Auch nach der Wahl von Hannelore Kraft zur NRW-Ministerpräsidentin wird die westdeutschen Linke seltsame Meinungen vertreten. Sie wird aber auch berechenbar sein in ihrer Unberechenbarkeit.
Auf dem Parteitag der SPD in Nordrhein-Westfalen hat sich am Wochenende unter fünfhundert Menschen nicht ein einziger gefunden, der etwas gegen den Koalitionsvertrag einzuwenden hätte. Es sieht so aus, als wäre die Angst von Hannelore Kraft vor dem Feind in den eigenen Reihen, der ihr am Mittwoch die Stimme versagt, nur wenig begründet. Zwar mag es ein paar wenige Enttäuschte geben, die keinen Platz im Kabinett finden und Kraft die Stimme verweigern. Verhindern werden sie die Wahl zur Ministerpräsidentin damit nicht.
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Hannelore Kraft will sich am kommenden Mittwoch zur NRW-Ministerpräsidentin wählen lassen. (© ag.ddp)
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Die wirklich Unberechenbaren sitzen bei der Linkspartei, die entschieden hat, sich bei der Wahl zu enthalten. Die Linken behaupten fast jeden Tag etwas anderes. Es gehört einfach zu ihrem Konzept, so zu tun, als seien sie nicht berechenbar, als müssten SPD und Grüne immer wieder auf sie zugehen, um im Parlament eine Mehrheit zu bekommen. Zwar braucht Kraft mindestens die Enthaltungen der Linken, um Gesetze durchzubringen. Sie wird sie aber oft bekommen.
Die Linken sind insoweit berechenbar, als dass sie die Minderheitsregierung nicht stürzen werden. Bei einer Neuwahl wäre ihr Wiedereinzug ins Parlament sehr gefährdet. Ihre elf Abgeordneten haben seltsame westdeutsche Biographien aus einer linken Subkultur, sie sind aber in ihrer Besitzstandswahrung auch recht bürgerlich. Sie wollen ihre Mandate und die Diäten nicht verlieren. Sie genießen die Aufmerksamkeit nach Jahren der Beschäftigung mit sich selbst, in denen sich niemand dafür interessierte, dass sie die DDR ganz gut fanden. Die westdeutschen Linken werden weiter seltsame Meinungen vertreten. Sie werden aber auch berechenbar sein in ihrer Unberechenbarkeit.
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(SZ vom 12.07.2010/mel)
Szene München
"Bei einer Neuwahl wäre ihr Wiedereinzug ins Parlament sehr gefährdet."
Das können Sie so oft schreiben wie Sie wollen - es wird dadurch nicht richtiger. Es ist eher eine Zunahme zu erwarten.
" Die Linken behaupten fast jeden Tag etwas anderes. Es gehört einfach zu ihrem Konzept, so zu tun, als seien sie nicht berechenbar, als müssten SPD und Grüne immer wieder auf sie zugehen, um im Parlament eine Mehrheit zu bekommen."
Die Linken haben in der letzten Zeit genug Zugeständnisse gemacht um einen Politikwechsel zu erreichen. Es sei hier an die Wahlen in Hessen, Thüringen, Saarland und zuletzt in NRW erinnert, wo immer die Zusammenarbeit NICHT an der Linkspartei scheiterte. In Thüringen war man sogar bereit für einen Politikwechsel auf den MP Posten als stärkste Fraktion zugunsten der SPD zu verzichten. Und selbst dieses Zugeständnis schlug man zugunsten der Union aus. Insofern ist Ihr Argument, Herr Dörries, mehr als fadenscheinig
Die Linke in NRW in NRW. Ist mit Sicherheit alles andere als ein Partner, den man sich zum regieren wünscht, leider habe ich als Kreisvorsitzender in einem Kreisverband bei der feindlichen Übernahme durch die WASG feststellen müssen, das sich bei letztgenannten die ganzen alten Kader der DKP eingeschlichen hatten, durch ihre Erfahrung im renkeschmieden und inhaltsleerem Agitieren haben sie es auch zum Großteil in den Landesvorstand gebracht. Nun haben sie endlich die Gelegenheit zu zeigen ob sie weiter in Illusionen schwelgen wollen oder in der Realität angekommen sind. Die ostdeutschen Landesverbände sind in jedem Fall realpolitisch ausgerichtet, in NRW habe ich meine Bedenken, da muß erst noch der eine oder andere Altkader entsorgt werden, wie auch die SPD sich langsam aber sicher von den Armuts- bzw. Hartz IV Befürwortern trennen muß will sie denn je wieder glaubhaft werden.
wie eine Rechtfertiung der Seeheimer/Grün-Vorgehensweise und doch wäre eine Koalition der demokratischere Weg, auch gegenüber den Wählern der "Linke" gewesen aber dazu fehlt es Frau Kraft wohl an derselben.
Was soll unds das denn sagen?
Natürlich wird die Linke aufmerksam begleiten, was diese Minderheitsregierung so vorhat und wird ihre Möglichkeiten nutzen, dort einzugreifen, wo es nötig ist. Das ist sie SPD und Grünen schuldig.
Woher diese Linken kommen,ist ganz unwichtig, wenn sie nur wissen, was sie wollen und daran festhalten, nicht wie die Grünen, die sich regelmäßig am Nanring haben vorführen lassen.
Und man sollte nicht ausgrechnet den Linken vorwerfen, daß sie ihr Sitze im Parlament behalten wollen, Alle anderen wollen doch genau dasselbe.
Komischerweise waren aber linke Abgeordnete des Bundestages bisher die einzigen, die Diätenerhöhungen widersprochen haben. Soviel zu Besitzstandswahrung.
war völlig unberechenbar. Bei den Linken lese ich dagegen immer diesselben Forderungen. Dort wo RotGrün "Politikwechsel" sagt, sind das auch linke Forderungen. Den einheitlichen Mindestlohn hat die Linke vor Gewerkschaften, SPD und Grünen gefordert. Eine Minderheitenkoalition ist dagegen ziemlich unberechenbar, die Möglichkeit einer berechenbaren Koalition wurde verspielt. Der Eiertanz wird weiter gehen. In der RotRotGrünen Koalition hätten die Grünen weit weniger zu sagen gehabt und es wäre dann bestimmt nur um die Frage gegangen, ob die DDR jetzt eine Diktatur oder ein Unrechtsstaat oder gar beides war. Jetzt bleibt die Frage leider ungelöst. Die obige Polemik gegen die Linke geht daneben, weil SPD und Grüne den Fünfparteienstaat ignorieren. Was heisst schon regierungsfähig? Ist Schwarzgelb regierungsfähig?
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