Nordkorea Diktator Kim Jong Il ist tot

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il ist tot. Der 69-Jährige habe bereits am Samstag während einer Zugfahrt einen schweren Herzinfarkt erlitten, berichtet erst heute das staatliche Fernsehen des bizarr kommunistischen Landes. Wie in einer Monarchie soll bereits sein Sohn zum Nachfolger bestimmt worden sein. Als Reaktion auf die Meldung über den Tod Kims versetzte Südkorea seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft, Japan rief seinen Sicherheitsrat zusammen.

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il ist gestorben. Der nach offiziellen Angaben 69-Jährige habe am Samstag während einer Zugfahrt einen schweren Herzinfarkt erlitten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag. Eine Ansagerin des Staatsfernsehens sprach mit Tränen in den Augen von körperlicher und geistiger Überarbeitung des Machthabers.

"Es ist der größte Verlust für unserer Partei und der größte Trauerfall für unser Volk", erklärte sie. Das Land müsse "Traurigkeit nun in Stärke umwandeln und seine Schwierigkeiten überwinden".

Zuletzt hatte Kim Jong Il, der 2008 vermutlich einen Schlaganfall überlebte, auf Fotos und Videoaufnahmen seiner jüngsten Reisen nach China und Russland sowie zahlreichen Inlandsreisen einen relativ gesunden Eindruck hinterlassen. Das international abgeschottete Land bereitete dennoch die Übergabe der Macht vor.

Eine Autopsie habe die Diagnose Herzinfarkt am Sonntag bestätigt, meldete KCNA. Es sei ein Beisetzungskomitee gebildet worden mit Kims Sohn, Kim Jong Un, an der Spitze. Diesem waren bereits im vergangenen Jahr wichtige politische und militärische Posten übertragen worden, er gilt als wahrscheinlicher Nachfolger seines Vaters. KCNA bezeichnete Kim Jong Un wörtlich bereits als "großartigen Nachfolger".

Seine Bewohner hat Nordkorea aufgerufen, Kim Jong Un zu unterstützen. Das Volk und das Militär "müssen dem Genossen Kim Jong Un treu die Ehre erweisen", erklärte die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur. Kim Jong Il selbst hatte im Jahr 1994, nach dem Tod seines Vaters und Staatsgründers Kim Il Sung, die Macht übernommen.

In Nordkorea dürfte es zu riesigen Trauerbekundungen kommen. Sie sind für diesen Mittwoch in Pjöngjang angekündigt. Die staatliche Propaganda bezeichnete Kim Jong Il stets als "geliebten Führer", machte ihn zu einem Halbgott.

Doch während der Amtszeit von Kim Jong Il ist das Land in eine schwere Armut gerutscht. International beunruhigte es die Weltgemeinschaft mit der Entwicklung von Atomwaffen. Raketen waren auf den Süden der Koreanischen Halbinsel und auf Japan gerichtet. 2006 und 2009 testete das Land Atomwaffen.

US-Präsident: Enger Kontakt mit Verbündeten

Als Reaktion auf die Meldung über den Tod Kims versetzte Südkorea der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge seine Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft. Präsident Lee Myung Bak berief ein Treffen des nationalen Sicherheitsstabs ein. Die Aktivitäten der nordkoreanischen Volksarmee entlang der innerkoreanischen Grenze seien verstärkt worden, teilte der Generalstab in Seoul mit. Die Nachrichtenagentur Yonhap teilte außerdem mit, Nordkorea habe wenige Stunden nach der Bekanntgabe des Todes von Machthaber Kim Jong Il eine Kurzstreckenrakete getestet. Der Raketentest fand demnach vor der Ostküste des Landes statt. Südkoreanische Militärbeamte konnten den Bericht zunächst nicht bestätigen.

Die Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel hatten sich seit der Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffes im März 2010 und dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel im November desselben Jahres spürbar verschärft. Beide Staaten befinden sich völkerrechtlich seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53) noch im Kriegszustand. An der Börse in Seoul weitete der Aktienindex seine Verluste aus.

Japan berief seinen Sicherheitsrat ein. Ministerpräsident Yoshihiko Noda wies das Verteidigungsministerium und andere Regierungsstellen an, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Japan stehe mit seiner Schutzmacht USA sowie China und Südkorea bereits in engem Kontakt, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Montag meldete. Auch an der asiatischen Leitbörse in Tokio gaben die Kurse nach.

Überraschend sprach Japan aber den Nordkoreanern auch sein Beileid aus. "Die Regierung drückt nach der plötzlichen Nachricht über den unerwarteten Tod des Präsidenten der Nationalen Verteidigungskommission Nordkoreas, Kim Jong Il, ihr Beileid aus", sagte Regierungssprecher Osamu Fujimura in Tokio. "Die japanische Regierung hofft, dass diese Situation keine negativen Folgen für den Frieden und die Stabilität auf der Koreanischen Halbinsel hat."

US-Präsident Barack Obama ist am späten Sonntagabend (Ortszeit) vom Tod Kim Jong Ils unterrichtet worden. "Der Präsident wurde informiert und wir stehen im engen Kontakt mit unseren Verbündeten in Südkorea und Japan", heißt es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Die USA engagierten sich weiterhin für Stabilität auf der Koreanischen Halbinsel und "für Freiheit und Sicherheit unserer Verbündeten".

Bereits vor dem Tod Kims hatten die USA offenbar beschlossen, ihren Umgang mit Nordkorea auf den Prüfstand zu stellen. Konkret gehe es dabei um Überlegungen, das isolierte Pjöngjang wieder in Atomgespräche einzubinden und dem Land Nahrungsmittelhilfen zukommen zu lassen, wie US-Vertreter mitteilten. Ursprünglich wollte Washington in beiden Fragen noch in dieser Woche zu einer Entscheidung kommen. Kims Tod werde den Entscheidungsprozess jedoch wahrscheinlich verzögern, hieß es.

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