Fall Skripal Russische Diplomaten müssen Nato-Vertretung verlassen

  • Die Nato hat als Reaktion auf den Russland zugeschriebenen Giftanschlag in Großbritannien sieben Mitarbeitern der russischen Vertretung beim Bündnis die Akkreditierung entzogen.
  • Die Personalstärke werde außerdem auf 20 von bislang 30 Mitarbeitern begrenzt, teilte Generalsekretär Stoltenberg mit.
Von Daniel Brössler, Brüssel

Im Konflikt mit Russland um die Vergiftung des früheren Doppelagenten Sergej Skripal hat die Nato die Gangart des Westens noch einmal verschärft. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kündigte am Dienstag in Brüssel an, sieben Diplomaten müssten die russische Vertretung beim Bündnis verlassen. Russland hatte die Vertretung schon nach der Annexion der Krim 2014 drastisch verkleinern müssen. Die Obergrenze lag zuletzt bei 30. Der Botschafterposten ist seit einigen Monaten unbesetzt. Die Obergrenze werde auf 20 gesenkt, teilte Stoltenberg mit.

Eine "spiegelbildliche" Antwort wird Russland im Unterschied zu den Diplomatenausweisungen aus 24 Staaten nicht ohne Weiteres geben können. In Moskau ist die Nato lediglich mit einem Militärattaché vertreten. Zwar gibt es darüber hinaus ein Informationsbüro, an dem aber nur Ortskräfte beschäftigt sind. Nicht zur Disposition will die Nato die Zusammenarbeit im Nato-Russland-Rat stellen. Im Zuge der russischen Aggression gegen die Ukraine hatte die Nato 2014 lediglich die militärische Zusammenarbeit mit Moskau ausgesetzt.

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"Wenn man die Eskalation so weit treibt, dass es kein Zurück mehr gibt und ohne dass man schon Ergebnisse der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen hat, dann ist das gewagt", sagte der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn zur Welle der Ausweisungen russischer Diplomaten der Süddeutschen Zeitung. Luxemburg gehört zu zehn EU-Staaten, die bislang keine russischen Diplomaten ausgewiesen haben.

Bei dem Anschlag in Salisbury waren Anfang März der frühere Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia schwer vergiftet worden. Die Täter nutzten dabei nach derzeitigem Ermittlungsstand den in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok, weshalb Moskau von London verantwortlich gemacht wird. Russland streitet jegliche Verantwortung für den Anschlag ab.

Die Ausweisungen aus vielen Staaten seien das "Ergebnis kolossalen Drucks, kolossaler Erpressung" seitens der USA, sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Dies sei Washingtons "Hauptinstrument auf der internationalen Bühne". Russland werde reagieren, daran bestehe kein Zweifel. Ein solches "launisches Verhalten" könne nicht unbeantwortet bleiben.

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