Neuwahl der CDU-Spitze Die zweite Reihe fehlt

Ein Präsidiumsmitglied über Ursula von der Leyen: "Sie hat in diesem Jahr am häufigsten für innerparteiliche Aufreger gesorgt".

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Die CDU wählt fast ihre komplette Führungsriege neu. Viel Auswahl hat die Partei allerdings nicht. Bei den Stellvertretern von Kanzlerin Merkel gibt es so viele Bewerber wie Kandidaten. Der Parteitag zeigt: Die Union hat Mangel an gutem und vor allem jungem Personal.

Von Robert Roßmann, Berlin

Die CDU ist - zumindest dem Namen nach - eine christliche Partei. Deshalb wird auch der Parteitag in Hannover mit einem ökumenischen Gottesdienst beginnen. Am Dienstag um 8.30 Uhr kommen die Delegierten in der Marktkirche zusammen. Nach den gemeinsamen Gebeten geht es dann mit Bussen in die "Deutsche Messe Hannover". Dort werden tausend Christdemokraten zwei Tage lang über einen Leitantrag zur Wirtschaftspolitik beraten und ein bisschen über die Homo-Ehe, die Frauenquote und eine bessere Anerkennung von Kindererziehungszeiten streiten. Ganz so wild werden die Debatten aber nicht werden. Zum einen ist öffentliches Streiten nicht die größte Stärke der Christdemokraten. Zum anderen soll der Parteitag dem Wahlkampf von Niedersachsens Ministerpräsidenten David McAllister einen Schub verleihen - auf dass dieser im Januar doch noch den Machterhalt schaffe.

Und so dürfte die Neuwahl der CDU-Spitze in Hannover die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mit Ausnahme von Generalsekretär Hermann Gröhe muss sich die gesamte Führung den Delegierten stellen. Angela Merkel kandidiert bereits zum siebten Mal. Sie ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzende, damals war noch nicht einmal die ewige Grünen-Chefin Claudia Roth im Amt. Merkel werde auch diesmal "ein tolles Ergebnis" bekommen, sagt Gröhe. Das letzte Mal erhielt die Parteichefin 90,4 Prozent. Diesmal dürfte sie noch besser abschneiden. Die Kanzlerin ist der wichtigste - aus Sicht mancher sogar der einzige - Trumpf der CDU im Wahlkampf. Die Delegierten werden ihn nicht beschädigen.

Bewegung bei Merkels Stellvertretern

Dafür wird es in Hannover Bewegung im Reigen von Merkels Stellvertretern geben. Norbert Röttgen tritt nicht mehr an. Beim letzten Mal hatte er noch das beste Ergebnis aller Stellvertreter erzielt. Doch seit dem Wahldesaster in Nordrhein-Westfalen ist klar, dass die Zeit des einstigen Hoffnungsträgers erst einmal vorbei ist. Auch Annette Schavan zieht sich aus der Spitze zurück. Sie ist zwar durch die Plagiatsvorwürfe geschwächt, anders als Röttgen verzichtet sie aber aus freien Stücken auf eine Wiederwahl. Die Bildungsministerin will den Weg für Jüngere frei machen. Schavan ist die mit Abstand dienstälteste Stellvertreterin - sie ist bereits seit 1998 im Amt, damals war Merkel noch Generalsekretärin.

Die Wiederwahl der anderen beiden stellvertretenden Parteichefs, Ursula von der Leyen und Volker Bouffier, gilt als sicher. An von der Leyen führt kein Weg vorbei, sie deckt die sozialdemokratische Flanke ab. Und Bouffier muss schon aus ganz praktischen Erwägungen im Amt bestätigt werden: Die CDU kann es sich nicht leisten, einen der wenigen verbliebenen Ministerpräsidenten ein Jahr vor der hessischen Landtagswahl abzustrafen.

Die Suche nach Nachfolgern für Schavan und Röttgen hat in den vergangenen Monaten die personelle Auszehrung der CDU offenbart. In den Ländern gibt es in der Liga der Bis-50-Jährigen nur noch drei Christdemokraten mit nationalem Format: die Saarländerin Annegret Kramp-Karrenbauer, den Niedersachsen David McAllister und die Rheinland-Pfälzerin Julia Klöckner. Kramp-Karrenbauer und McAllister brauchen als Ministerpräsidenten die Aufwertung durch ein Stellvertreter-Amt nicht unbedingt. Außerdem ist das kleine Saarland mit Umweltminister Peter Altmaier auf Bundesebene bereits gut bedient - und Niedersachsen stellt in von der Leyen bereits einen Stellvertreter. Doch wegen des Regionalproporzes wäre jetzt trotzdem fast kein Platz für Klöckner gewesen.

Die CDU und die Quote

Die CDU wehrt sich zwar gegen eine starre Frauenquote, auf ihre Länderquote lässt sie aber nichts kommen. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg stellen zusammen fast die Hälfte aller Parteitagsdelegierten. Ihnen steht deswegen traditionell je ein Stellvertreter-Amt zu. An ihren neuen Landesvorsitzenden Armin Laschet und Thomas Strobl führt deshalb trotz deren bisheriger Blässe kein Weg vorbei - auch weil die Bundes-CDU die beiden nach dem Machtverlust paralysierten Landesverbände nicht noch weiter schwächen will. Um der aufstrebenden Klöckner doch einen Platz zu verschaffen, wird in Hannover nun einfach das Parteistatut geändert und die Anzahl der Stellvertreter auf fünf erhöht. Damit gibt es jetzt in von der Leyen, Bouffier, Laschet, Strobl und Klöckner genauso viele Kandidaten wie Bewerber.

Interessant dürfte die Wahl trotzdem werden. Die Landesverbände würden sich zwar absprechen, damit die Kandidaten ähnliche Ergebnisse erhielten, sagt ein Präsidiumsmitglied. Dies sei schon nötig, damit vom Parteitag ein Signal der Geschlossenheit ausgehe. Kleine Unterschiede werde es aber geben. Und dies dürfte vor allem von der Leyen nicht gefallen. "Sie hat in diesem Jahr am häufigsten für innerparteiliche Aufreger gesorgt", sagt das Präsidiumsmitglied. Die Quittung könnte von der Leyen nun mit dem Stimmzettel bekommen: Die junge Julia Klöckner dürfte vor ihr landen.