Kaum ist der eine Kampf vorbei, beginnt ein neuer: Noam Schalit, Vater des einst von der Hamas entführten Soldaten Gilad Schalit, möchte ins israelische Parlament einziehen. Als sein Sohn verschleppt wurde, mobilisierte er die Öffentlichkeit, die Arbeitspartei erhofft sich viel von dem prominenten Mitglied - andere kritisieren seine Entscheidung heftig.
Noam Schalit steht im Regen, als er sich oben im nasskalten Norden vor seinem Haus in Mitzpe Hilla wieder einmal den Reportern und den Fotografen stellt. An Medienrummel hat er sich gewöhnt in den mehr als fünf Jahren, in denen ganz Israel heftig Anteil genommen hatte am Schicksal seines im Gaza-Streifen eingekerkerten Sohnes Gilad. Doch neu ist nun, dass keiner mehr nach dem unlängst befreiten jungen Soldaten fragt, sondern nach dem Vater und einer Entscheidung, die kurz zuvor von der Arbeitspartei publik gemacht wurde. Denn Noam Schalit zieht es in die Politik: Für die Arbeitspartei will er bei der nächsten Wahl ins Parlament einziehen. Kaum ist der eine Kampf vorbei, beginnt auch schon ein neuer.
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"Die israelische Gesellschaft hat sich für Gilad eingesetzt, nun will ich der Gesellschaft etwas zurückgeben": Noam Schalit zieht es in die Politik. (© Getty Images)
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Als der junge Soldat Gilad Schalit im Juni 2006 von einem Entführungskommando in den Gaza-Streifen verschleppt wurde, da hatte der Vater all seine Kräfte mobilisiert und dann die israelische Öffentlichkeit. Er quittierte seinen Job als Ingenieur in einer Werkzeugfabrik, er traf Rabbis und Regierungschefs, reiste um die halbe Welt, organisierte Massenmärsche und ließ sich schließlich in einem Protestzelt genau gegenüber der Residenz des Premierministers in Jerusalem nieder, um eindrücklich auf das Schicksal seines Sohnes hinzuweisen.
Die Menschen bemitleideten und bewunderten ihn, er wurde zu einer Celebrity des Schmerzes und der Sorge - und als er nach fast 2000 Tagen endlich am Ziel war und seinen gegen mehr als tausend palästinensische Gefangene ausgetauschten Sohn wieder in die Arme schließen konnte, da hat es nur noch einen Wunsch gegeben: Ruhe und Normalität.
Die Arbeitspartei bemüht sich um den prominenten Neuzugang
Die Nation hat ihm das gegönnt, und selbst die sonst nicht zimperlichen israelischen Medien haben die Privatsphäre respektiert, in der die Familie sich wieder finden und Gilad Schalit sich erholen soll von den Torturen der Geiselhaft. Nun aber hat Noam Schalit nach wenigen Wochen die Ruhe selbst durchbrochen. Nach Jahren im grellen Licht der Scheinwerfer, die immer als notwendiges Übel erschienen waren, will er auch künftig in der Öffentlichkeit stehen und eine Karriere in der Politik versuchen. "Die israelische Gesellschaft hat sich für Gilad eingesetzt, nun will ich der Gesellschaft etwas zurückgeben", sagte er.
Die Arbeitspartei, die nach Jahren des Niedergangs im Parlament derzeit marginalisiert ist, erhofft sich einen kräftigen Auftrieb durch den prominenten Neuzugang. Intensiv hatte sich die neue Parteivorsitzende Shelly Yachimovich um Noam Schalit bemüht, und als sie am Dienstag gemeinsam mit ihm vor die Presse trat, da sagte sie stolz: "Er ist ein Mann der Arbeiterbewegung, er ist Fleisch von unserem Fleisch."
Tatsächlich ist Schalit schon 1996 in die Partei eingetreten, kurz nach dem Mord an Premierminister Jitzchak Rabin. "Die Arbeitspartei", so erklärte er nun, "ist sozialdemokratisch und eine Partei der Friedenssuche, und deshalb ist sie meine natürliche Heimat." Zum Einstieg ins Politikerleben bekannte er sich außerdem noch zum Rechtsstaat und zu einer Wirtschaftsordnung, die auch die Schwachen schützen müsse.
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@querschlaeger:
Eine kurze Frage an Sie:
Was haben denn Politiker zu bieten? In geschätzten 90% aller Fälle eine wohlbehütete Kindheit und Jugend in einem reichen Elternhaus - fern vom Fundament der Gesellschaft...
In ihren Luftschlössern wurden diese Personen nie mit den "simplen" Problemen der Masse konfrontiert.
Und fangen Sie bitte nicht mit der Mär an, Politiker seien in irgend einer Form intelligenter als Durchschnittsmenschen, nur weil diese ihre Ghostwriter, drei bis vier Sekretäre, Informationsvorsprung und Rhetorik-Grundlagen besitzen...
Und, nur so am Rande: Es gab und gibt immer Politiker die durch ihre Bekanntheit in das Amt gekommen sind, nehmen wir z.B. Bunga-Bunga-Sergio oder Mr. "I'll be back".
@Topic:
In meinen Augen hat der Herr zum Einen bereits eine der wichtigsten Eigenschaften eines x-beliebigen Politikers: Er ist den Umgang mit den Medien gewohnt.
Wichtiger ist aber, dass Schalit gemäß dem uralten/ja eigentlich veralteten Credo aus der Mitte des Volkes kommt und nicht aus der Elite.
In Israel brodelt es massiv, ohne überhaupt Palästina, den Iran, etc. einzubeziehen.
Ich gehe zwar davon aus, dass Schalit nur eine kleine Nummer werden würde im Parlament aber es würde zumindest ein Zeichen setzen.
Das Volk braucht Alternativen, um die alten teils korrupten Strukturen aufzubrechen.
Das ist einer der Gründe, warum in Deutschland die Piraten so hoch im Kurs sind.
Ein Schalit ist immer noch besser, als ein Frömmler im Parlament...
Papa Schalith ist einzig durch die Geisel-Tragödie seines Sohnes bekannt geworden. Nun nützt er seine so erworbene Bekannheit, um sich eine politische Karriere zu schaffen.Er hat als Politiker aber überhaupt nichts zu bieten, daher ist sein Vorhaben opportunistisch im Sinne des Wortes.
Ein bekannter israelischer Kolumnist titelte daher : " Noam Schalith, deine Rolle ist ausgespielt:"
Schließlich kann er eine Menge an Erfahrung im Umgang mit Medien, Politikern aus aller Welt, Aktivisten etc. etc. vorweisen. All das hat er gelernt, als er eine sehr effektive Kampagne führte, die letzendlich auch zur Befreiung seines Sohnes führte. Und bei all dem strahlten er und seine Familie eine gewisse Bescheidenheit und Würde aus.
Er bemueht sich um ueber die Arbeiter Partei in das Parlament zu kommen. Soweit die Meldung, ob das gelingt ? Das wird man sehen, nur das Problem Israel wird er allein nicht loesen koennen. Da dort zuviele unterschiedliche Einzellinteressen aufeinander prallen. Jede radikale Gruppe verfuegt ueber viel Geld und Einfluss und viele junge Israelis, die obwohl sie ihr Land lieben, sitzen auf gepackten Koffern. Das ist ein Teil der grossen Tragoedie des Israelischen Volkes. Netanjahu und seine Freunde werden diese Probleme nicht loesen koennen,oder gar wollen. Fuer sie ist es wichtig den Status Quo zu erhalten, denn nur dann koennen sie stark und Maechtig bleiben.