinlichkeiten verursacht:
Im Präsidentschaftswahlkampf wollte sie ihre außenpolitische Kompetenz belegen, indem sie darauf verwies, dass man vom heimatlichen Alaska Russland sehen könnte. Palin ließ sich von einem Anrufer narren, der sich als Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ausgab.
Dann die Sache mit Tochter Bristol, die unverheiratet und minderjährig schwanger wurde - und das, obwohl Mutter Sarah eine ach-so-rigide Sexualmoral vertritt. Allein im Wahlkampf 2008/2009 gab es eine stolze Anzahl solcher Episoden.
Auch nach der krachenden Wahlniederlage des Gespanns McCain/Palin sorgte die Frau aus dem Städtchen Wasilla für Kopfschütteln: Unvergessen ist ihr Auftritt bei der erzreaktionären Tea-Party-Bewegung, bei dem sie gegen den Teleprompter benutzenden Barack Obama vom Leder zog - und dabei selbst auf ihre Hand spickte, auf die sie naheliegende Stichworte gekritzelt hatte.
Zuletzt sorgte Gatte Todd für eine amüsante Schlagzeile: Der ließ sein Snowmobile-Rennteam von einem Schmiermittel-Hersteller aus der Unternehmensfamilie des venezolanischen Mineralölkonzerns PDVSA sponsern. Der Konzern ist staatlich und steht somit unter der Fuchtel von Venezuelas linkspopulistischem Präsidenten Hugo Chávez - einem Mann, der für Sarah Palin ein "Diktator" ist.
Chavez hin, BP her: Solche Missgeschicke perlen an Palin ab: Die Frau verfügt über ein robustes Selbstbewusstsein und ähnelt in dieser Hinsicht George W. Bush, wobei der angeblich humorvoll sein kann.
Etwas bleibt noch zu erwähnen, ein Detail vom Ausscheiden von Todd Palin bei BP im vergangenen September: Den Abschiedsschmerz vom nun geschmähten Ölkonzern durfte ausgerechnet Sarah Palins Sprecherin in Worte fassen: "Todd liebte seinen Job", beteuerte sie. "Und er hofft, zurückzukehren."
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(sueddeutsche.de/plin)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
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MaestroRobert13:52:Amerika ist doof
Tomwaits4u 14:15 sinngemäß: Alle Präsidenten der USA sind dumm
Sandra Beltane 15:13:Sinngemäß:Amerika-Freunde sind stramm-republikanisch-borniert
Velence 16:00
Zum Teil wörtlich: Amis sind bildungstechnisch nicht "in der Lage, den von Palin verzapften Stuss zu erkennen".Und " Amerika ist nicht nur das Land der "ungebremsten" Möglichkeiten, es ist auch das Land der ungebildetsten Persönlichkeiten in höchsten Staatsämtern".
Velence 16:04
"Und wenn es einen Gott gäbe, hätte der sich schon angewidert von dieser fehlgeleiteten Nation abgewandt."
Zurück zur Feststellung von MaestroRobertus: Darf man in Zukunft statt "Amerika ist doof" zum Beispiel netiquettegemäß schreiben: Israel ist doof, Polen ist doof, Griechenland ist doof..." (Name des Landes beliebig einzusetzen)?
Für eine Antwort wäre ich dankbar.
Der wurde von den deutschen medien auch so lange lächerlich gemacht bis sich keiner mehr erklären konnte, wieso so ein Clown denn gewählt wird. Der Informationsauftrag wurde im Interesse von Manipulation klar verfehlt.
Dasselbe passiert mit Palin: warum und wo sie in den USA populär ist, ob dort irgend jemand den grossen WIderspruch zwischen dem ehem. Job ihres Mannes und ihrer BP Kritik SO ausweidet wie die SZ erfahren wir nicht. Alles was wir lernen ist, dass der Autor des Artikels Palin lächerlich findet und mit Begriffen wie "Erzkonservative" "ultrakonservative" etc. nur so um sich haut. Und das soll informativer Journalismus sein?
Das BP ein Birtisch Internationaler Konzern ist,dass wird sie sowieso nicht begreifen. Aber sie weiss,die Erde ist eine Scheibe und in Alaska kann man den Abgrund sehen. Das sogar vor ihren eigenen Grundstueck,nah seht ihr,es geht doch.
...er könne sich auf die Einschätzungen der Ölindustrie verlassen und diese werde schon durch neuste Technologie für die notwendige Sicherheit für die Umwelt sorgen, ist nicht nur ein bißchen naiv...(und daran sind nicht die Repsen schuld, sondern nur er selber).
Wie man anläßlich der Umweltkatastrophe in Louisiana erfuhr, wurden technologische Sicherheitsvorkehrungen, die in Europa zwingend vorgeschrieben sind,dort nicht getroffen - natürlich hätten diese Investitionen den Profit geschmälert.Und dabei erfuhr man auch, daß die Ölindustrie per Gesetz nur für den "clean up" des "spills" verantwortlich sei, jedoch nicht für die Folgeschäden, die sich ins Gigantische steigern könnten, wenn ganze Berufszweige wegen der Ölpest ausgelöscht werden - vom fast nicht wieder gutzumachenden Schaden an der Natur ganz zu schweigen.
Gerade von Obama, der ja mit einem so ehrgeizigen Programm, dargeboten mit einer so hochgestochenen Rhetorik, angetreten ist, erwarte ich, daß er etwas mehr Standhaftigkeit und Umsicht an den Tag legt. Bin mal gespannt,wie die nächsten Schritte sind.
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