Kampf gegen Steuerhinterziehung Cameron fordert britische Steueroasen zur Kooperation auf

Ordnung im "eigenen Haus" will der britische Premierminister Cameron schaffen. In einem Brief wendet er sich an die zu Großbritannien gehörenden Steueroasen und fordert mehr Kooperation ein. Dahinter stecken auch Camerons Versprechen für den G8-Gipfel im kommenden Monat.

Im Kampf gegen grenzüberschreitende Steuerflucht hat Großbritanniens Premierminister David Cameron an die zu seinem Land gehörenden Steueroasen appelliert, beim Kampf gegen Steuerhinterziehung mitzuwirken. Er forderte die britischen Überseegebiete und Kronbesitzungen auf, das "eigene Haus in Ordnung zu bringen" und mahnte die führenden Politiker der Gebiete unter anderem, den Austausch von Steuerdaten zu unterstützen.

Wie die Nachrichtenagentur PA am Montag berichtete, unterstrich er in einem Brief an die Führungen der Gebiete, darunter die Kanalinseln Jersey und Guernsey sowie Gibraltar und die Bermudas, zwar deren Recht, niedrige Steuersätze festzulegen. Die Regeln müssten jedoch fair festgelegt und durchgesetzt werden. Der Premier forderte mehr Transparenz bei Steuerdaten und wandte sich gegen gängige Modelle, mit denen die wahren Besitzverhältnisse von Firmen verschleiert werden.

Der Premier begrüßte die von den Überseegebieten bereits angekündigte Offenlegung von Steuerdaten. Es gebe jedoch noch Steigerungsmöglichkeiten hinsichtlich der "Qualität und Exaktheit". "Das bedeutet, dass wir wissen müssen, wer jedes einzelne Unternehmen wirklich besitzt und kontrolliert", erklärte Cameron.

Im kommenden Monat findet in Nordirland der Gipfel der acht größten Industrienationen statt. Als Hauptziel des britischen G8-Vorsitzes hat Cameron die Trockenlegung der Steueroasen vorgegeben.

Anfang April hatte ein riesiger Datensatz, in dem die Süddeutschen Zeitung und andere Medien recherchiert hatten, rund 130.000 mutmaßliche Steuersünder aus mehr als 170 Ländern enttarnt.

Sie sollen geheime Geschäfte mit Offshore-Firmen in einschlägigen Steueroasen gemacht haben. Genannt wurden dabei auch die Britischen Jungferninseln und die Cayman-Inseln, die zu den Adressaten von Camerons Brief zählen. Viele der international als Steueroasen gebrandmarkten Regionen sind britische Überseegebiete oder britischer Kronbesitz.