Mordserie des NSU Bevor Corelli befragt werden konnte, starb er

Der sollte dazu von den NSU-Ermittlern befragt werden, doch diese kamen zu spät. Am 7. April wurde Thomas R. alias Corelli von BfV-Mitarbeitern tot in seiner Wohnung im Landkreis Paderborn aufgefunden. Laut Obduktion war die Todesursache ein Zuckerschock; Thomas R. soll unter einer Diabetes-Erkrankung gelitten haben, die nicht erkannt worden war. Er lebte unter neuer Identität in einem Schutzprogramm, nachdem seine Spitzeltätigkeit enttarnt worden war.

Corelli hatte sich jahrzehntelang in der rechten Szene bewegt, Spitzname "HJ Thommy". Er berichtete unter anderem über Neonazi-Musik und eine Gruppe des Ku-Klux-Klan in Baden-Württemberg, der zeitweise auch Polizisten angehörten - unter anderem der spätere Truppführer der 2007 mutmaßlich vom NSU in Heilbronn ermordeten Beamtin Michèle Kiesewetter.

Corelli soll früh Kontakt zu Uwe Mundlos gehabt haben

Thomas R. alias Corelli kam ursprünglich aus Halle und soll mindestens einmal auch Kontakt zu dem späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos gehabt haben, als dieser noch nicht im Untergrund lebte. Eine Adresse von Thomas R. tauchte auf einer Kontaktliste von Mundlos auf, die 1998 gefunden wurde. In Befragungen durch das BKA bestritt Thomas R. einen Kontakt zu den Terroristen vom NSU. Dann tauchte die CD in Hamburg auf, schließlich eine weitere in Mecklenburg-Vorpommern, und nun im Bundesamt. Gerne hätten Ermittler von Thomas R. erfahren, wie er oder andere auf den Namen "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) kamen.

Offensichtlich kursierten CDs mit diesem Begriff bereits vor Jahren in der rechten Szene. In einem Web-Interview mit seinen Anhängern behauptet ein Mann, der sich "Fatalist" nennt, auch er habe von einem Kumpel eine solche CD bekommen, von denen in den Jahren 2003/04 einige im Umlauf gewesen seien. Hinter "Fatalist" verbirgt sich offenbar ein Mann namens Christian Reißer, der auf einem Blog immer wieder versucht, "flächendeckende Aktenfälschungen" im Fall des NSU zu beweisen und dabei die von Neonazis verbreiteten Verschwörungstheorien bedient. Er vertritt die These, dass der Name NSU vom Verfassungsschutz geprägt worden sei und über den V-Mann Corelli in die Szene geschleust wurde. In Rechtsextremisten-Kreisen wird gern verbreitet, dass der NSU ein Geschöpf des Verfassungsschutzes sei.

Fehler in einem Polizeivermerk

Ein sogenannter "Arbeitskreis NSU" versucht seit Monaten, angebliche Manipulationen bei den Ermittlungen nachzuweisen. Er hat mit solchen Hinweisen auch den Innenausschuss des Bundestags angeschrieben und auf angeblich falsche Obduktionsberichte und andere Ungereimtheiten hingewiesen. So sei die Tatwaffe schon bekannt gegeben worden, als die waffentechnische Untersuchung noch nicht abgeschlossen war.

Ein Sprecher des Generalbundesanwalts erklärte, kurz nach dem Tod von Mundlos und Uwe Böhnhardt habe es in der Tat einen Fehler in einem Polizeivermerk gegeben, zudem einige Übertragungsfehler, die aber später korrigiert worden seien. Von einer Aktenmanipulation könne aber nicht die Rede sein. Man müsse nicht auf ein schriftliches Waffengutachten warten, bis man dessen Ergebnis mitteile. Es gebe ja auch Telefone, sagte der Sprecher.