Mord an Boris Nemzow Russland erhebt Anklage gegen angebliche Mörder Nemzows

  • Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen vier Verdächtige im Mordfall Nemzow.
  • Nemzows Familie vermutet allerdings, dass ein Sündenbock gesucht wurde.
  • Nemzow ist der prominenteste Oppositionelle, der während der Amtszeit von Präsident Putin getötet wurde

Staatsanwaltschaft klagt vier Verdächtige an

Die russische Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen vier Verdächtige im Mordfall des bekannten russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow erhoben. Russlands höchstes Ermittlungsgremium teilte außerdem mit, auch den fünften Verdächtigen in Kürze anklagen zu wollen. Die fünf Tschetschenen sollen in das Verbrechen verwickelt sein, doch ist der Auftraggeber nach wie vor unbekannt.

Nemzow war am 27. Februar abends in Moskau auf einer Brücke nahe dem Kreml erschossen worden. Der Mord an dem ausgewiesenen Kritiker von Russlands Präsidenten Wladimir Putin hatte die russische Opposition schockiert.

Bereits im März waren die tschetschenischstämmigen Männer festgenommen worden, die jetzt angeklagt werden. Unter ihnen befindet sich der mutmaßliche der ehemalige tschetschenische Polizist Saur Dadajew, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Dadajew war früher Offizier der Sicherheitskräfte unter dem tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow. Dieser wurde von Russland unterstützt.

Nemzows Familie vermutet, dass ein Sündenbock gesucht wurde

Nemzows Familie hatte die Ermittler gebeten, eine mögliche Verstrickung von Kadyrow zu untersuchen sowie den ranghohen tschetschenischen Polizeioffizier Ruslan Geremejew zu befragen. Dessen persönlicher Fahrer Ruslan Muchudinow gilt den Ermittlungsbehörden als möglicher Organisator des Mordes. Er ist nach wie vor auf der Flucht. Nach Angaben der Oppositionsgruppe Offenes Russland hatte Muchudinow in einer Einheit tschetschenischer Spezialkräfte gekämpft, die den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow unterstützten.

Nach Muchudinow werde "seit November international gefahndet", erklärte die Staatsantwaltschaft. Er sei einer der "Geldgeber und Organisatoren dieses Verbrechens". Gegen ihn und weitere noch nicht identifizierte Verdächtige würden "separate Verfahren" eröffnet. Muchudinows Anwalt teilte mit, dass keine belastenden Beweise gegen seinen Mandanten vorlägen.

Nemzows Familie bezweifelt allerdings, dass Muchudinow tatsächlich der Auftraggeber für den Mord war. Der Fahrer sei als Sündenbock herausgedeutet worden, um die "Aufmerksamkeit von Kadyrows innerem Kreis" abzulenken, sagte der Anwalt von Nemzows Familie, Wadim Prochorow, der Nachrichtenagentur Interfax.

Nemzow ist der prominenteste Oppositionelle, der während der Amtszeit von Präsident Wladimir Putin getötet wurde. Putin hatte die Tat verurteilt. Mitarbeiter und Anhänger Nemzows vermuten jedoch, dass der russische Sicherheitsapparat etwas mit der Tat zu tun haben könnte.