NSU-Prozess Zschäpes rätselhafte Erklärung

Die Angeklagte Beate Zschäpe im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München.

(Foto: dpa)

Von nicht gestellten Fragen an die Zeugen ist die Rede und von belastenden Problemen: Beate Zschäpes Erklärung, warum sie ihren Anwälten im NSU-Prozess nicht mehr vertraue, ist mysteriös.

Von Tanjev Schultz und Annette Ramelsberger

Eines möchte Beate Zschäpe gleich zu Beginn klarstellen: Sie wolle nicht, dass alle 127 Verhandlungstage wiederholt werden. So beginnt ihre schriftliche Erklärung, warum sie ihren drei Verteidigern vorige Woche das Vertrauen entzogen hat. Die Aussicht, der Prozess könnte von vorn beginnen, war für Zschäpe, die seit zweieinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt, offenbar wenig verlockend. Dazu ist es auch nicht gekommen, der 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts München hat ja entschieden, dass Zschäpes Erklärung nicht ausreiche, um ihre Pflichtverteidiger von ihrer Aufgabe zu entbinden.

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Zschäpes Erklärung ist kurz, sie umfasst nur wenige und wenig konkrete Sätze: Dass sie sich nicht mehr verteidigt fühle, so Zschäpe, liege an offensichtlich unterschiedlichen Vorstellungen einer Angeklagten und eines Juristen, wenn es darum gehe, die Verteidigungsstrategie einzuhalten.

Sie habe gewollt, dass Fragen an Zeugen gestellt würden, die sich ihr als Laie aufgedrängt hätten. Zudem habe sie Probleme mit ihren Anwälten zu erörtern gehabt, die sie psychisch und physisch mehr und mehr belasten würden - die aber mit der Anklage nichts zu tun hätten. So sei das Gefühl immer stärker geworden, dass es so nicht weitergehen könne.

Zschäpe wollte sich vertraulich gegenüber Richtern äußern

Die Erklärung wurde mithilfe eines Münchner Anwalts erstellt. Ein Wunsch, neue Verteidiger zu bekommen, wird nicht ausdrücklich erwähnt. Auch sonst wirkt der Text wie resignatives Zurückrudern.

Zschäpe hatte sich vorige Woche einem Polizeiobermeister anvertraut und dabei offenbar schärfer formuliert. Dies ergibt sich aus einem Protokoll, das der Beamte anschließend geschrieben hat. Demnach sei er in der Mittagspause von Zschäpe angesprochen worden, als diese in den Zellentrakt im Untergeschoss des Gerichts geführt worden war. Sie habe gesagt, sie habe kein Vertrauen mehr in die Verteidiger und fühle sich ohne anwaltliche Vertretung. Sie wolle so nicht mehr weiterverhandeln.

Laut der Darstellung des Beamten sagte Zschäpe, sie habe seit Längerem ein Zerwürfnis mit ihren Verteidigern, und sie habe sich die Sache gründlich überlegt. Sie könne die Situation so nicht mehr ertragen und es sei an der Zeit, das kundzutun. Sie sei im Übrigen bereit, sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor den Richtern dazu zu äußern. Auf das Angebot sind die Richter nicht eingegangen, ihnen genügte die schriftliche Erklärung.