Nahostkonflikt Unruhiger Start der neuen Waffenruhe

Zerstörtes Haus im Gazastreifen: Die Konfliktparteien haben eine neue Waffenruhe vereinbart.

(Foto: AP)

Israel und die Palästinenser haben sich auf eine Verlängerung der Waffenruhe im Gazastreifen geeinigt - um fünf Tage. Doch noch vor dem Inkrafttreten der neuen Feuerpause wird aus dem Gazastreifen geschossen, die israelische Armee reagiert mit einem Gegenangriff.

  • Israel und die Hamas haben ihre Feuerpause verlängert. Das teilen ägyptische Offizielle mit. Vor der neuen Waffenruhe gibt es Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen, Israel reagiert mit einem Gegenangriff.
  • Israel zieht Truppen an der Grenze zum Gazastreifen zusammen und beruft Reservisten ein.
  • Sechs Menschen sterben bei der Explosion eines israelischen Blindgängers im nördlich gelegenen Beit Lahija, darunter mindestens ein Journalist.

Wieder Angriffe im Gaza-Konflikt

Israel hat in der Nacht auf Donnerstag wieder Ziele im Gazastreifen angegriffen. Kampfflugzeuge hätten mindestens drei Angriffe geflogen, berichteten Augenzeugen. Zuvor hatten radikale Palästinenser israelischen Angaben zufolge kurz vor Ablauf einer dreitägigen Waffenruhe erneut Raketen auf den jüdischen Staat abgefeuert. Der Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri sagte kurz nach dem Raketenangriff, seine Bewegung sei nicht verantwortlich für den Beschuss.

Waffenruhe verlängert

Israelis und Palästinenser haben sich ägyptischen Regierungsvertretern zufolge auf eine Verlängerung der Waffenruhe im Gazastreifen geeinigt. "Beide Seiten haben sich darauf geeinigt, die Waffenruhe um fünf Tage zu verlängern, um weitere Verhandlungen zu ermöglichen", teilte das ägyptische Außenministerium in Kairo mit. Der palästinensische Chefunterhändler Assam al-Ahmed bestätigte diese Angaben. Kurz zuvor war noch von einer dreitägigen Verlängerung der Feuerpause die Rede gewesen.

Israelische Streitkräfte verstärken Truppen

Wenige Stunden vor Ablauf der Waffenruhe zwischen Israel und militanten Palästinensern verlegte Israel zusätzliche Truppen an die Grenze zum Gazastreifen und zog weitere Reservisten ein. Das berichteten übereinstimmend die israelische Nachrichtenseite ynet sowie die Zeitung Haaretz. Eine israelische Armeesprecherin wollte die Berichte nicht kommentieren.

Tote nach Explosion eines Blindgängers

Bei der Explosion eines israelischen Blindgängers im Norden des Gazastreifens starben am Mittwoch sechs Menschen, darunter mindestens ein Journalist. Dabei handelt es sich um einen italienischen Fotoreporter. Das italienische Außenministerium bestätigte seinen Tod nach Angaben der Zeitung La Repubblica. Der Nachrichtenagentur dpa zufolge sind auch ein palästinensischer Journalist sowie vier Bombenentschärfer unter den Toten.

Der Unfall habe sich in Beit Lahija im Norden des Küstengebiets ereignet, als Kampfmittelräumer versuchten, ein nicht explodiertes israelisches Kampfmittel zu entschärfen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Gaza. Dem Gesundheitsministerium in Gaza zufolge war das Objekt von der israelischen Armee bereits vor Inkrafttreten einer Waffenruhe vor einigen Tagen abgefeuert worden, aber beim Aufprall nicht detoniert. Sechs weitere Menschen seien bei der Explosion verletzt worden.

In den Ruinen der Ortschaften des Gazastreifens, die fünf Wochen lang von israelischer Luftwaffe und Artillerie beschossen wurden, liegen noch viele Tonnen an Munition, Bomben und Raketen. Darunter sind auch Raketenvorräte und Blindgänger der radikalislamischen Hamas, die aus dem Palästinensergebiet Raketen und Granaten nach Israel schießt.

Waffenstillstandsverhandlungen in Kairo

Israel und die Palästinenser verhandeln in Kairo nicht direkt miteinander, weil die israelische Führung die radikalislamische Hamas, die im Gazastreifen das Sagen hat, als Terrororganisation einstuft und ihr direkte Gespräche verweigert.

In den Verhandlungen fordert Israel Garantien, dass der unablässige Beschuss aus dem Küstengebiet aufhört. Die Palästinenser fordern eine Aufhebung der achtjährigen Blockade des Gazastreifens. Seit Beginn des israelischen Militäreinsatzes im Gazastreifen am 8. Juli wurden fast 2000 Palästinenser getötet. Auf israelischer Seite kamen 64 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben.

Einem Bericht der Haaretz zufolge plant Israel eine eigene Untersuchung des Tods palästinensischer Zivilisten: Die Vereinten Nationen hatten Israel vorgeworfen, im jüngsten Gaza-Konflikt Kriegsverbrechen begangen zu haben. Eine UN-Kommission, die den Sachverhalt klären soll, wird von Israel kritisch gesehen.