NSA-Enthüllungen Partner von Snowden-Vertrautem neun Stunden festgehalten

Schikanen am Londoner Flughafen: Der Lebensgefährte des Journalisten Glenn Greenwald ist bei einem Zwischenstopp in der britischen Hauptstadt von den Behörden in Gewahrsam genommen und neun Stunden lang verhört worden - unter dem Vorwand des Terrorverdachts. Greenwald spricht von Tyrannei und gibt sich kämpferisch.

Es waren die Berichte des US-Enthüllungsjournalisten Glenn Greenwald, mit denen die NSA-Spähaffäre richtig ins Rollen kam: In der britischen Zeitung The Guardian machte der 46-Jährige die Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden über die Praktiken des US-amerikanischen und des britischen Geheimdienstes öffentlich. Wie sehr den Behörden die Berichte des Journalisten missfallen, musste nun offenbar Greenwalds Lebensgefährte, der Brasilianer David Miranda, erfahren, wie der Guardian berichtet.

Miranda hatte die vergangene Woche in Berlin verbracht, wo er sich unter anderem mit der US-Filmemacherin Laura Poitras traf, die sich ebenfalls intensiv mit den NSA-Enthüllungen befasst hatte. Auf dem Rückflug nach Rio de Janeiro wurde der 28-Jährige dem Bericht zufolge bei einem Zwischenstopp in London von britischen Behörden zum Verhör gebeten - unter Verweis auf ein Anti-Terror-Gesetz, das es Sicherheitskräften an Flughäfen, Häfen und Grenzen erlaubt, Menschen zu verhören und für maximal neun Stunden in Gewahrsam zu nehmen.

Im Fall von Miranda hätten die Behörden die maximal erlaubten neun Stunden voll ausgeschöpft, schreibt die Zeitung. In dieser Zeit durfte der 28-Jährige nach Greenwalds Angaben weder mit einem Anwalt oder Botschaftsvertreter noch mit seinem Lebensgefährten telefonieren. Danach sei Miranda wieder freigelassen worden - allerdings ohne sein Handy, Laptop, seine Kamera und Speicherchips.

"Attacke auf die Pressefreiheit"

Offiziellen Angaben zufolge dauerten 97 Prozent der vergleichbaren Untersuchungen kürzer als eine Stunde, betont das Blatt. Nur einer von 2000 Betroffenen sei länger als sechs Stunden festgehalten worden. Vergangenen Monat habe die britische Regierung angekündigt, die maximale Dauer der Einsätze auf sechs Stunden zu begrenzen.

Greenwald betonte in einem Beitrag für den Guardian, die Behörden hätten offensichtlich seinen Freund überhaupt nicht verdächtigt, dass er mit einer terroristischen Organisation in Verbindung stehen könnte. Vielmehr hätten sie ihn zu den NSA-Enthüllungen befragt.

Das sei eine schwere Attacke auf die Pressefreiheit, kritisierte der Journalist. Dass sein Partner die vollen neun Stunden festgehalten worden sei, ohne einen Anwalt hinzuziehen zu dürfen, sei ein klarer Einschüchterungsversuch an die Adresse der Berichterstatter über die Geheimdienste NSA und GCHQ.

Der Journalist versicherte, dass er sich davon nicht beeindrucken lasse. Eher werde der Vorfall einen gegenteiligen Effekt haben - und ihn weiter "ermutigen". Ein Guardian-Sprecher zeigte sich bestürzt und verlangte Aufklärung von den britischen Behörden.