NSU-Prozess NSU-Richter nimmt Zschäpes Gutachter auseinander

Psychiater Saß hält die Hauptangeklagte Beate Zschäpe für voll schuldfähig und weiter gefährlich. Faustmann kritisiert nicht diese Schlussfolgerung, sondern Saß' Weg dorthin.

(Foto: dpa)
  • Psychiater Pedro Faustmann hat im NSU-Prozess seine Kritik am Gutachten des Gerichtspsychiaters Henning Saß verteidigt.
  • Psychiater Saß hält die Hauptangeklagte Beate Zschäpe für voll schuldfähig und weiter gefährlich.
  • Psychiater Faustmann hingegen hält das Gutachten von Saß für wissenschaftlich unsauber - Saß vergleiche Äpfel mit Birnen.
Aus dem Gericht von Wiebke Ramm

Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht, als sich Verteidiger Wolfgang Heer und Richter Manfred Götzl in ein lautstarkes Wortgefecht darüber verstricken, wer wen nicht ausreden lässt.

Heer: "Sie fallen mir seit vier Jahren ins Wort!" Götzl: "Sie müssen nicht unverschämt werden, mir geht es um eine sachliche Atmosphäre!" Heer: "Warum schreien Sie? Lassen Sie doch die Gefühlsausbrüche. Gewöhnen Sie sich doch mal Höflichkeit an." "Das ist eine Unverschämtheit! Ich bin höflich." "Das sagen Sie."

Götzl haut zwischendurch mit der Faust auf den Richtertisch. Professor Pedro Faustmann aber wartet einfach geduldig ab. Der Psychiater muss sich an diesem Tag im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München den Fragen des Richters stellen. Und Götzl hat eine Menge Fragen.

Streit der Zschäpe-Gutachter

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Zschäpes zwei Verteidigerteams haben jeweils eigene Gutachter beauftragt

Es ist die Woche der psychiatrischen Gutachter. Professor Henning Saß hat im Auftrag des Gerichts ein Gutachten über die Hauptangeklagte Beate Zschäpe erstellt. Er hält Zschäpe für voll schuldfähig und weiter gefährlich.

Zschäpes zwei Verteidigerteams haben jeweils eigene Gutachter beauftragt. Professor Joachim Bauer hält Zschäpe im Auftrag der Verteidiger Mathias Grasel und Hermann Borchert wegen einer Persönlichkeitsstörung für vermindert schuldfähig und sowieso für ziemlich unschuldig. Professor Faustmann wiederum hat sich im Auftrag der Verteidiger Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm intensiv mit dem Gutachten von Saß beschäftigt.

Faustmann geht es nicht um Zschäpe, nicht darum, ob die mutmaßliche NSU-Terroristin (wie Saß meint) psychisch gesund oder (wie Bauer meint) psychisch gestört ist. Nicht darum, ob sie weiter gefährlich ist (was Saß nahelegt) oder nie gefährlich war (wovon Bauer überzeugt ist). Faustmann geht es darum, ob Saß in seinem Gutachten wissenschaftlich sauber, also nachvollziehbar erklärt, wie er zu seinen Schlussfolgerungen kommt. Nach Faustmanns Überzeugung tut er es nicht.