NSU-Morde Tatort Deutschland

Zehn Menschen sind gestorben, Dutzende wurden verletzt: 13 Jahre zog der NSU mordend durch Deutschland. Längst sind die Toten begraben, doch an den Tatorten haben die Menschen noch immer Angst. Zum NSU-Prozess hat die SZ diese Orte besucht. Eine interaktive Reise auf den Spuren des rechten Terrors.

Von Annette Ramelsberger (Text), Regina Schmeken und Jürgen Schrader (Fotos)

Zehn Menschen sind gestorben, Dutzende wurden schwer verletzt. Die Mitglieder des rechtsradikalen Nationalsozialistischen Untergrunds NSU zogen 13 Jahre lang raubend und mordend durchs Land. Bis zuletzt konnte die Polizei die Handschrift der Mörder nicht entschlüsseln. Erst als sich die Täter selbst getötet hatten, verschickte Beate Zschäpe, die letzte Überlebende des NSU, das Bekennervideo der Gruppe: ein Video, in dem sich Paulchen Panther über die Opfer lustig macht.

Nur das ist geblieben, ein hämisches Video. Das Erschrecken über den Tod der Nachbarn war kurz und heftig, aber es wich dann doch der Ratlosigkeit und dem Zweifel. Die Toten sind begraben, die Angehörigen weggezogen. Die Geschäfte der Opfer schlossen nach den Morden, längst sind neue Läden entstanden, neues Leben auch.

Die Süddeutsche Zeitung hat sich auf die Reise gemacht - zu allen Tatorten, in der ganzen Republik. Um Orte der Erinnerung zu finden. Wir fanden Menschen, die noch immer Angst haben - weil sie fürchten, dass Anhänger des NSU dessen Werk fortführen wollen. Wir fanden Menschen, die monatelang im Koma lagen und sich zurückgekämpft haben ins Leben. Und wir entdeckten Orte, die nie wieder zur Normalität zurückkehrten. Die gezeichnet sind durch die Taten des NSU.

Grafik: Steffen Kühne und Maximilian Salch