OECD-Studie zur Integration Migranten in Deutschland haben Bildungs- statt Armutssorgen

Ein neuer OECD-Bericht zeigt: Migranten sind in Deutschland weniger häufig von Armut und Arbeitslosigkeit bedroht als in anderen Ländern. Doch wenn es um die Bildung von Zuwandererkindern geht, schneidet Deutschland schlecht ab. Dabei hängt von ihr hierzulande mehr als anderswo der Erfolg auf dem Arbeitsmarkt ab.

Von Hannah Beitzer

Wie häufig sind Zuwanderer arbeitslos? Sind sie ärmer oder reicher als Menschen ohne Migrationshintergrund? Fühlen sie sich diskriminiert? Wie gut ist die Bildung ihrer Kinder? Diesen und vielen anderen Fragen widmet sich eine internationale Vergleichsstudie der OECD zum Thema Integration.

Der Bericht umfasst alle 34 OECD-Länder und basiert auf Arbeitsmarktzahlen, die die OECD in den vergangenen Jahren in elf Teilnehmerländern erhoben hat, sowie auf nationalen Sachstandsberichten und diversen Untersuchungen zur Integration, die von der Abteilung Internationale Migration der OECD durchgeführt wurden. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

Armutsrisiko - Deutschland besser als Norwegen

Generell sind in allen OECD-Staaten Zuwanderer stärker von Armut bedroht als die im Inland geborene Bevölkerung - 2008 sind es im Durchschnitt 17,3 Prozent. Bei den Bewohnern ohne Migrationshintergrund sind es nur 15 Prozent. Deutschland schneidet hier verhältnismäßig gut ab: Zwar sind immer noch 13,8 Prozent aller Zuwanderer gefährdet. Die Armutsquote liegt um den Faktor 1,4 höher als bei im Inland geborenen Personen.

Doch in anderen Ländern sieht es weit schlimmer aus. In Dänemark, Norwegen, Belgien, Frankreich liegt das Armutsrisiko viermal höher, in den Niederlanden liegt der Faktor gar bei 4,5. Dort sind fast ein Viertel aller Zuwanderer armutsgefährdet. Die Autoren des Berichts geben die hohe Anzahl von humanitären Flüchtlingen in diesen Ländern als Grund für das Missverhältnis an.

Auch in Spanien und den USA ist das Risiko hoch. 23,7 Prozent aller Zuwanderer in Spanien und 31,2 Prozent der US-Zuwanderer sind gefährdet, auch wenn der Unterschied zur im Inland geborenen Bevölkerung hier geringer ist als in den nordeuropäischen Ländern. Der Grund: In Spanien und den USA sei der Bedarf an geringqualifizierten Arbeitskräften besonders groß, heißt es in der Studie - das spiegele sich in den Migrantenströmen wieder. In Ländern wie Polen, Estland, Irland, Israel, Portugal und Slowenien unterscheidet sich das Armutsrisiko kaum von dem der im jeweiligen Land geborenen Bevölkerung.