Oslo Friedensnobelpreis für Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung

Große Freude in der Organisation Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung, die ihren Sitz in Genf hat. Rechts: die Generalsekretärin von Ican, Beatrice Fihn

(Foto: REUTERS)
  • Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican).
  • Das gab das Nobelkomitee in Oslo bekannt.
  • Die Organisation erhalte die Auszeichnung für "ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken", heißt es in der Begründung.

Der Friedensnobelpreis 2017 geht an die Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican). Das gab das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekannt. Die Jury hatte sich in diesem Jahr unter 318 Anwärtern entscheiden müssen - 215 Personen und 103 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen, darunter auch Kanzlerin Angela Merkel.

Ican wurde 2007 in Wien gegründet und hat ihren Sitz in Genf. Generalsekretärin ist die 34-jährige Schwedin Beatrice Fihn. Ihr Büro besteht nur aus vier Leuten, diese sind alle unter 35 Jahre alt. Das Bündnis selbst ist deutlich größer und fußt auf 450 Friedensgruppen und Organisationen.

Die Organisation erhalte die Auszeichnung für "ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken", wie das Komitee mitteilte. Ican habe sich bahnbrechend um ein vertragliches Verbot solcher Waffe bemüht. Der diesjährige Friedensnobelpreis sei auch ein Aufruf an alle Atommächte, "ernsthafte Verhandlungen" mit dem Ziel einer schrittweisen und "sorgfältig überprüften Vernichtung" der fast 15 000 Atomwaffen in der Welt zu beginnen, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen. "Wir leben in einer Welt, in der das Risiko eines Atomwaffeneinsatzes größer ist als seit langer Zeit", sagte sie.

Generalsekretärin Finh zeigte sich überwältigt: "Wir bekamen den Anruf nur ein paar Minuten vor der offiziellen Verkündung", sagte sie vor ihrem Büro in Genf. "Wir waren schockiert, dann haben wir gekichert und einen Moment gedacht, der Anruf war vielleicht ein Scherz." Sie seien zutiefst dankbar, sagte Fihn.

Zuletzt hatte Nordkorea mit Atomtests massive Kritik auf sich gezogen. 2015 dagegen wurde der Abschluss des Atomabkommens mit Iran international als Erfolg gefeiert. US-Präsident Donald Trump zieht die Vereinbarung allerdings in Zweifel.

Vor zehn Jahren kamen die vielen Gründergruppen von Ican zusammen, um sich gemeinsam für einen Vertrag gegen Atomwaffen einzusetzen. Treibende Kraft waren nicht Regierungen, sondern Zehntausende Aktivisten in mehr als 100 Ländern. Im Juli 2017 wurde das Vertragswerk unterzeichnet. Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und den mit ihnen verbündeten Staaten zustande, darunter auch Deutschland.

Der Friedensnobelpreis gilt als wichtigste politische Auszeichnung der Welt. Ins Leben rief ihn der schwedische Dynamit-Erfinder Alfred Nobel. Er beauftragte das norwegische Parlament in seinem Testament, jährlich bis zu drei Persönlichkeiten oder Organisationen für ihre Verdienste um die Menschheit zu ehren. Ausgezeichnet werden soll, wer "am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen". Seit 1960 werden auch der Einsatz für Menschenrechte und seit 2004 das Engagement für die Umwelt geehrt.

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Die Auszeichnung für Frieden wird als einziger der fünf Nobelpreise im norwegischen Oslo statt in Schwedens Hauptstadt Stockholm vergeben. Die Preisträger werden im Oktober bekannt gegeben, erhalten ihre Medaille und Urkunde aber erst am Todestag Nobels, dem 10. Dezember. Dazu gibt es ein Preisgeld von derzeit neun Millionen schwedischen Kronen (etwa 940 000 Euro). Das Preisgeld war in diesem Jahr um eine Million schwedische Kronen erhöht worden.

Einige der bekanntesten Preisträger sind Barack Obama (2009), Martin Luther King (1964), Mutter Teresa (1979), Nelson Mandela (1993), Willy Brandt (1971) und Michail Gorbatschow (1990). Im vergangenen Jahr ging die Auszeichung an den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos für den Friedensprozess mit der Farc-Guerilla.