Neuer Skandal Schmutzige Briefe aus dem Vatikan

Ein neuer Skandal um gestohlene Dokumente erschüttert den Vatikan. Es geht um die Enthüllung von Geheimnissen - und um die Finanzen des Heiligen Stuhls.

Von Oliver Meiler, Rom

Ein Skandal, der viele an "Vatileaks" erinnert, erschüttert den Vatikan. Wieder geht es um die Enthüllung vatikanischer Geheimnisse. Und wieder dreht der Fall sich um die Finanzen des Heiligen Stuhls. Die Schweizergarde hat am Wochenende einen spanischen Priester und eine Italienerin festgenommen, die einer von Papst Franziskus vor zwei Jahren gegründeten Finanzkommission angehörten und Vertrauensbruch begangen haben sollen.

Lucio Angel Vallejo Balda, 54 Jahre alt, Mitglied der erzkonservativen katholischen Organisation Opus Dei, und Francesca Immacolata Chaouqui, 33 Jahre alt, die Italiens Medien als "Lobbyistin" beschreiben, wird vorgeworfen, dass sie geheime Informationen entwendet und sie an Dritte weitergegeben haben. Diese sollen das Material in zwei Büchern verarbeitet haben, die in den kommenden Tagen erscheinen.

Vallejo Balda war früher Sekretär der Kommission für die Neustrukturierung der wirtschaftlichen und administrativen Angelegenheiten des Vatikans, kurz Cosea, die unterdessen wieder aufgelöst wurde. Er war bis zu seiner Verhaftung Sekretär der Präfektur der wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls. Nach seiner Anhörung blieb er inhaftiert.

Chaouqui, die damals nach einer Empfehlung von Vallejo Balda als einzige Frau in das Finanzgremium aufgenommen worden war, wurde auf freien Fuß gesetzt, obschon weiter gegen sie ermittelt wird. Die vatikanische Staatsanwaltschaft begründete ihren Entscheid damit, dass Chaouqui mit der Justiz zusammenarbeite. Fluchtgefahr bestehe nicht. Seit 2013 gilt die Verbreitung von vertraulichen Schriften im Vatikan als Delikt.

"Ich hatte Zugang zu Tausenden von Dokumenten"

Schon 2012 hatten Enthüllungen über das Innenleben des Vatikans Aufregung verursacht. Der Kammerdiener von Benedikt XVI., Paolo Gabriele, hatte Dokumente vom Bürotisch des Papstes gestohlen und an die Öffentlichkeit gebracht. Warum er das tat und wer ihn dazu anstiftete, ist bis heute nicht geklärt. Mindestens ein Teil dieser Dokumente gelangte damals zum italienischen Investigativjournalisten Gianluigi Nuzzi, der damit das Buch "Seine Heiligkeit: Die geheimen Briefe aus dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI." bestückte.

Nun schickt sich Nuzzi an, ein neues Buch zu veröffentlichen, das sich wahrscheinlich aus den Dokumenten nährt, die ihm Vallejo Balda und Chaouqui zuspielten. In der Einladung zur Pressekonferenz, die am Donnerstag in Rom stattfinden soll, schreibt Nuzzi: "Ich hatte Zugang zu Tausenden Dokumenten. Die bedeutendsten finden sich in diesem Buch. Sie zeugen von einer unglaublichen Geldverschwendung durch die Kirchenführung. Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, die anzuklagen, die sich der Revolution von Papst Franziskus widersetzen."

Der Vatikan lässt ausrichten, wer glaube, er stärke mit solchen Enthüllungen die Mission des Papstes, der täusche sich.