Nato-Treffen Und dann straft er die gesamte Mannschaft ab

Nicht ganz die staatstragende Rede: Trumps Standpauke beim Nato-Treffen.

(Foto: AFP)

Statt sich zur Nato zu bekennen, wirft Trump den anderen Mitgliedsstaaten vor, sie würden den USA "riesige Mengen Geld" schulden - und 27 Staats- und Regierungsschefs stehen plötzlich da wie eine Schulklasse.

Von Pia Ratzesberger, Brüssel

Es hätte feierlich werden können, an diesem Donnerstag im neuen Nato-Hauptquartier. Doch dann beginnt Donald Trump zu reden. Während Kanzlerin Angela Merkel eben noch den Beitrag der Nato zur deutschen Wiedervereinigung lobte, hält sich der US-Präsident nicht lange mit Historie auf. Er geißelt die anderen Nato-Mitgliedstaaten dafür, dass sie noch immer zu wenig zu der Allianz beitrügen. 23 der 28 Länder würden den Steuerzahlern in den USA "riesige Mengen Geld schulden".

Solche Sätze haut er mal eben raus, während 27 Staats- und Regierungschefs allesamt brav aufgereiht neben ihm stehen und eine Festrede erwarten. Sie scheinen nicht wirklich zu wissen, wie sie sich ob dieser Worte verhalten sollen: Angela Merkel blickt immer wieder zu Boden, der gerade erst gewählte Präsident Frankreichs, Emmanuel Macron, grinst seinem Nachbarn zu, dem belgischen Premier Charles Michel. Neben dem polternden Trump stehen die 27 anderen plötzlich da wie eine Schulklasse.

Der belgische König hat das neue Hauptquartier der Nato zuvor offiziell an die Allianz übergeben, ein imposanter Bau, ein Gelände von etwa 40 Hektar. Am Eingang zwei Mahnmäler, die daran erinnern sollen, warum die Freiheit zu verteidigen ist: Links ein Stück der Berliner Mauer, davor sprach Kanzlerin Angela Merkel. Rechts ein Trümmerteil von 9/11, vor diesem spricht nun US-Präsident Donald Trump. Und er sagt: Er wolle mehr Geld, die Verteilung sei gegenüber den Bürgern in den USA noch immer nicht fair. Was dieses Gebäude gekostet habe, habe er nie gefragt, aber das neue Hauptquartier der Nato sei immerhin "wunderschön".

Man will dem US-Präsidenten entgegenkommen

Schon vor diesem Treffen hatte Trump die Nato-Mitgliedstaaten immer wieder ermahnt, dass sie mehr für die Verteidigung ausgeben müssten, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes seien das absolute Minimum. Vor drei Jahren hatten sich die Staaten auf diesen Prozentsatz als "Richtwert" geeinigt, allerdings bis zum Jahr 2024. Deutschland gibt nicht mehr als 1,2 Prozent für Verteidigung aus. Nun haben sich die Länder darauf verständigt, jedes Jahr einen Fortschrittsbericht abzugeben und den USA damit Rechenschaft abzulegen, wie weit sie gekommen sind. Man will dem US-Präsidenten schließlich entgegenkommen. Denn dass der Mann unberechenbar ist, zeigt sich auch wieder an diesem Donnerstag in Brüssel: Statt sich zur Nato zu bekennen, straft Trump die gesamte Mannschaft ab.

Die Nato solle sich stärker auf den Kampf gegen den Terror konzentrieren, sagt er dann noch, "and migration", also Einwanderung. Trump nennt Terror und Einwanderung in einem Satz, er scheint da keinen großen Unterschied zu machen - Kanzlerin Merkel sprach wenige Minuten zuvor noch von offenen Gesellschaften. Sie sagte, dass Abschottung nicht zum Ziel führen würden, auch Mauern nicht. Doch ihr Kollege aus den USA sieht das bekanntermaßen anders.

Als Merkel mit ihrer Rede fertig war, gab es einigen Applaus, als Trump vom Rednerpult zurück tritt, klatschen nicht alle seiner Kollegen. Auch wenn er zum Schluss sagt, es sei "eine große Ehre" hier zu sein. Er und die 27 anderen Staats- und Regierungsschefs gehen jetzt gemeinsam Abendessen. Drei Stunden Zeit, um das ein oder andere Missverständnis auszuräumen.

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