Der erneute Erfolg der NPD bei der Landtagswahl zeigt: Die Rechtsextremen haben in Sachsen Wurzeln geschlagen - weil sie sich als Helfer der kleinen Leute gerieren. Dafür sorgt ihr Landeschef.
Der NPD ist mit deutlich mehr als fünf Prozent erneut der Einzug in den sächsischen Landtag gelungen; in Thüringen und im Saarland scheitert sie voraussichtlich an der Fünf-Prozent-Hürde. Damit bleibt Dresden der politische Brückenkopf des deutschen Rechtsextremismus, oder - wie es die Partei selbst nennt - der "parlamentarische Arm des volkstreuen Widerstandes".
Bild vergrößern
Im Scheinwerferlicht: Sachsens NPD-Spitzenkandidat Holger Apfel im Fernsehstudio am Wahlabend. (© Foto: ddp)
Anzeige
Zwar konnte die NPD ihren Erfolg von 2004 nicht wiederholen, als sie auf 9,2 Prozent der Stimmen kam. Aber es gibt in Sachsen eine stabile Basis für ausländerfeindliche, antisemitische und autoritäre Politik: Denn noch nie zuvor haben Rechtsextreme den Wiedereinzug in ein Landesparlament geschafft.
Vor allem in den sächsischen Kommunen konnte die Partei in den vergangenen fünf Jahren Wurzeln schlagen. Sie bietet Hausaufgabenhilfe und Arbeitslosenberatung an, und sie geriert sich als Helfer der kleinen Leute.
Zugleich schürt sie Ressentiments. "Höchststrafe für Kinderschänder", "Kriminelle Ausländer raus": Das waren die plakatierten Slogans in Sachsen. In ihrem Wahlvideo reklamierte die NPD sogar den Wenderuf "Wir sind das Volk" für sich, was von den anderen Parteien seltsam unwidersprochen blieb.
"Politikfähig" nennt ihn die DVU
Ihren Erfolg in Sachsen verdankt die NPD vor allem ihrem dortigen Fraktionschef Holger Apfel. Der gebürtige Niedersachse ist gleich nach der Wiedervereinigung in den Osten gezogen, um parteipolitische Aufbauarbeit zu betreiben.
Für den Wahlerfolg 2004, den ersten der Partei nach mehr als drei Jahrzehnten ohne Sitz in Landesparlamenten, hat er lange gearbeitet. Der 39-Jährige ist smarter und vorsichtiger als die meisten Führungskader der NPD, die sich immer wieder mit offener Bewunderung für Adolf Hitler oder anderen verbalen Entgleisungen selbst entlarven.
Jedoch ist Apfel kein bisschen weniger extrem eingestellt als seine Parteifreunde oder die "freien Kräfte", die in Sachsen besonders eng mit der NPD paktieren. Aber er kann es verbergen. Statt mit den alten, in der NPD so beliebten Reichsfarben hat er im Wahlkampf mit Schwarz-Rot-Gold geworben, den Farben des verhassten Systems. "Politikfähig" nennen sie ihn bei der DVU, der anderen Rechtsaußenpartei, die sich gerade um ein weniger radikales Image bemüht.
Geldbringer Sachsen-NPD
Vor allem NPD-Chef Udo Voigt muss Apfels Aufstieg fürchten. Sein einstiger Zögling ist nicht weniger ehrgeizig als er, aber erfolgreicher. Unter Voigt, der so gerne die "Reichshauptstadt" Berlin erobern würde, ist die NPD fast handlungsunfähig geworden. Lange hat er einen Schatzmeister geschützt, der der Partei erst Geld geklaut und ihr nachträglich eine millionenschwere Strafzahlung mit eingebrockt hat.
Apfels Truppe in Sachsen wiederum ist der große Geldbringer der Partei: 6,5 Millionen Euro brachte ihre bisherige Parlamentsarbeit ein. Selbst Rechtsextreme können so gut rechnen, dass sie erkennen, von welchem der beiden Herren sie mehr haben.
- Thema
- Landtagswahl RSS
- Hamburg NPD-Anhänger attackieren Schwarzen 24.08.2009
- Bundestagswahlkampf 2009 Rechte bedrohen SPD-Kandidat 14.08.2009
- Thüringen Wie die NPD einen Politiker aus dem Land jagen will 13.08.2009
- Thüringen Fall Zeca Schall beschäftigt nun Staatsanwaltschaft 13.08.2009
- NPD hetzt gegen CDU-Politiker Schall "Ich habe keine Angst" 12.08.2009
- Die neue Linke-Fraktion in NRW Die Spitze des Wahnsinns 14.05.2010
- Politik kompakt US-Senat entwirft Klimaschutzgesetz 13.05.2010
(SZ vom 31.8.2009/jab)
Bundespräsident Gauck
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Solange die anderen Parteien kein einziges der großen Probleme, z. B. Arbeitslosigkeit, abgewirtschaftete Sozialversicherungen, Verschuildung usw. lösen, werden radikale Parteien einen festen Platz im Parteienspektrum behalten bzw. noch ausbauen.
zitat:"Die Linksextremen haben in allen 3 Wahlen über 20 % bekommen und darüber regt sich niemand auf. Ach so, die kämpfen ja gegen Rechts."
wenn du schon über extreme redest, solltest du die "finanz-extremen" auch aufzählen. also die FDP.
und die "nichts-tu-extremen" von der CDU.
Hätte sich der frühere Innenminsiter Otto Schily und sein ihm unterstellter Behördenapparat damals nicht so dilettantisch angestellt, wäre der NPD durch das Bundesverfassungsgericht seinerzeit die Verfassungsfeindlichkeit attestiert und die Partei verboten worden.
Leider kam es bekanntlich nicht dazu, mehr oder weniger aufgrund eines Formfehlers. Wir können insbesondere in Deutschland keine rechtsextremen und nazistischen Parteien brauchen. Selbst wenn eine gesunde Demokratie so etwas angeblich verkraften können muss. Jetzt kassiert die NPD in Sachsen und andernorts (auch in Thüringen, denn bei Landtagswahlen gibt es bereits ab 1 % der abgegebenen Stimmen Wahlkampfkostenrückerstattung) schön unsere Steuergelder für Wahlkampfkostenrückerstattung, Aufwandsentschädigungen, Abgeordnetendiäten und so weiter.
Alles, damit sie ihren Ausländerhass, ihre braune Weltanschauung und ihre nazistischen Absonderungen parlamentarisch legitimiert publik machen können. Ja, die Landtage sind bunter geworden. Braun ist dabei allerdings eine Farbe auf die man gut verzichten kann.
"Aber es gibt in Sachsen eine stabile Basis für ausländerfeindliche, antisemitische und autoritäre Politik"
Liebe SZ, die NPD begreifen diese Partei überhaupt nicht als autoritär. Vor allem die Jungen sehen im Verbot der Holocaustleugnung und Verwendung von staatsfeindlichen Symbolen etc einen Eingriff in ihre Meinungsfreiheit. Sie glauben, die "bürgerlichen Politiker" würden sie rumkommandieren und wählen aus Protest.
Deswegen muss man den Dialog mit Rechten suchen. Eine falsche, dumme Gesinnung kann man nicht einfach verbieten. Warum nicht ein Beispiel an den USA nehmen?
Paging